WM-Äußerung von Spaniens Ex-Premier: Im Wettbewerb mit den Rechtsextremen
Spaniens ehemaliger Regierungschef Rajoy äußert sich in einer Kolumne rassistisch über die französische Elf. Und verursacht diplomatische Verstimmung.
Spaniens Ex-Premier, Mariano Rajoy, versucht sich als Sportkolumnist und sorgt damit für diplomatische Verstimmung. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Frankreich zweimaliger Weltmeister und Finalist der letzten WM war. (…) Sie verfügen über ein hochkarätiges Team. Wenn auch ohne Franzosen“, schreibt der Konservative auf eldebate.com – einer katholischen Onlinezeitung für grantige, alte, weiße Spanier aus der Medienwelt und der Politik, die von der rechten Regionalregierung per Werbung finanziert wird.
Die Reaktionen von jenseits der Pyrenäen lassen nicht auf sich warten: „Diese ständigen rassistischen Ausrutscher sind unerträglich“, schimpft die französische Gleichstellungsministerin Aurore Bergé. Zu sehr erinnert sie der Satz Rajoys an das, was die Anhänger der rechtsextremen Marine Le Pen in Frankreich verbreiten.
„Nach jedem Sieg der ‚Bleus‘ tauchen immer wieder dieselben rassistischen Obsessionen und Beleidigungen auf“, sagt die Ministerin für Überseegebiete, Naïma Moutchou. Dies seien keine „bloßen Versprecher; sondern ein systematischer und normalisierter Hass auf Frankreich und das, wofür es steht“, fügt sie hinzu. Und Innenminister Laurent Nuñez erklärt, was das ist: „Eine Republik, in der jeder seinen Platz finden sollte.“
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Olivier Faure, Vorsitzender der französischen Sozialistischen Partei, gibt Nachhilfeunterricht in Sachen Staatsrecht. „Frankreich ist keine ethnische Nation; es hat keine Hautfarbe und keine Religion. Es ist eine politische Nation, geeint durch das republikanische Motto. Auch wenn das die rassistische Rechte stört“, antwortet er auf X.
Kein zufälliger Ausrutscher
Laut französischen Botschaft in Madrid sind 23 der 26 zur WM angereisten Spieler in Frankreich geboren. „Die drei, die außerhalb Frankreichs geboren wurden, sind ebenfalls Franzosen“, heißt es aus der diplomatischen Vertretung.
Viele in Spanien glauben nicht an einen zufällige Ausrutscher Rajoys, sondern an gezielte politische Propaganda. Denn seine Partido Popular versucht sich im Wettbewerb mit der rechtsextremen VOX, die stetig in der Wählergunst zunimmt.
Deshalb stößt Rajoy, der bereits in seinen Jahren als Regierungschef immer wieder damit angab, Fußballexperte zu sein und als erste Zeitung am Tag eines der großen Sportblätter Spaniens zu lesen, auf Ablehnung. Allen voran bei seinem Nachfolger und derzeitige spanischen Ministerpräsidenten, Pedro Sánchez: „So mancher definiert Zugehörigkeit nach dem Nachnamen, dem Geburtsort oder der Hautfarbe“, klagt der Chef einer Koalitionsregierung aus Sozialisten und Linksalternativen.
„Frankreich, wir sehen uns im Halbfinale. Auf dass der Bessere gewinne und der Rassismus verliere“, wünscht er sich.
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