Protesttag von Menschen mit Behinderung: Inklusion ist, wenn niemand klatscht
Der 5. Mai ist Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Die fehlt überall, beklagt eine Mutter.
A pplaus ist der Soundtrack falsch verstandener Inklusion. Nicht die Handlung wird beklatscht, wenn beispielsweise Menschen mit Behinderung auftreten, sondern die Abweichung. Dahinter steckt eine einfache Logik: Es ist schon schwer genug, also klatscht man, auch fürs eigene Gewissen. Es entsteht etwas, das gut gemeint ist, aber oft an der Realität vorbeigeht. Auf dem Papier funktionieren viele Lösungen gut, aber sie scheitern im Alltag. Weil sie das Leben nicht einbeziehen, sondern nur eine Idee, wie das Leben mit Behinderung ausstehen sollte. So entsteht eine Kulisse, aber keine Teilhabe. Das Problem zeigt sich dort, wo man es nicht sieht. Dort, wo Menschen nicht an der Behinderung verzweifeln, sondern an dem, was man ihnen zusätzlich zumutet: an Hilfsmittelbeantragungen, die sich ziehen wie ein absurdes Theaterstück, irgendwo zwischen Kafka und Warten auf Godot.
An Formularen, Gutachten, Zuständigkeiten, Rückfragen und Lebenszeit in Warteschleifen – eine Verwaltungswüste. Ein Hilfssystem, das erstaunlich viel Kraft kostet. Behinderte kämpfen jeden Tag, still, zäh, im Alleingang. Kindergarten, Schule, Arbeit, Freizeit – meist verlaufen diese Wege in getrennten Bahnen. Ein Leben mit Behinderung ist wie leben in einer Parallelwelt. Darin liegt der Widerspruch: Behinderung wird oft behandelt, als beträfe sie nur wenige Menschen. Dabei kann sie jeden treffen. Durch Krankheit, Unfall, Alter. Inklusion lässt sich nicht auslagern. Nicht delegieren. Sie entsteht nur im gemeinsamen Alltag.
ist Autorin über Nachhaltigkeit, Natur und Selbstversorgung. Außerdem schreibt sie über moderne Elternschaft, Inklusion und damit verbundenen gesellschaftlichen Fragen. Sie lebt mit ihrer Familie auf dem Land.
Und genau dort entscheidet sich, ob sie gelingt. Vielfalt ist Normalität, dafür können wir uns entscheiden. Oder wir lassen alles, wie es ist: Zugang fehlt, Informationen bleiben unverständlich und Menschen bleiben überfordert. Der Applaus folgt dem Drehbuch. Inklusion ist kein großer Auftritt, kein Moment für Applaus. Sie entsteht nicht im Rampenlicht. Sondern im Leben, unspektakulär. Arbeit statt Ovationen. Und niemand klatscht.
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