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Kritik an WM-TicketvergabeAlles nur für einen guten Zweck

Die intransparente und überteuerte WM-Ticketvergabe beschäftigt die US-Justiz. Fifa-Präsident Infantino erklärt, der Fußball profitiere davon.

Demonstrativ hebt Gianni Infantino am Mittwoch den WM-Ball in die Höhe und schwärmt davon, wie glücklich er sei, wenn das gute Stück in ein paar Stunden endlich über den Rasen rollen werde. Kurz darauf stemmt er auch noch den WM-Pokal nach oben und betont erneut, wie sehr er sich darauf freut, wenn in ein paar Wochen diese Trophäe vergeben wird. Auf der WM-Eröffnungspressekonferenz in Mexiko-Stadt kann der Fifa-Präsident allerdings bei einem Thema nicht so leicht gute Stimmung verbreiten: Wer soll sich das Spektakel überhaupt leisten können?

Live dabei zu sein, ist für viele Fans längst nur noch eine wilde Fantasie. Schon gar nicht beim Finale, wenn am 19. Juli der neue Weltmeister den WM-Pokal in den Nachthimmel von New Jersey recken wird.

„Die Fifa hat den Ticketkauf für die Weltmeisterschaft zu einem wahren Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und horrenden Preisen gemacht – und das alles auf Kosten der Verbraucher“, sagte Jennifer Davenport, Generalstaatsanwältin von New Jersey. „Es ist uns eine Ehre, die Weltmeisterschaft auszurichten, aber dieses Ereignis ist keine Einladung, unsere Einwohner und Besucher auszubeuten.“ Seit Mai prüft die US-Justiz, ob die Ticketvergabe überhaupt rechtskonform ist.

Infantino hindert das nicht daran, das Turnier als das „inklusivste der Geschichte“ zu preisen. Als Beleg führt der 56-Jährige gerne die Tickets für 60 Dollar an. Diese seien doch im Vergleich zu großen Sportevents in den USA günstig. Was er dabei nicht erwähnt: Diese Schnäppchenkarten machen nur einen Bruchteil des gesamten Kontingents aus. Infantino sprach von 130.000 Tickets, die zum niedrigsten Preis verkauft wurden. Bei insgesamt 3,9 Millionen verfügbaren Karten entspricht das gerade einmal 3,33 Prozent.

Für Trump zu teuer

Der überwiegende Teil der Tickets bleibt für viele Fans weltweit kaum erschwinglich. Auf dem Fifa-eigenen Zweitmarkt werden teilweise Mondpreise aufgerufen. Selbst Infantinos Buddy Donald Trump zeigte sich darüber verwundert. Er würde das nicht bezahlen, ließ der Multimilliardär wissen.

Die Fifa setzt beim Turnier in Nordamerika auf einen offiziellen Zweitmarkt, auf dem Tickets weiterverkauft oder getauscht werden können. Dahinter steckt das Prinzip des „Dynamic Pricing“: Je größer die Nachfrage, desto höher der Preis. Und die Fifa verdient dabei kräftig mit: Verkäufer und Käufer müssen jeweils 15 Prozent Gebühren an den Weltverband zahlen.

Auch hier sieht sich Infantino im Recht. Würde man den Zweitmarkt nicht selbst organisieren, wären Schwarzmarkthändler die Profiteure. Und das Geld würde eben nicht „zurück in den Fußball fließen“. Von den Einnahmen profitieren zu gleichen Teilen die 211 Nationalverbände. Kleinere Verbände wie Curacao oder Neuseeland erhalten vergleichsweise viel Geld und stehen schon deshalb in größerer Abhängigkeit zur Fifa, weil ihre sonstigen Einnahmen geringer sind. Bei der Wahl des Fifa-Präsidenten, die nächstes Jahr wieder ansteht, ist ihr Stimmgewicht jedoch so groß wie das von Brasilien oder Deutschland. Infantino wird wieder zur Wahl stehen.

Die horrenden Preise auf dem Zweitmarkt, erklärte dieser, seien Marktgegebenheiten in den USA geschuldet. Groteskerweise ist dieser Markt für Käu­fe­r*in­nen aus Mexiko, wo die Pressekonferenz stattfand, aufgrund der dort geltenden Gesetze gar nicht zugänglich. Sie können lediglich auf den Tauschmarktplatz zugreifen.

Wobei Infantino eh mehrfach behauptet hat, alle Tickets für diese WM seien schon verkauft. Eine Recherche der BBC, die vor einer Woche veröffentlicht wurde, zeigt unterdessen, dass weiterhin Tausende Tickets verfügbar sind – viele, aufgrund des Zweitmarkts, sogar deutlich unter dem ursprünglichen Nennwert. Dass also Vorrundenpartien zwischen kleineren Nationen tatsächlich in ausverkauften Stadien stattfinden werden, darf bezweifelt werden. Komisch eigentlich – beim inklusivsten Turnier aller Zeiten.

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