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Prinzip HoffnungDie Welt wird nicht besser, wenn wir sie nicht besser machen

Vielleicht wird Ungarn ganz bald nicht mehr von Orbán regiert. Und vielleicht steht auch in Israel ein Machtwechsel an. Es gibt Gründe zur Hoffnung.

Proteste gegen Viktor Orban werden lauter Foto: Martin Fejer/imago

W ir leben in fantastischen Zeiten, nur werden wir unseren Möglichkeiten nicht immer gerecht. Niemals etwa hätte ich gedacht, dass ich einmal dank Internet morgens in Berlin Rai 3 hören kann, den linken Sender im nach Proporz aufgeteilten italienischen Rundfunk. Und dann beantwortet auch noch Cinzia Sciuto, Chefredakteurin der linken italienischen Zeitschrift MicroMega, Fragen der Hörerschaft.

MicroMega feiert gerade den 40. Geburtstag. Gratulation! Eine Frage, die Cinzia gestellt wurde, ist die nach doppelten Standards in Bezug auf Israel. Im Gespräch mit der taz hat sie dazu mal gesagt, in Italien falle es vielen Linken schwer, nicht nur die Regierung von Benjamin Netanjahu zu verurteilen, sondern auch die Barbarei der Hamas. In Deutschland hingegen werde Kritik an Israel oft mit Antisemitismus gleichgesetzt. Doppelte Standards überall – müssen wir damit leben?

Ich denke, wir haben die Verpflichtung zur Klärung und Anlass zur Hoffnung. Am Sonntag könnte sich Viktor Orbán von der Präsidentschaft in Ungarn verabschieden. Und auch Netanjahu wird sich nicht mehr lange den Wahlen entziehen können und dann in den Knast oder zu seinem Freund Donald Trump wandern. Und der US-Präsident wiederum – aber lassen wir die Politwahrsagerei!

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Vor zwei Wochen war ich im Italienischen Kulturinstitut bei der Präsentation des Buches „Die andere Wahrheit“. Die großartige italienische Dichterin Alda Merini legt hier Zeugnis ihrer jahrelangen Zwangsaufenthalte in der Psychiatrie ab. Das ist eine sperrige, eben poetische Lektüre, die sich weder mit einfachen Wahrheiten zufriedengibt noch mit tröstlichen Resümees. Eines lautet: „Die wahre Hölle ist draußen, hier, im Kontakt mit den anderen, die über dich urteilen, dich kritisieren und dich nicht lieben.“

Die Psychiatrie mit ihren Elektroschocks und ihrem Sadismus nennt Merini „Konzentrationslager“, aber auch „Heiliges Land“, weil hier „der kranke Geist keine Schuld verspürte“. Und doch hat das 1978 in Italien beschlossene Gesetz zur schrittweisen Schließung der gefängnisartigen psychiatrischen Krankenhäuser Epoche gemacht. Wir hier draußen machen uns und anderen bestimmt oft immer noch das Leben zur Hölle. Aber wir haben Möglichkeiten, die Welt besser zu machen. Wir müssen ihnen nur gerecht werden.

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Ambros Waibel
taz2-Redakteur
Geboren 1968 in München, seit 2008 Redakteur der taz. Er arbeitet im Ressort taz2: Gesellschaft&Medien und schreibt insbesondere über Italien, Bayern, Antike, Organisierte Kriminalität und Schöne Literatur.
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8 Kommentare

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  • Huch - hatte ich dazu nicht was bemerkt? Doch!



    Lovando =>



    Danke. Ergreifend - als einer der von dieser 1978-Bewegung profitierte als es ihn Ende 50 vom Schlitten riß - kann da nur dankbar sein.



    Zumal als Schlagobers sein Klinikleiter & späterer Analytiker gerade der war - der in seinen jungen Jahren ausgeguckt worden war - mittels solchen 1978-Konzepts Psychatrie neu zu denken zu installieren. Gelungen.



    Daß er mir “…den Arsch gerettet hat“ - sei nicht verschwiegen!



    (Wobei - wir uns interessanterweise immer klar waren - daß wir uns im realen Leben “schwer an die Köppe kriegten!“

    Meine “Lyrik“ ist mir die Musik - ohne Geländer!



    🎶 - ohne die ja nach Friedrich Nietzsche - das Leben bekanntlich ein Irrtum wäre!



    …anschließe mich •

  • Ja!



    Der Sieg der Demokratie über Orban ist eine gute Nachricht!



    Das darf gefeiert werden und wir sollten lernen,



    Europa wieder zu umarmen.



    Es ist die beste Chance, die wir haben. Die lebt allerdings vom mitmachen.



    Europa kann man*frau jeden Tag stärken, indem sie*er ganz einfach europäische Produkte kauft.



    So wird Hoffnung, die im Bezug auf Ungarn erfüllt wurde, zum Handeln, das gute Ideen voran bringt.



    Wir sind nicht machtlos - im Gegenteil!



    Wenn wir aufhören würden den schnöden Mammon anzubeten, könnten wir die Marktmacht nach innen richten und damit die Hoffnung bestärken, dass die Zeit der Demokratie noch nicht vorbei ist. Was bei China und USA mit Nationalismus verbunden ist, ist bei uns Europäer*Innen die Überwindung desselben.



    Ein Zusammenschluss der Nationen ist der tägliche Beweis, dass Lösungen nicht in Kriegen und dem Recht des Stärkeren liegen, sondern in Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit.



    Die Hoffnung bleibt und es gibt einen Weg sie tagtäglich ein bisschen mehr zur Realität werden zu lassen.

    • @Philippo1000:

      Die Demokratie kann nicht gewinnen. Sie ist keine Person, kein Körper, sondern einfach nur eine Konstruktion, die auch abgewählt werden kann. Was man sagen kann, ist, dass die Bürgerinnen und Bürger sich gegen Orban entschieden haben, trotz schwieriger Bedingungen. Was daraus gemacht wird, wird sich zeigen.



      Orban und Co. sind wenigstens ehrlich, man weiß, wo man bei diesen Politikern ist, aber bei den sog. Hüterin der (liberalen) Demokratie (identitätspolitische Mitte) weiß man es eigentlich nicht, da sie sich gerne demokratisch inszenieren. Z.B. wir reden gerne von der antimigrantischen Politik von Trump, dabei ist die EU nicht nur antimigrantischer als die USA, sondern hat eine Migrationspolitik, die konservativ bis rechtsextrem ist, nicht nur das, es gibt ein allgemeines Einverständnis. Was ich damit sagen will, ist, dass die Repräsentanten der liberalen Demokratie, die eigentliche Gefahr für die liberale Demokratie sind.



      Wo ich jedoch mit Ihnen übereinstimme: der Nationalstaat ist ein gescheitertes Konzept. Wir müssen ihn überwinden. Deshalb denke ich europäisch und nicht deutsch. Wir müssen definitiv mehr für ein europäisches Bewusstsein tun.

  • Manchmal weiß ich nicht, wer drinnen und wer draußen ist.

  • Die Umstände formen unser Bild - und unsere Reaktionen. Das wird immer so bleiben. Die linke Utopie eines funktionierenden Weltgeistes, bleibt eine Illusion.



    Die Hoffnung, die der Mensch erschaffen kann, sollte an Realitäten anknüpfen und nicht an Theorien. In diesem Zusammenhang kann ich die Lektüre von Viktor E. Frankl empfehlen.

    • @Salinger:

      Wieso ist das "eine linke Utopie"?

  • Ja, aber auch ohne gefängnisähnliche Zustände machen einem manchmal andere Leute das Leben zur Hölle.