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Trümmerberg in BerlinEin Monument des Schreckens

Der Teufelsberg im Grunewald ist nicht wirklich hoch und eigentlich mehr Hügel. Dafür ist er ungemein geschichtsträchtig, mit einer Menge Weltkriegstrümmer.

Thomas Mauch

Aus Berlin

Thomas Mauch

Wenn man von unten vom Parkplatz aus hochschaut, sieht man den Himmel. Dass da aber ein Berg sein soll, sieht man von hier aus noch nicht. Er versteckt sich gut hinter dem dichten Grün der Bäume, der Teufelsberg im Grunewald. Dabei hat er doch an Höhe vergleichsweise eine Menge zu bieten: Nach den Arkenbergen ist er die zweithöchste Erhebung des Berliner Stadtgebiets.

Da soll es jetzt also hochgehen, und gut, dass an diesem Tag der Himmel wolkenbedeckt ist. Gut für den Aufstieg, weil man so an diesem heißen Tag nicht gleich bereits vor den ersten Schritten ins Schwitzen gekommen ist. Tritt für Tritt geht es voran, bedächtig den Weg suchend, vorbei an den Bäumen, dem Gestrüpp, wild wuchernd, triumphierendes Grün. Bereitwillig lässt man andere Wanderer, etwas schneller schreitend, an sich vorbei … und ist dann auch schon nach wenigen Minuten auf der Serpentinenstraße oben angekommen.

So schnell ist es gegangen, dass man da beim Aufstieg trotz der Hitze des Tages gar nicht wirklich ins Schwitzen kommen konnte.

Nix wie hin

Die Besonderheit

Eigentlich ist so ein Trümmerberg schon was Besonderes. Nur kommt er in Berlin auch so besonders oft vor, dass er in der Stadt, wo sowieso viele der Erhebungen mit Müll und Sonstigem künstlich aufgeschüttet sind, mit dem Teufelsberg, Drachenberg, der Humboldthöhe, dem Insulaner und so weiter fast schon die Regel ist.

Das Zielpublikum

Spaziergänger, Ausflügler, Mountainbiker und Geschichtsinteressierte. Im Winter auch Schlittenfahrer. Wenn denn mal Schnee liegt.

Hindernisse auf dem Weg

Der Teufelsberg ist nicht hoch, er ist nicht steil. Trotzdem geht es nach oben. Was damit halt noch jeden Weg zum Hindernis macht. Aber Hindernisse überwinden ist doch die Lockung des Berges.

Keine Grate hier und kein Überhang

Aber er ist halt auch nicht wirklich hoch, der Teufelsberg. Es gibt da oben keine Grate, keinen Überhang. Sogar „Berg“ würden ihn manche nicht nennen wollen, wenn sie an der Faustregel festhalten, dass es für so eine Erhebung schon mindestens 300 Meter sein sollten. Dieser Hügel da im Grunewald kommt gerade mal auf 120 Meter.

Statt auf der Straße kommt man auch auf anderen Wegen hoch. Trampelpfade führen durch den Wald, Menschen sind mit Wanderstöcken unterwegs, andere joggen oder mühen sich mit dem Mountainbike nach oben, alles je nach Gusto und nach Puste.

Von oben hat man dann einen hübschen Blick auf die Stadt, rüber etwa zum nahen Olympiastadion, und geschichtsträchtig ist der Teufelsberg sowieso. Sogar eine Sprungschanze hat es mal gegeben und im Winter 1986 traf sich die damalige Skiprominenz bei einem hier ausgetragenen Parallelslalom, es waren Fahrer dabei wie Markus Wasmeier oder Ingemar Stenmark. Gewonnen hat dann mit dem Österreicher Leonhard Stock auch ein Olympiasieger.

wochentaz

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Augenfällige Spuren der Geschichte am Berg zeigen sich auch mit der ehemaligen Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte obenauf, einem noch bis 1999 genutzten Bau, der mit seinen markanten Kuppeln seither passend zu seinem Lost-Places-Flair verfällt. Ein Relikt des Kalten Krieges, das man aber gern einmal links liegen lassen mag (zumal für die Besichtigung Eintritt verlangt wird), denn das wirklich Spektakuläre des Teufelsbergs ist gar nicht zu sehen – weil da mit dem ganzen Grün das sprichwörtliche Gras über die Sache gewachsen ist.

So lange ist das noch nicht her, erdgeschichtlich ist der Teufelsberg allerjüngsten Datums. Er hat nicht diese Hunderte Millionen Jahre wie die längst wieder schön rund geschmirgelten deutschen Mittelgebirge auf dem Buckel. Selbst die dagegen geradezu jugendlichen Alpen falteten sich vor 50 Millionen Jahren im Tertiär so beeindruckend schroff in die Höhe. Der Teufelsberg dagegen ist absolut Anthropozän. Er ist ein aufgeschütteter Trümmerberg, also menschengemacht.

Seinen Namen trägt er nach dem nahe gelegenen Teufelssee. Möglicherweise ist aber damit gemeint, dass man es hier mit dem „Berg des Teufels“ zu schaffen hat, als Hinweis, wieso überhaupt diese Trümmer aufzuschichten waren.

Weil ganz unten, sozusagen als Grundstein, liegen da eben die Trümmer der Wehrtechnischen Fakultät, und die sollte ein wichtiger Bauteil der Weltherrschaft der Nazis sein mit Berlin als der Welthauptstadt – das war der irre Allmachtstraum, der sich für Deutschland glücklicherweise nicht erfüllte.

Die Trümmer so vieler Ruinen

Dafür brauchte es aber auch einen langen Weltkrieg, an dessen Ende der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät gesprengt wurde. Deren Reste wurden dann ab 1950 mit den Trümmern der Kriegsruinen überschüttet, davon gab es in der Stadt ja genug. 22 Jahre lang fuhren bis zu 800 Lastzüge täglich raus in den Grunewald, bis 1972 wurden dabei insgesamt 26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt abgeladen. Ein ganzer Teufelsberg eben. Er entspricht einem Drittel aller Trümmer der zerbombten Häuser Berlins.

Wirklich ein Berg voller Geschichte.

Auch an diesem Tag sind auf dem Teufelsberg die Rennradfahrer unterwegs. Die Serpentinenstraße ist für sie eine prima Trainingsstrecke. Forsch strampeln sie hoch, über den Lenker geduckt geht es retour runter, locker die Kurve nehmend, ganz rasant. Unten angekommen wird gleich umgedreht. Wieder geht es hoch. Und runter. Hoch. Runter …

So kommt man bei der Bewältigung der ganzen Geschichte hier doch etwas ins Schwitzen.

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