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Moderne ElektrogeräteKreuze Kühlschrank mit Ventilator

Ein neues Haushaltsgerät kann ungeahnte Fähigkeiten haben. Und das nicht nur, was Gurken und Käse angeht.

I n dem Haushalt, in dem ich wohne, gibt es einen neuen Kühlschrank. Der alte neigte zu spontanen Totalausfällen und Solidarität mit der Erde: Seine Temperatur stieg über die Jahre immer weiter an. Das senkt jedoch, im Fall des Kühlschranks, nicht mal den Energieverbrauch, sondern im Gegenteil: So ein Gerät büßt allein durch die schlechter werdende Isolierung Jahr für Jahr an Effizienz ein. Bevor also womöglich ähnlich viel Kälte draußen landet wie drinnen, muss eine Lösung her.

Also, neu und überwältigend: Gurken sind auch nach zwei Wochen noch frisch. Käse hält sich gefühlt ewig. Ob wohl eine staatliche Kühlschranksubventionswelle die Lebensmittelverschwendung drastisch reduzieren könnte? Doch toll ist auch: Im Vergleich zum Vorgänger wird klar, dass es auch bei so etwas Profanem wie Haushaltsgeräten noch Innovationen gibt. Nein, kein Wlan und KI, die selbst Milch nachbestellt, das hätte gerade noch gefehlt.

Aber seitdem jemand auf die Idee gekommen ist, einen Kühlschrank mit einer Art Ventilator zu kreuzen, gilt die alte Regel nicht mehr, dass drinnen oben höhere Temperaturen sind als unten, in der Tür noch mal höhere und über das Gemüsefach sprechen wir lieber gar nicht erst. Nein: Einfach alles hat die vier oder fünf oder sechs Grad, die man selbst einstellen kann.

Allerdings: Er piept. Natürlich piept er, das ist schließlich das Erkennungsmerkmal moderner Elektrogeräte. Wenn eines Tages KI in dem ganzen Kram eingebaut ist und die Geräte sich untereinander unterhalten, weil ihre Menschen mal wieder so etwas Langweiliges machen wie essen, Baby wickeln oder Steuererklärung – was die Technik merkwürdigerweise auch in ein paar Jahrzehnten noch nicht gelernt haben wird –, dann wird das Piepen ihre Sprache sein. Und wir Menschen sind dann schon dran gewöhnt. Oder haben echt gute Noise-Cancelling-Kopfhörer.

Energiesparen und Schusseligkeit

Jedenfalls: Er piept, wenn die Tür etwa 20 Sekunden offen steht und das könnte man ja grundsätzlich sinnvoll finden im Hinblick auf Energiesparen und Schusseligkeit. Allerdings: Er piept nur, wenn die Tür wirklich deutlich sichtbar offen steht. Bleibt nur ein fingerbreiter Spalt, bleibt das Ding stumm. Wenn das kein Fehler ist, sondern Absicht, dann ist es eine interessante Sache. Stellen wir uns doch mal vor: Autos, bei denen nur dann ein Achtung-Tür-noch-offen-Alarm losgeht, wenn sie sperrangelweit offen ist. Oder smarte Türschlösser. Jubel bei Einbrecher:innen.

Wobei die Nerv-Skala nach oben offen zu sein scheint: Online suchen Nut­ze­r:in­nen nach Hilfe, deren Geräte durch einen Defekt etwa in 30-Sekunden-Abständen piepen. Sie tauschen Hacks aus mit einzubauenden Magneten, auszubauenden Platinenteilen und zu reparierenden Kabeln.

Eigentlich erstaunlich, dass bislang kein Hersteller die Marktlücke sieht: Geräte, die einfach nicht piepen. Gar nicht. Wer dann den Kühlschrank über Nacht offen stehen lässt, kann sich am nächsten Morgen einfach über sich selbst ärgern. Aber das wäre es bestimmt wert.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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