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Vorwürfe gegen Argentiniens FußballbossChef auf Bewährung

Gegen Claudio Tapia wird wegen Steuerhinterziehung und Korruption ermittelt. Bei den argentinischen Fans und Klubs genießt er großen Rückhalt.

Wenn der Präsident des argentinischen Fußballverbands am Samstagabend beim Champions-League-Finale auf der Ehrentribüne sitzt, dann nur mit Erlaubnis der Justiz. Claudio Tapia ist selbstverständlich von der Uefa nach Budapest eingeladen worden. Zuvor musste er eine Kaution von umgerechnet rund 18.000 Euro hinterlegen, damit ihm Auslandsreisen gestattet werden.

Auch zur WM 2026 nach Mexiko, Kanada und in die USA darf der Verbandspräsident des amtierenden Fußballweltmeisters nur nach Hinterlegung der Kaution fahren. Hintergrund sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen Claudio Tapia und die Asociación del Fútbol Argentino (AFA) wegen des Verdachts auf Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Höhe von mehr als elf Millionen Euro. Zudem sollen zwischen 2023 und 2025 Rechnungen über Dienstleistungen ebenfalls in Millionenhöhe ausgestellt worden sein, die möglicherweise nie erbracht wurden. Fehlende Transparenz und Klientelismus prägen den Verband jedoch bereits seit Jahrzehnten.

Auch US-Behörden beschäftigen sich inzwischen mit den Geschäften des argentinischen Fußballverbands. Ein US-Bundesrichter hat den Zugriff auf Bankkonten im Zusammenhang mit internationalen Verträgen der AFA genehmigt. Dabei soll ein paralleles Finanzsystem entdeckt worden sein, über das fast 300 Millionen Euro außerhalb der offiziellen Kontrolle des Verbands bewegt worden sein sollen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden mutmaßlich Gelder an Offshore- und Briefkastenfirmen in den USA, Großbritannien und Uruguay transferiert sowie Luxusausgaben für Yachten und Privatjets finanziert.

Claudio Tapia ist seit 2017 AFA-Präsident. Unter seiner Führung gewann Argentinien die WM 2022 in Katar sowie zweimal die Copa América, die Südamerika-Meisterschaften von 2021 und 2024. Erfolge, die nach einer langen titellosen Durststrecke in dem fußballverrückten Land für einen immensen Rückhalt des Verbandspräsidenten sorgten.

Mit 30 Klubs in der ersten Liga

Der 58-jährige Tapia trat die Nachfolge des verstorbenen Julio Grondona an. „Grondona verkörperte ein hierarchisches, äußerst abgeschottetes und personalistisches System, das sich zudem auf die großen Klubs aus und um die Hauptstadt Buenos Aires stützte“, erklärt der Sportjournalist Leonel Mendez. Dagegen bilden Tapias Machtbasis die Erstligisten und die Vereine aus den unteren Ligen des Landesinneren, so Mendez. Das erklärt auch, warum in der Ersten Liga seit einigen Jahren 30 Klubs spielen.

Seit Wochen dominiert der AFA-Präsident die Titelseiten der Presse mit negativen Schlagzeilen. Mit immer neuen Enthüllungen und Berichten über Durchsuchungen in den Büros des Verbandes, aber auch in Fußballvereinen und Privatwohnungen sorgt vor allem die Clarín-Gruppe für eine umfangreiche mediale Öffentlichkeit. Dabei dürfte es dem mit Abstand größten Medienunternehmen des Landes um mehr als nur journalistische Berichterstattung gehen.

Zu Grondonas Zeiten erhielt vor allem die Grupo Clarín die TV-Rechte für Fußballspiele. Das änderte sich unter Tapia. „Seitdem werden Spiele der unteren Ligen zunehmend auf der eigenen Plattform des Verbandes, AFA Play, übertragen und vermarktet“, sagt Sportjournalist Mendez. Dies könnte eines Tages auch für Spiele der Ersten Liga gelten. Weshalb für Clarín viel auf dem Spiel steht. Dass sich jedoch nur große Klubs wie River Plate, Racing Club und Estudiantes de La Plata mit Kritik an Tapia aus der Deckung wagen, hat einen anderen Grund.

Bereits kurz nach seinem Amtsantritt schlug der libertäre Staatspräsident Javier Milei vor, den Klubs die Umwandlung in Aktiengesellschaften zu erlauben. Private Investoren, Fonds und Unternehmensgruppen könnten sich an den Vereinen beteiligen. Das würde internationale Investoren ins Land locken und so die Finanzprobleme vieler Klubs lösen, erläuterte Milei.

Tapia und die AFA lehnen diesen Vorschlag strikt ab. Die Vereine müssten soziale Institutionen bleiben und dürften nicht zu Wirtschaftsunternehmen werden, lautet die Verbandsposition. Die meisten Vereine sind – ähnlich wie in Deutschland – Vereinigungen, die ihren Mitgliedern gehören, deren Führungen von diesen Mitgliedern gewählt werden. Mit seiner Haltung stellt sich Tapia zwar gegen den Staatspräsidenten, sichert sich dagegen die Unterstützung der landesweit zahllosen kleinen Vereine.

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