Präsidentschaft von Árbenz in Guatemala: Weil ein Bananenhändler zu mächtig war
Jacobo Árbenz legte sich in Guatemala mit den Mächtigen an, der Bananenindustrie. Später wurde er zum Präsidenten gewählt.
B ananen sind Macht: Die US-amerikanische Firma United Fruit Company, heute bekannt als Chiquita, war in den 1950er Jahren die größte Landbesitzerin Guatemalas. Unter ihrer Kontrolle lagen große Teile der Infrastruktur Guatemalas, darunter Stromnetze, Eisenbahnlinien und der einzige Hafen zum Atlantik. Ab dem 11. November 1950 hatte sie aus Furcht vor dem Verlust ihrer Macht einen Feind: Jacobo Árbenz.
Jacobo Árbenz wuchs in einer mittelständischen Familie Schweizer Migranten in Guatemala auf. Aufgrund finanzieller Engpässe war er nach seinem Abitur gezwungen, eine Militärschule zu besuchen. 1939 heiratete er die gebildete Maria Vilanova Kreitz, die sein politisches Interesse weckte.
Als Hauptmann beteiligte sich Jacobo Árbenz fünf Jahre später am Putsch gegen den regierenden Diktator Federico Ponce Vaides, gehörte mit 31 Jahren der ersten demokratisch gewählten Regierung Guatemalas an und wurde in 1950 selbst zum Präsidenten Guatemalas gewählt.
Obwohl in den 1950er-Jahren 60 Prozent der Bevölkerung von den indigenen Maya abstammten, gehörte 90 Prozent der Bodenfläche wenigen wohlhabenden Oligarchenfamilien. Der neue Präsident machte sich mit seiner umfassenden Agrarreform, die Großgrundbesitzer gegen eine Entschädigung enteignete und das Land an arme Bauern verteilte, schnell mächtige Feinde, allen voran die United Fruit Company. Diese lancierte eine Kampagne gegen Árbenz, warf ihm die Planung einer kommunistischen Verschwörung in Mittelamerika vor. So eroberte die Firma die Gunst der US-Regierung, die in ihrem fanatischen Kampf gegen den Kommunismus in 1954 einen Putsch gegen Árbenz unterstützte.
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Nach dem Putsch wurde Árbenz gezwungen, das Land zu verlassen. Von da an war sein Leben von unzähligen befristeten Aufenthalten in Europa und Mittel- und Südamerika gezeichnet. Eine Schweizer Staatsbürgerschaft beantragte er nie, weil er befürchtete, seine guatemaltekische Staatsbürgerschaft zu verlieren und damit auch die Hoffnung, eines Tages in die Politik seines Heimatlandes zurückzukehren.
Trotz des abrupten Endes seiner Amtszeit war die Präsidentschaft Árbenz von zentraler Bedeutung in der Geschichte Guatemalas. Mit seinen Reformen forderte er erstmals die Vorherrschaft der Konzerne heraus und griff die soziale Ungleichheit direkt an. Durch die gerechte Verteilung von Land und Chancen bewies Árbenz, dass politische Veränderungen auch trotz unüberwindbar scheinender Ungleichheiten gelingen können und auch festgefahrene Machtstrukturen real veränderbar sind. Dadurch stieß er eine Mobilisierung an, die auch nach dem Ende seiner Amtszeit, Guatemaltek*innen bestärkte, sich den folgenden Militärdiktaturen zu widersetzen.
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