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Milliarden für Mini-ReaktorenUSA bauen mit Japan modulare Atomkraftwerke

Tokio und Washington planen, Milliarden in Atomkraft und Erdgas zu investieren. Technologische Probleme werden dabei ausgeklammert.

Japan und die USA setzen auf Mini-Reaktoren Foto: Zoonar/picture aliance

Die USA und Japan planen gemeinsam den Ausbau der US-amerikanischen Atomenergie: 40 Milliarden Dollar sollen in ein Projekt zum Bau von Atomreaktoren in den Bundesstaaten Tennessee und Alabama fließen. Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi und US-Präsident Donald Trump hatten am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht.

Gebaut werden sollen Mini-Atomreaktoren – sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Diese seien die „nächste Generation einer stabilen Energiequelle, die die Strompreise für die amerikanische Bevölkerung stabilisiert“, heißt es in der Erklärung. Das stärke die japanisch-amerikanische Führungsrolle im globalen technologischen Wettbewerb.

Für Horst Hamm, Projektleiter des Uranatlas, ist das nichts anderes als Propaganda. SMRs würden gerade überall auf der Welt einen regelrechten Hype erfahren. „Dabei gibt es noch kein fertiges Industriekonzept, bei dem man sagen könnte, so funktioniert es“, sagt Hamm. Atomkraft sei die teuerste Art, Energie zu erzeugen. Sie liege „deutlich über allen anderen Energieträgern“. Dass die in den USA geplanten SMRs tatsächlich eine stabile Energiequelle bilden, hält er für „sehr unwahrscheinlich“.

„Die Investitionen in neue Atom- und Gasanlagen gehen in die völlig falsche Richtung“, sagt Constantin Zerger, Leiter des Bereichs Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe. Der Deal zeige, wozu Erpressbarkeit durch Donald Trump führe: „größenwahnsinnige Investitionen in rückwärtsgewandte Technologien“, so Zerger. Es profitierten Gas- und Atomkonzerne, die Projekte senkten die Energiekosten aber nicht.

Weitere Investitionen in fossile Energien geplant

Laut der gemeinsamen Erklärung von Takaichi und Trump gewährleisten die Projekte Sicherheit, indem sie „das Wirtschaftswachstum beider Länder beschleunigen“. Neben Atomkraft planen Washington und Tokio zudem den Ausbau fossiler Energien. 33 Milliarden Dollar sollen in Kraftwerke für Erdgas in den US-Bundesstaaten Texas und Pennsylvania investiert werden.

Für Europa müsse dies ein Weckruf sein. Trumps Handelsdeal zum Import fossiler Energien müsse endgültig abgesagt werden, die Verhandlungen dürften nicht wieder aufgenommen werden, sagt Zerger der taz. „Ansonsten drohen auf beiden Seiten des Atlantiks weitere Fehlinvestitionen“.

Bereits im vergangenen Juli hatte Japan Investitionen in Höhe von 550 Milliarden Dollar in den USA zugesagt – als Gegenleistung für niedrigere Zölle. Japanische Unternehmen hatten im Februar angekündigt, 36 Milliarden Dollar als ersten Teilbetrag der Summe zu investieren.

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9 Kommentare

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  • Cui bono?



    "Wegen Strombedarf von KI



    Amazon steckt halbe Milliarde Dollar in Entwicklung von Atomenergie



    Amazon setzt immer mehr künstliche Intelligenz ein, und die frisst Strom. Darum will der Konzern in die Entwicklung kleiner modularer Atomreaktoren investieren."



    2024 bei spiegel.de



    Wem der ganze Zirkus noch nicht genug Wahnsinn ist:



    "Microsoft hingegen setzt zunächst auf klassische Atomanlagen und will ein abgeschaltetes Atomkraftwerk wieder in Betrieb nehmen. Das Unternehmen schloss eine Vereinbarung mit dem Eigentümer des vor fünf Jahren abgeschalteten Atomkraftwerks »Three Mile Island« in Pennsylvania. Der Nachbarreaktor des Kraftwerksblocks, der Ende der Siebzigerjahre Ort des schwerwiegendsten Atomunfalls in der Geschichte der USA war, soll 2028 wieder in Betrieb gehen."



