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Extremhitze im SüdwestenWenn Eiswürfelchen nicht reichen

Im Südwesten herrscht seit Tagen Extremhitze. Vorbereitet sind die Kommunen darauf nicht. Eine Pflegeeinrichtung hilft sich jetzt selbst.

Jana Laborenz

Aus Battweiler

Jana Laborenz

Dieses Jahr hat es nicht mehr gereicht: morgens lüften, die Rollos runter, dann Tee kaltstellen. Den gibt es dann mittags mit Zitronenscheiben oder Eiswürfelchen für die Bewohner:innen. So sah bisher der aktuelle Hitzeschutz in der Pflegegruppe für Se­nio­r:in­nen im rheinland-pfälzischen Neuburg am Rhein aus. Jetzt mussten größere Maßnahmen folgen. Die Leiterin Arnika Eck erzählt, dass sie eine mobile Klimaanlage angeschafft habe, „denn dieses Jahr sind die Temperaturen sehr extrem“.

In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland herrscht aktuell Extremhitze. Von dieser spricht der Deutsche Wetterdienst (DWD) bei einer gefühlten Temperatur von über 38 Grad. Am Freitag drohen Temperaturen von über 40 Grad. Im deutschlandweiten Vergleich ist der Südwesten aktuell besonders stark betroffen. In den Flusstälern von Rhein, Mosel und Nahe und dem Oberrheingraben sind die Temperaturen besonders spürbar. Städte wie Mainz, Worms, Kaiserslautern und Ludwigshafen sind zudem durch einen extrem hohen Versiegelungsgrad zusätzlich gefährdet. Ludwigshafen gilt als eine der am stärksten versiegelten Städte Deutschlands.

Zwar sei „der Hitzeschutz in Deutschland besser als vor zwei bis drei Jahren“, sagt Martin Herrmann, Arzt und Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug), der taz. „Für Extremhitze sind wir jedoch nicht vorbereitet. Das muss sich kurzfristig insbesondere in Landkreisen und Städten ändern.“

Kommunen unterschätzen die Folgen von Hitze

„Zwar gibt es erste Schutzmaßnahmen, doch sie sind nicht flächendeckend und verbindlich genug. Das kostet vielen Menschen das Leben“, so Herrmann in einer Stellungnahme der Klug. In einem extremen Hitzeszenario, in dem etwa im Rheintal über 14 Tage Temperaturen von bis zu 44 Grad herrschen, wären laut Klug Rettungsdienste überlastet, Notaufnahmen überfüllt, man müsste Pflegeheime evakuieren. Zehntausende Todesfälle innerhalb weniger Tage wären möglich. Wer Deutschland krisenresilient machen wolle, müsse Hitze und andere Extremwetterlagen systematisch mitdenken. Die Folgen der Wetterextreme würden unterschätzt, so die Klug.

Rheinland-Pfalz hat 2024 einen Hitzeaktionsplan veröffentlicht, um den Hitzeschutz in den Kommunen besser zu koordinieren und vulnerable Gruppe zu schützen. Auf Anfrage der taz konnte jedoch die Kreisverwaltung Germersheim, in dem das Pflegeheim von Arnika Eck liegt, nichts zu geplanten Maßnahmen im Rahmen des Hitzeaktionsplans sagen.

Insbesondere ältere Menschen sind gefährdet. Sie haben weniger Durst und trinken zu wenig. Für ihre selbst beschaffte Klimaanlage rechnet Arnika Eck mit bis zu 2.000 Euro. Zuschüsse vom Land hat sie bisher keine dafür bekommen, es musste schnell gehen, also haben sie es erst mal aus der Kasse der Wohngruppe bezahlt. Für mehr Hitzeresilienz müssen Bund und Länder umfangreich Investitionsmittel bereitstellen, fordert Herrmann. Zudem sei „Einsamkeit der wichtigste Risikofaktor bei Hitze. Deswegen müssen wir in Hitzeperioden aktiv auf einsame Menschen zugehen“.

