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Attentate in Belgien und NiederlandeTäter fühlen sich sicher

Nach dem zweiten Brandanschlag auf eine Synagoge wächst die Angst in jüdischen Gemeinden. Anzeichen für koordiniertes Vorgehen im Auftrag Teherans nehmen zu.

Ist offenbar ins Visier islamistischer Attentäter gerückt: die jüdische Gemeinde der Hafenstadt Rotterdam Foto: Friso Gentsch/dpa

Auf eine Rotterdamer Synagoge wurde in der Nacht zum Freitag ein Brandanschlag verübt. Videoaufnahmen, die auf sozialen Medien kursieren, zeigen einen Brand vor der Synagoge im Norden der Hafenstadt, worauf eine Explosion folgt. Bei dem Anschlag kam niemand zu Schaden. Hinweise zu den Tätern gibt es bislang nicht. Bürgermeisterin Carola Schouten reagierte am Morgen „mit Abscheu“ auf den Anschlag: „Dies bringt bei unseren jüdischen Stadt­ge­nos­s:in­nen Angstgefühle zum Vorschein. In Rotterdam ist kein Platz für Antisemitismus, Einschüchterung, Gewalt oder Hass gegen religiöse Gemeinschaften.“

Dennoch ist die jüdische Gemeinde der niederländischen Hafenstadt offenbar ins Visier islamistischer Attentäter gerückt. Das betreffende Video ist nicht nur mit dramatischer Musik unterlegt, sondern zeigt nach der Explosion auch das Datum „2026-3-13“ sowie ein schwarz-weißes Logo mit einer Kalaschnikow und dem Schriftzug „Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya“, was sich mit „Islamische Bewegung der Gefährten des Rechts“ übersetzen lässt.

Unter dem gleichen Namen kursierte zu Wochenbeginn ein Video, das die Verantwortung für den Bombenanschlag auf eine Synagoge im belgischen Lüttich übernahm. Vor dem Gotteshaus der Gemeinde gab es in der Nacht auf Montag eine Explosion, bei der ebenfalls niemand verletzt wurde, die aber in der örtlichen Gemeinschaft zu großer Bestürzung führte. Innenminister Bernard Quintin sprach von einem „antisemitischen“ und „terroristischen“ Akt.

Das mit ähnlicher Musik unterlegte Video aus Lüttich zeigte neben der Explosion vor der Synagoge auch einen maskierten Täter, der kurz vorher an ihr vorbeigeht. In Belgien, schwer betroffen von den ISIS-Anschlägen der Zehnerjahre, wird über einen erneuten Einsatz des Militärs zum Schutz jüdischer Einrichtungen diskutiert. Ralph Pais, Sprecher des Jüdischen Informations- und Dokumentationszentrums (JID), sagte der taz, die Tatsache, dass die Täter sich filmen und die Aufnahmen selbst publizierten, sei „äußerst besorgniserregend“. Es zeige, dass sie sich sicher fühlten.

Wer sind die Täter?

Beide Anschläge deuten darauf hin, dass iranische „schlafende Zellen“ mit einer Welle von Angriffen auf internationale jüdische Einrichtungen begonnen haben. Der Terrorismus-Experte Peter R. Neumann nennt Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (HAYI) auf X eine „irakisch-schiitische Frontgruppe“. Für den niederländischen Juristen und Publizisten Afshin Ellian, einst aus Iran geflohen, ist eindeutig, dass beide Anschläge „in Auftrag des iranischen Regimes verübt wurden“.

Der europäisch-jüdische Kongress (EJC) reagierte am Freitag mit einem Statement. Wenn sich die Anzeichen bestätigten, gäben die wiederholten Bekennerschreiben „Anlass zu ernsthafter Besorgnis über ein koordiniertes Netzwerk, das jüdische Gemeinden in ganz Europa ins Visier nimmt“. In Rotterdam bilanzierte Chris den Hoedt, der Vorsitzende der lokalen jüdischen Gemeinde: „Das ist furchtbar.“ Der materielle Schaden halte sich in Grenzen, der emotionale dagegen sei schwer. Der Anschlag sei auch ein Zeichen des „seit zwei Jahren zunehmenden Antisemitismus“.

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