Angriffe in Bremen: Vier Tage, zwei Brandanschläge, ein Haus
Nach zwei Anschlägen auf das Haus geflüchteter Familien haben diese Angst vor weiteren Angriffen. Die Solidarität vor Ort macht ihnen Hoffnung.
Die Bewohner:innen haben Angst. Nach zwei Anschlägen auf das Haus geflüchteter Familien in Bremen-Sebaldsbrück fordern die Betroffenen Aufklärung. Insgesamt zehn Menschen wohnen in dem Haus in der Zeppelinstraße, das vor etwas über einer Woche Ziel der Anschläge wurde. Es handelt sich um zwei geflüchtete Familien, eine syrische und eine jesidische, darunter sieben Kinder von denen die meisten unter zehn Jahre alt sind.
Fotos der Fassade zeigen den Ruß, den die Brandsätze hinterlassen haben. Der erste Anschlag ereignete sich am 27. Juli. Laut Polizei sollen es zwei Personen gewesen sein, die gegen 23 Uhr die beiden Molotowcocktails gegen das Haus warfen. Vorbeifahrende Zeugen haben die Tat beobachtet und durch hupen auf das Feuer aufmerksam gemacht. Anwohner konnten es löschen. Die beiden Täter sollen zu Fuß geflüchtet sein.
Nur vier Tage später folgte der zweite Anschlag. Laut Polizei hat ein Zeuge erneut gegen 23 Uhr einen lauten Knall wahrgenommen und beim Blick aus dem Fenster im Kiesbett vor dem Haus eine etwa einen Meter hohe Flamme gesehen. Er habe wieder zwei flüchtende Personen beobachtet, so die Polizei. Alarmierte Polizeikräfte konnten das Feuer löschen.
Molotowcocktails gegen die Fassade
Der taz liegt ein Video vor, das die Situation kurz nach einem der Anschläge zeigt. Das Fenster auf ungefähr zwei Metern Höhe, neben dem die Brandsätze den Rußspuren nach anscheinend unmittelbar aufschlugen, steht auf Kipp. Auf dem Boden vor dem Haus brennen die Überreste der Molotowcocktails.
Mehrere Personen reden hektisch durcheinander und laufen offenbar geschockt auf dem Bürgersteig hin und her, darunter ein Kind und eine Frau mit einem Kleinkind auf dem Arm.
Als erstes berichtete Buten un Binnen über den Fall. Dem Magazin gegenüber sagten die Bewohnerinnen, dass sich das Feuer beim zweiten Anschlag bis ins Haus gefressen habe und eine Gardine in Brand geraten sei. Sie konnten das Feuer jedoch rechtzeitig löschen, bevor es sich weiter ausbreitete.
Die Familien berichten, sie hätten beim ersten Anschlag zwei, beim zweiten drei mutmaßlich junge Männer gesehen. Man habe sie verfolgt, jedoch aus den Augen verloren.
„Beide Familien können sich aus Angst und Sorge nicht vorstellen, weiter in dem Haus zu wohnen“, erzählt Nazanin Ghafouri vom Flüchtlingsrat Bremen. Sie steht im engen Austausch mit den Betroffenen: „Als wir sie besucht haben, waren sie in einem sehr schlechten Zustand. Die Augen der Erwachsenen waren komplett rot, weil sie nachts nicht schlafen konnten.“ Besonders die Kinder seien verängstigt und fürchten sich vor weiteren Angriffen.
Der Flüchtlingsrat hat am Montag eine Spendenkampagne gestartet, um den Betroffenen vorübergehend eine andere Unterkunft zu ermöglichen und Anwaltskosten zu bezahlen. Durch den rechtlichen Beistand erhoffen sich die Familien, die Ermittlungen vorantreiben und die Anschläge vollständig aufarbeiten zu können.
Daneben ist laut Flüchtlingsrat nun eine psychologische Betreuung und Traumahilfe für die Kinder und Erwachsenen wichtig, um die emotionalen Folgen der Anschläge zu bewältigen. Über 200 Personen haben sich inzwischen an der Spendenkampagne beteiligt.
Neben den Geldspenden gebe es auch vor Ort große Unterstützung, sagt Ghafouri: „Es zeigen sich extrem viele Menschen solidarisch. Das ist das, was der Familie ein Stück weit Hoffnung gibt.“
Nicht nur die betroffenen Familien seien weiter verängstigt. „Das Motiv hinter den Anschlägen ist bisher nicht geklärt. Aber selbstverständlich haben jetzt vor allem migrantisch gelesene Personen Angst“, berichtet Ghafouri.
Linke fordert Schutz
Die Polizei Bremen ermittelt noch und ruft Zeugen dazu auf, sich zu melden. Zum aktuellen Stand der Ermittlungen und möglichen Motiven wollte sie sich aus „ermittlungstaktischen Gründen“ vorerst nicht weiter äußern.
Die Anschläge beschäftigen auch die Politik. „Als Linke sind wir schockiert, dass es inmitten von Bremen gleich zu zwei Brandanschlägen hintereinander auf dasselbe Gebäude und damit auf migrantische Familien gekommen ist“, sagt Nelson Janssen, der Fraktionsvorsitzende und innenpolitische Sprecher. „Alles deutet darauf hin, dass es sich dabei um rassistische Anschläge handelt.“
Die Betroffenen verdienten nun schnellstmögliche und gründliche Aufklärung und erhöhten Schutz: „Verständlicherweise ist auch die Nachbarschaft beunruhigt“, sagt Janssen. „Wir erwarten daher eine enge Kommunikation mit den Betroffenen und dem Wohnumfeld, um Sicherheit zu gewährleisten.“
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