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Steigende Energiepreise durch IrankriegAngst vor dem Preisschock

Die Energiepreise steigen infolge des Irankriegs. Das schadet der Wirtschaft. Grüne und Linkspartei fordern eine Senkung der Stromsteuer für alle.

Der Sprit wird in Deutschland nicht knapp. Aber immer teurer Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die steigenden Preise für Öl nähren die Sorge vor Preisschocks wie im Jahr 2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Anhaltend höhere Ölpreise würden der deutschen Volkswirtschaft stark schaden, warnen Ökonom:innen.

Nach dem Angriff der USA und Israels hat der Iran die Straße von Hormus geschlossen. Durch die Meerenge werden rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert. Deutschland bezieht kaum Gas und Öl aus der Region, ist aber von den Verwerfungen auf den Weltmärkten betroffen. Preissteigerungen dort wirken sich global aus.

Benzin und Diesel sind so teuer wie zuletzt nach den Preisschocks infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Auch Heizöl und Gas sind teurer geworden. Hohe Energiepreise treiben die Inflation nach oben. Hinzu kommen Belastungen für Hersteller, die Öl und Gas als Rohstoff benötigen.

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind hohe Ölpreise eine herbe Belastung für Unternehmen. „Mit Verwerfungen in einem Ausmaß wie in den Ölkrisen der 1970er Jahre ist derzeit nicht zu rechnen“, sagt IW-Ökonomin Galina Kolev-Schaefer. Diese Ölkrisen hatten in Industriestaaten schwere Rezessionen ausgelöst. Auch wenn dieses Ausmaß nicht erreicht wird, treffe jeder Energiepreisanstieg und jede Störung des globalen Handels die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten deutschen Wirtschaft empfindlich, sagt die Ökonomin.

Gefahr für das Wirtschaftswachstum

Dabei hat sich die deutsche Wirtschaft noch immer nicht von der Energiepreiskrise 2022 erholt. Nach zwei Jahren Rezession stagnierte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025. Für 2026 erwarten Öko­no­m:in­nen ein leichtes Wachstum von rund 1 Prozent, für 2027 etwas mehr. Ein hoher Ölpreis könnte diese leichte Erholung stören.

Vor dem Krieg lag der Preis für ein Barrel Öl unter 70 Dollar. Sollte er auf mehr als 100 Dollar steigen, schmälert das das BIP in diesem Jahr um 0,3 Prozent und im Jahr 2027 um 0,6 Prozent, zeigt eine Simulation des IW. Das entspräche einem wirtschaftlichen Schaden in zwei Jahren von 40 Milliarden Dollar. Würde der Barrel-Preis auf über 150 Dollar steigen, würde das BIP 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 1,3 Prozent geringer ausfallen als prognostiziert.

Die aktuell hohen Preise an den Tankstellen lassen den Verdacht aufkommen, dass die Energiekonzerne aus Profitgier die Preise höher treiben als gerechtfertigt. Die FDP fordert eine Neuauflage des Tankrabatts, den die Ampel im Sommer 2022 gewährt hatte. Das will die Bundesregierung nicht. Der Tankrabatt war seinerzeit harsch kritisiert worden, weil die Konzerne ihn offenbar nicht an die Ver­brau­che­r:in­nen weitergegeben haben. Außerdem war er klimapolitisch ein falsches Signal, monierten Kri­ti­ke­r:in­nen seinerzeit. Zeitgleich zum Tankrabatt gab es das 9-Euro-Monatsticket für den gesamten deutschen Nahverkehr.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die derzeitigen Preiserhöhungen für Benzin und Diesel kartellrechtlich prüfen lassen. Aber das ist offenbar eine Nebelkerze. „Katherina Reiche will etwas, was Robert Habeck längst erfolgreich begonnen hat“, sagt der frühere Wirtschaftsstaatssekretär Sven Giegold, heute Bundesvorstandsmitglied der Grünen. Die Prüfung sei längst geschehen. „Sie soll Vorschläge machen, was sie ändern will“, fordert er.

