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Glück und Unglück am Freitag, dem 13.Es ist der Freitag, nicht die 13

An Freitagen werden die meisten Unfälle registriert. Liegt das am Kalenderblatt? Die Antwort liefert nicht der Blick in die Glaskugel, sondern ins Glas.

Und nun? Freitag, der 13., steht im Kalender Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Der Freitag der 13. steht bei vielen im Ruf, ein Unglückstag zu sein. Aber bloß, weil das ein weit verbreiteter Volksglaube ist, muss das ja nicht falsch sein.

Nimmt man zum Beispiel die These, dass vermehrtes Unglück sich durch höhere Unfallzahlen bemerkbar machen muss, so lässt sich die Freitag-der-13.-Theorie leicht überprüfen. Denn das Statistische Bundesamt bietet ein hilfreiches Tool: den Verkehrsunfallkalender.

Dort lässt sich ablesen, wann im Jahresverlauf die meisten Unfälle passieren. Und dass der gefährlichste Tag des Jahres kein Freitag, sondern ein Donnerstag im Frühling ist: Am Feiertag Christi Himmelfahrt werden seit Jahren stets die meisten Unfälle registriert – vor allem, weil der Vatertag mit viel Alkoholkonsum begangen wird.

Aber was ist nun mit dem Freitag? Was mit den 13.?

Legt man einer Analyse die im Kalender hinterlegten Unfallzahlen der Jahre 2021 bis 2024 zugrunde, fällt zunächst auf, dass es an Werktagen deutlich mehr Pkw-Unfälle mit Personenschaden gibt als an Wochenenden. An Sonntagen sind es sogar 40 Prozent weniger Unfälle als an einem Durchschnittstag.

Die Werktage hingegen sind überdurchschnittlich unfallträchtig – was vor allem darauf hindeutet, dass dann deutlich mehr Menschen mit ihren Autos unterwegs ist, weil sie zur Arbeit fahren.

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Der unfallträchtigste Wochentag aber ist der Freitag, an dem 15 Prozent mehr Crashs registriert werden. Macht sich hier der 13. bemerkbar?

Die Antwort ist nein. Denn betrachtet man alle Tage, die in den vier Jahren auf den 13. eines Monats fielen, stellt man fest, dass da sogar verhältnismäßig wenig Unfälle passieren – 8 Prozent unterm Schnitt. Die 13 scheint also eher eine Glückszahl.

Und was ist nun mit den Freitagen, die auf einen 13. fallen? Da werden gerade mal 4 Prozent mehr Unfälle verzeichnet. Das darf man fast schon als normal bezeichnen. Selbst wenn man darauf beharren will, dass dieser spezielle Kalendertag doch etwas mehr Unglück beziehungsweise Unfälle bringt, muss man sagen: Das liegt am Freitag, nicht an der 13.

Warum ist Freitag der gefährlichste Werktag?

Aber wieso ist der Freitag der unglückbringendste Wochentag? Dazu gibt ein weiterer Wert aus dem Unfallkalender der Bun­des­sta­tis­ti­ke­r:in­nen einen Hinweis. Es ist die Zahl der Unfälle mit Alkoholeinfluss.

Die ist an Wochenenden exorbitant höher. An Samstagen werden 64 Prozent mehr Alkoholunfälle gezählt im Schnitt. Montag bis Donnerstag fahren zwar mehr Menschen Auto, aber sie sind seltener betrunken. Die Zahl der Alkoholunfälle liegt dann deutlich unterm Schnitt – dienstags sogar um 35 Prozent.

Der Freitag entpuppt sich hierbei hingegen als Durchschnittstag bei Alkoholunfällen. Warum unterscheidet er sich von den anderen Werktagen? Die Vermutung liegt nahe, dass am letzten Werktag der Woche zum einen noch viele mit dem Auto unterwegs sind, wodurch es wie montags bis freitags vermehrt Unfälle gibt. Zum anderen wird offenbar bereits das Wochenendbesäufnis eingeleitet – weshalb die Zahl der alkoholbedingten Unfälle deutlich steigt.

Und was lehrt uns diese Zahlenanalyse? Wenn einem am Freitag Unglück im Verkehr droht, liegt das nicht am Kalenderblatt, sondern am Alkohol am Steuer.

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