In der Wohngruppe überlegt Arnika Eck, einen zusätzlichen Baum im Garten zu pflanzen, der würde dann zusätzlichen Schatten spenden. Bis der jedoch groß genug ist, wird es aber dauern. Allerdings wird es wohl auch in den zukünftigen Sommern extreme Hitze geben. Der DWD geht davon aus, dass je nach Szenario bis zum Jahr 2100 eine Zunahme um bis zu 31 Hitzetagen in Rheinland-Pfalz möglich ist.

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6 Kommentare

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  • Als Zeichen der Solidarität könnten die MinisterINNEN eine Woche auf Klimaanlagen verzichten.

  • Im Winter wird beheizt damit wir keine Kälte töten in den Häusern haben

    Aber im sommer kühlen ist Teufelswerk, warum auch immer...

  • Es ist eine Schande, wie hier in Deutschland noch immer nicht verstanden wird, wie wichtig Hitzeschutz und Stadtbegrünung ist.



    Hier in Jülich und Düren, wo ich aktuell lebe, wurden in den letzten Jahren bzw erst vor kurzem noch Innenstädte neu gestaltet unter anderem die Martplätze und der Rathausplatz. Dafür wurden Bestandsbäume gefällt und nicht in gleichem Maße nachgepflanzt. Die Flächen wurden maximal versiegelt, es gibt wenig bis garkeine Grünflächen, die waren zwar auch schon vorher rar aber nun ist es noch weniger, im Sommer ist es hier garnicht mehr auszuhalte n. Irgendwie für Schatten zu sorgen, daran hat man wohl auch nicht gedacht, wäre ja auch mit baulichen Maßnahmen möglich gewesen, wenn man schon kein lästiges Grün möchte. Dafür hat man in Zeiten von Wasserknappheit hübsche Wasserspiele aufgestellt. In diversen (ehemaligen) Baumalleen in Düren wurden sämtliche Bäume gefällt und nichts mehr nachgepflanzt. In Jülich sollten auf diversen Plätzen in der Innenstadt große alte Bäume gefällt werden und für Supermärkte weichen, die niemand haben wollte. Ich verstehe nicht, wie man in der heutigen Zeit mit dem heutigen Wissen die Stadtplanung so dermaßen verkacken kann....

  • Klimaanlagen!



    Die Dachflächen von Pflegeheimen, Krankenhäusern,... reichen locker aus um bei Hitze genügend Strom für eine Klimaanlage umweltfreundlich und ohne Fremdenergie zu erzeugen. Richtig günstig geworden ist Photovoltaik auch noch. Zumindest alle Neubauten sollten nur noch mit reversiblen Wärmepumpen ausgerüstet sein, die sowohl Wärme wir Kälte erzeugen können. Ein Grund mehr, die Wärmepumpentechnik endlich noch mehr einzusetzen. Ich habe eine große PV auf dem Dach, eine solche Wärmepumpe und jetzt gerade aktuell 22,5 Grad und noch 5kW Überschuss.

    • @Hans Dampf:

      Macht in Altenheimen sicher Sinn, das Problem ist, dass jetzt jeder meint sich eine Klimaanlage kaufen zu müssen und das verschärft das Problem in den Städten sogar noch, da die Abwärme in die Umgebungsluft gepustet wird und sich die Städte dadurch noch mehr und noch schneller aufheizen.....

      • @PartyChampignons:

        Stimmt bedingt.



        4/5 der Wärme, die eine Klimaanalge nach außen pumpt (Wärmepumpe), sind ohnehin von der Sonne gekommen, also als neutral zu benennen. Das 1/5 an Wärme ist der Stromvebrauch der Klimaanlage selbst. Kommt dieser von der PV vom Dach, dann it auch dies wieder zuvor von der Sonne "entnommene" Energie, also wieder annähernd neutral. Wichtig ist es, dass die Klima vom Strom auf dem Dach gespeist wird, wo sie eingesetzt wird. Gemessen an der Abwärme durch Verbrennungsmotoren in einer Stadt sind die Klimaanalgen annähernd vernachlässigbar.