Der Hintergrund: Habeck hat seinerzeit als Wirtschaftsminister das Kartellrecht nach den hohen Spritpreissteigerungen im Jahr 2022 verschärft. Auf dieser Grundlage hat das Bundeskartellamt eine sogenannte Sektoruntersuchung Kraftstoffgroßhandel eingeleitet. In einer vorhergehenden Prüfung hatten die Kar­tell­wäch­te­r:in­nen Anhaltspunkte für Marktstörungen gefunden. Sollte sich das bestätigen, gibt es eine Reihe von Eingriffsmöglichkeiten bis hin zur Zerschlagung von Unternehmen.

Forderung nach Senkung der Stromsteuer

Um die Bür­ge­r:in­nen schnell zu entlasten, sollte die Bundesregierung die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß senken, fordert Giegold. „Das wäre auch aus ökologischen Gründen sinnvoll und würde uns unabhängiger von Energieimporten machen.“ Rund 60 Prozent des Stroms in Deutschland stammen aus erneuerbaren Energien. Die Bundesregierung hat die Stromsteuer bislang entgegen ihren Ankündigungen nur für Großverbraucher herabgesetzt.

Auch die Linkspartei fordert die Senkung. „Die Bundesregierung ist in der Verantwortung, schleunigst dafür zu sorgen, dass die Energiepreise in Deutschland nicht wieder exorbitant in die Höhe schießen und die Inflation weiter anheizen“, sagt der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag Sören Pellmann. Auch mit einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie könnten Bür­ge­r:in­nen nach Pellmanns Auffassung entlastet werden, wenn der Staat gleichzeitig eine staatliche Preisaufsicht einführen würde.

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7 Kommentare

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  • Das liegt aber auch an den Nachrichtensendern und Medien in Deutschland, da ist viel Panik mache und Prompt fahren alle schnell zur Tankstelle als gäbe es kein morgen!



    Das ist zum Beispiel in unsrem Nachbarland Polen anders, da wird weit weniger Panik geschürt als in Deutschland (the German angst).



    Was auch ein Punkt ist, das es halt kein Wettbewerb gibt, erhöht einer, erhöhen alle und zu guter -letzt halt die hohen Abgaben, CO2 Abgabe (mit voller Absicht wird Diesel und Benzin verteuert) und die Steuern, dagegen wird Kerosin für Flugzeuge künstlich verbilligt, also das was Umweltschädlicher ist als das Auto auch noch gefördert!

  • Wenn solche ungerechtfertigten Gewinnmitnahmen ein gewisses Maß übersteigen sollten sie nachträglich verzinst eingezogen werden. Wenn jetzt ein Ölkonzern, der hauptsächlich eigene Quellen oder langfristige Lieferverträge hat spekulativ den Preis raufsetzt, muss da im Nachhinein geprüft werden, wieviel er überhaupt zu hohen Preisen zukaufen musste. Wenn daraus nicht zu rechtfertigende Überschüsse gezogen werden sind diese üppig verzinst wie beim Privatkundengeschäft der Banken einzuziehen. Das könnte zum Nachdenken anregen und die Preise ruhig halten.

  • Nein. Die Spritsteuer sollte nicht gesenkt werden. Diese Preisermäßigung würde von der Sprit-Mafia sofort ausgenutzt, um sich noch dreister zu bereichern - die Leute zahlen's ja, etwas murrend aber dennoch. Stattdessen wäre eine konsequente Übergewinnsteuer nötig, die jeden Gewinn sofort rigoros abschöpft, der durch die gängige Abzocke erwirtschaftet wird. Doch das, so ist zu erwarten, läuft nicht bei der Lobbyministerin Reiche und dem Lobbykanzler Merz. Die sPD ist viel zu luschig und feige um sich dafür wirksam stark zu machen.

