KI-Schlamm im Netz: Wenn Jesus als Shrimp das Internet verstopft
Inhaltslose KI-Bilder und -Videos fluten das Internet. Kein Wunder: Der Matsch treibt die Ökonomisierungslogik der Plattformen auf die Spitze.
W ürde das Internet ein Geräusch machen, wäre es gerade so etwas wie Qschwapp. Ein Klang, als hätte jemand auf einmal sehr viel dickflüssigen Schlamm in den Schuhen und würde nun mit ziemlicher Mühe versuchen, die eigenen Füße da rauszubekommen. Ursache für die Soundkulisse: KI-Slop.
KI-Slop – Matsch, Brühe, Schlick – sind belanglose bis aufreibende Inhalte, erzeugt mit künstlicher Intelligenz (KI): ein Bild, das einen Hai in Sneakers zeigt. Ein Video mit einer Frau, deren Leiter bei Außenarbeiten am Haus von einer Kuh umgekippt wird und die dann kurz an der Satellitenschüssel baumelt, bevor sie herunterfällt. Playlists mit Titeln à la Relax Caribbean Summer Mood. Aber auch: ein Video, in dem eine vermeintliche Nachrichtenmoderatorin den Tod eines Sport-Promis meldet – ohne weitere Details und nicht von Fakten gedeckt.
Der KI-Matsch ist quasi die logische Fortsetzung der Ökonomisierungslogik großer Onlineplattformen. Nach dem Datensammeln und -verwerten wissen sie nun ziemlich genau, was ihre Nutzer:innen so sehen oder hören wollen. Und mit KI, da werden endlich diese unpraktischen Menschen, die man bislang brauchte, um Musik, Bilder oder Videos erstellen, nicht mehr so wichtig. Denn Menschen – die brauchen einfach irrsinnig lange. Bis die mal ein Videokonzept geschrieben haben, die Bilder gedreht und geschnitten, den Ton ordentlich gemacht und das dann hochgeladen – das kann ein paar Stunden bis Tage dauern.
KI hingegen – kapitalistisch fix. In ein paar Minuten, bei Bildern sogar Sekunden, kann ein neuer Inhalt fertig sein. Optimalerweise gleich in mehreren, leicht voneinander abweichenden Varianten, da lässt sich testen, was gut ankommt und die weiteren Inhalte des Kanals lassen sich entsprechend optimieren. Und, noch besser: Die Menschen können sich dann einfach auf das konzentrieren, was sie eh am besten können: vor dem Bildschirm sitzen, die Inhalte konsumieren und so den Plattformen noch mehr von dem geben, was diese gerne haben wollen: Aufmerksamkeit und damit Daten.
Jetzt gibt es allerdings noch einen Haken. Denn KI muss trainiert werden. Dazu braucht sie Texte, Bilder, Videos, Musik. Und zwar von echten Menschen. Studien haben schon gezeigt, dass KI, die mit KI-Inhalten trainiert wird, irgendwann nur noch Datenmüll liefert. Ouroboros-Effekt wird das manchmal genannt, nach dem passenden Bild der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Oder, wissenschaftlich nüchterner: model collapse. Wie schön wäre es also, wenn sich der KI-Slop selbst ausradierte. Vorerst allerdings müssen Nutzer:innen aufpassen, dass sie nicht selbst im Matsch zwischen einer zentaurmäßigen Jesus-Shrimp-Figur, radfahrenden Katzen und Schock-Videos kollabieren.
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