    Quelle ebda

  • Söder sollte aufhören so viel Wurst zu verschlingen, da bilden sich anscheinend die Neuronen zurück:

    "Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bringt sein Bundesland für ein Pilotprojekt mit einem sogenannten Mini-Atomkraftwerk ins Spiel. „Bayern ist bereit für ein Pilotprojekt“, sagte der CSU-Chef der „Bild am Sonntag“.

  • Das Risiko solcher "Kleinanlagen" dürfte deutlich höher liegen, als das normaler Reaktoren. Ausgebildetes Fachpersonal muss sehr zahlreich vorhanden sein, im Falle einer Störung werden die Abläufe zum Umgang damit sehr viel komplizierter und zeitraubender. Die Gefahr eines Angriffs von außen auf diese Dinger durch militärische oder kriminelle Gewalt ist immens hoch. Und schließlich ist der radioaktive Abfall ein Kernproblem, das sich auch nicht durch realitätsferne Hirngespinste nicht beseitigen lässt. Diese Gefahren werden breit gestreut über das ganze Land verteilt, statt auf wenige Orte beschränkt zu sein.



    Und die Beschaffung von fossiler Energie aus den USA wird von der derzeitigen Lobbyregierung ganz gewiß nicht aufgegeben, Abhängigkeit / Klima- und Umweltschäden oder nicht, hier handelt man gerne im Trump'schen Sinne - entspricht das doch der Auftragslage aus dem Lobbylager der einschlägigen Wirtschaft.

  • Ausgerechnet Japan! Ich hatte eigentlich gehofft, die JapanerInnen hätten inzwischen begriffen, dass man mit der Kernspaltung nicht glücklich wird.

    • @Aurego:

      2014 bei taz.de ein Interview



      Es dokumentiert die Andersartigkeit in der Aufarbeitung



      "Warum? Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Japaner ohne Atomkraft leben will.

      Ja, 67 Prozent wollen einen Ausstieg. Es gibt einen großen Graben zwischen den Japanern und ihren Abgeordneten im Parlament. Aber die Liberaldemokraten unter Shinzo Abe und ihr Koalitionspartner von der Gerechtigkeitspartei Komeito dominieren dank der Unterstützung ihrer Stammwähler aus der Bauindustrie und der Energiekonzerne wie Tepco, der Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi."



      /



      Weiter:



      "Nein Monate vor dem Atomunfall wurden Sie zum Premierminister gewählt. Hätten Sie die Gefahr nicht erkennen müssen?

      Viele meiner Freunde und ich kommen aus der Bürgerrechtsbewegung der 70er und 80er Jahre. Meine Freunde von damals waren immer noch sehr besorgt über die Gefahren der Atomenergie in Japan. Die Atomindustrie hat mir allerdings wieder und wieder erzählt, dass ein großer Unfall unmöglich sei. Dieses große Sicherheitsmärchen ist so oft wiederholt worden, bis es alle geglaubt haben. Ich ebenfalls. Als ich an die Macht kam, bin ich nicht mehr auf die Idee gekommen, an unserer Nuklearpolitik viel zu verändern."

  • Warum errichten die Schlaumeier die Dinger nicht im Metaverse. Das ist gerade frei geworden.

    Und die USA "BAUEN" keine Atomkraftwerke, Sie planen Milliarden in Atomkraft und Erdgas "ZU INVESTIEREN". Gebaut werden die Dinger nie. Siehe Fun-Facts: tube.funfacts.de/w...-84d8-b4b74e897783

  • "Technologische Probleme werden dabei ausgeklammert."



    Das scheint heute allgemein üblich zu sein. Ist bei den Erneuerbaren nicht anders. Auch bei den Speichern gibt es "kein fertiges Industriekonzept, bei dem man sagen könnte, so funktioniert es".

    • @sollndas:

      Bei den Speichern gibt es das eher als bei den Mini-AKWs.

      • @Aurego:

        Anscheinend nicht. Gäbe es ein plausibles Speicherkonzept, so bekämen die AKW-Fans keinen Fuß auf den Boden.