  • Senkung der Stromsteuer für alle? Ohne Nennung einer realistischen Gegenfinanzierung reiner Populismus. Und mit realistisch meine ich keine ideologischen Nebelkerzen von wegen "Aber wir müssten nur die Reichen blablabla..."



    Es wurde demokratisch entschieden, dass CO2 "teuer" sein soll. Und unser Strom gehört in Europa mit zum CO2-intensivsten Strom. Es wurde schon vor Jahren von einer zukünftig "angebotsorientierten Stromversorgung" gesprochen, nicht jeder Mensch wird also immer Strom haben können.



    Als diese Strategie noch niemanden persönlich betroffen hat, fanden das alle ok. Und nun wo es langsam in diese Richtung geht wird aufgeheult.

  • Die deutsche Regierung unter Merz und Reiche hat bei der Energiewende völlig versagt – und das mitten in einer Energiekrise, die durch den Irankrieg verschärft wird. Statt endlich konsequent auf nachhaltige Erneuerbare umzusteigen, klammern sie sich ideologisch an fossile Energieträger und Verbrenner-Subventionen, als gäbe es kein Morgen.

    Merz predigt „Wirtschaftswende“, blockiert aber Netzausbau und EEG-Reformen, während Reiche den Mittelstand mit hohen Energiepreisen belastet – ohne echte Entlastung durch Solar, Wind oder Speichertechnologien. Das ist nicht nur wirtschaftspolitische Bankrotterklärung, sondern grenzt an Verrat am Amtseid: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen will“ – doch sie widmen sie Lobbyisten.

    Der Preisschock ist selbstverschuldet: Keine ambitionierte Transmission zu 100% Erneuerbaren, stattdessen Gasimporte, "green gas", Bürger und Mittelstand zahlen die Zeche. Wann endlich ein ehrlicher Plan statt Wahlkampfrhetorik?

  • Schaut mal über die Grenze. In vielen anderen europäschen Ländern sind die Spritpreise in der letzten Wocher gar nicht oder nur minimal gestiegen. Warum wird wieder mal nur hier Kasse gemacht?



    (ist ja nicht nur beim Sprit so - man vergleiche zB mal die Kosten für Wärmepumpen und Einbau zu anderen Ländern

    • @T-Rom:

      Das ist einfach zu beantworten, z.B:

      "1. Mineralölsteuer (MöSt) / Energiesteuer



      Österreich: Die Mineralölsteuer ist deutlich geringer als in Deutschland. Sie beträgt pro Liter 48,2 Cent für Superbenzin und 39,7 Cent für Diesel. Das sogenannte "Dieselprivileg" (niedrigere Steuer auf Diesel im Vergleich zu Benzin) ist in Österreich weiterhin ausgeprägt.



      Deutschland: Die Energiesteuer ist wesentlich höher. Sie liegt bei rund 65,4 Cent pro Liter Benzin und 47,0 Cent pro Liter Diesel.



      Fazit: Der reine Steueranteil (MöSt) ist in Deutschland bei Benzin um über 17 Cent und bei Diesel um über 7 Cent höher als in Österreich.



      2. CO2-Preis (CO2-Steuer)



      Österreich: Im Jahr 2026 beträgt der Fixpreis 55 Euro pro Tonne CO2.



      Deutschland: Der CO2-Preis wird 2026 im Rahmen des nationalen Emissionshandels (nEHS) festgelegt und liegt im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne.



      Auswirkung: Der CO2-Preis verteuert den Liter Benzin/Diesel 2026 in Deutschland um ca. 17 bis 20,5 Cent (inkl. MwSt-Effekt). Österreich liegt hier auf einem ähnlichen Niveau, startet aber bei der Mineralölsteuer von einem niedrigeren Sockelbetrag. "(KI)

      Das Gejammer unserer Politiker: Krokodilstränen. Sie hätten es in der Hand.