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Hamburger Horror-Theater auf FestivalMit Lovecraft nach London

Das kleine Hamburger Miskatonic Theater schien wie vom Pech verfolgt. Nun gastierte es beim London Lovecraft Festival in der britischen Hauptstadt.

Von Harburg in die Welt: „Pickman's Supermodel“ ist nun auch in London gegeben worden Foto: Christian Grundey

Mit dem Schrecken haben sie schon so ihre Erfahrung, die Ma­che­r*in­nen des Hamburger Miskatonic Theaters: Das (den Verantwortlichen zufolge) weltweit einzige ausschließlich dem Horror gewidmete Haus wurde bereits Opfer eines Einbruchs, da war es noch gar nicht eröffnet. Und kaum lief der Laden, benannt nach einer wiederkehrenden fiktiven Ortsmarke aus dem Werk des US-amerikanischen Autors H. P. Lovecraft, brannte er aus.

Vor dem Miskatonic hatten Nisan Arikan und Lars Henriks schon im kleineren eigenen antikyno-Theater aber auch Film- und Rollenspielabende veranstaltet. Seit einigen Jahren inszenieren sie auch auf der örtlichen Freilichtbühne, wenn der Bezirk Hamburg-Harburg (beziehungsweise das dortige Stadtmarketing) den „Sommer im Park“ ausruft.

Das eigene Theater sollte dann im Sommer 2024 das doppelte Engagement verstetigen helfen: für den erst mal abseitig scheinenden Stoff, aber auch für den Bezirk. Denn Harburg, bis 1937 eine selbstständige, eine große preußische Stadt, mag Heino Jaeger Heimat gewesen sein und später dessen Adepten Heinz Strunk hervorgebracht haben. Er dürfte aber trotzdem kaum mit kulturellem Reichtum verbunden sein in den Köpfen der Hamburger:innen.

Kaum lief also der Horrorladen halbwegs, brannte er aus, vermutlich war Brandstiftung im Spiel. Requisiten und Technik gingen in Rauch auf, ebenso das eigene Tonstudio. Unbenutzbar war auch die gemeinsame Wohnung Arikans und Henriks’ (und ihrer Tochter) weiter oben im selben Haus. Fortan heimatlos, erhielt der Theatergrusel mal kurz, dann auch mal länger Asyl auf mehreren kleinen Hamburger Bühnen.

Englische Fassung von „Pickman’s Supermodel“

Was vor knapp einem Jahr auch abgesagt werden musste, war „unsere über Monate geplante und bereits bezahlte Gastspiel-Reise nach London“, so die Be­trei­be­r*in­nen – „die einzige gute Sache, die in dem ganzen verdickten Scheißjahr passiert war“. Immerhin: Am vergangenen Wochenende nun war das Miskatonic doch noch in der Stadt des Rippers zu Gast, beim sechsten London Lovecraft Festival spielte man eine englische Fassung der eigenen Lovecraft-Pastiche „Pickman’s Supermodel“ („eine Auseinandersetzung mit Ästhetik, voyeuristischer Ausbeutung und der Sinnlosigkeit privater Kunsthochschulen“).

Im weiteren Festivalprogramm finden sich etwa eine Oper, fußend auf Lovecrafts „Dunwich Horror“, ein musikalisch begleiteter „Story Slam“, aber auch „Menschenopfer, rituelle Dämonenbeschwörung und Anbetung unserer feinen Herren“ wurden angekündigt. Dazu passen die unbekümmerten, ja: respektlosen Hamburg-Harburger Bearbeitungen des großen Menschenfeindes bestens. Sie würden gerne auch nächstes Jahr dort auftreten, schreiben Arikan und Henriks, gerne mit etwas Förderung und dann auch Budget für, zum Beispiel, eine Unterkunft.

Außerdem hätten sie zuletzt im Ausweichquartier im Hamburger Schanzenviertel ein Stück gespielt, das sich ziemlich gut dort umsetzen ließe und „auf einem Buch basiert, das in London eine sehr große Fanbase hat … Mal schauen, was Universal von der Idee hält“: Tatsächlich hatte im vergangenen Jahr Grady Hendrix den beiden vom Miskatonic das Recht eingeräumt, seinen Bestseller „My Best Friend’s Exorcism“ zu adaptieren – damals weltexklusiv.

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