Drei-Königs-Fest in Spanien: Andalusiens Regierungschef schwarz geschminkt bei Umzug
Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno hat „Blackfacing“ betrieben. Zudem wird ihm vorgeworfen, von einem Krebsvorsorgeskandal abzulenken.
Der rechtskonservative Chef der andalusischen Regionalregierung hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht, um seine Beliebtheit im Wahljahr 2026 zu erhöhen. Juanma Moreno – der Nachname bedeutet so viel wie braun oder dunkelhäutig – hat ein paar Farbtöne zugelegt und sich schwarz geschminkt. Mit Turban verkleidet nahm er am Vorabend des Dreikönigsfestes als Balthasar am Umzug in Sevilla teil. Es ist einer der wichtigsten von Hunderten Umzügen in ganz Spanien.
Die Kinder jubelten, denn schließlich bringen in Spanien die drei Könige aus dem Morgenland die Geschenke, nicht der Weihnachtsmann. Doch so manch Erwachsenem platzte der Kragen. Sie buhten, andere riefen: „Balthasar, das beste Geschenk ist ein öffentliches Gesundheits- und Schulwesen.“ Zu deutlich war die Absicht Morenos, mit seinem Auftritt beim Umzug den Skandal um mangelnde Brustkrebsvorsorge, der Andalusien seit Wochen erschüttert, vergessen zu machen.
In den sozialen Netzwerken wurden noch ganz andere Vorwürfe laut. Von „Blackfacing“ war dort die Rede, etwas, was eigentlich – zumindest in den größeren Orten – überholt schien. In den letzten Jahren wurden für die Umzüge immer weniger Weiße schwarz angemalt und mit großen roten Lippen geschminkt. Die Rolle des Balthasars fällt einem der 1,2 Millionen in Spanien lebenden Farbigen – meist Immigranten aus Afrika – zu.
Original statt geschminkte Fälschung: Politisch korrekter ist das allemal. Antonio Maíllo, Koordinator der postkommunistischen Vereinigten Linken (IU), veröffentlichte ein Video in den sozialen Netzwerken, in dem er Moreno vorwirft „mit dieser Geste rassistische Stereotype“ weiterleben zu lassen. Und auch Juan Antonio Delgado, Regionalchef der linksalternativen Podemos, sieht im Auftritt Morenos „eine Legitimierung von Rassismus“.
Konservative nennen die Kritik „absurd“
„Wollen die uns wirklich erzählen, dass es in ganz Andalusien keine einzige Schwarze Person gibt, die man mit Würde und Authentizität für die Rolle von König Balthasar einladen könnte?“, prangert das antirassistische Kollektiv Afroféminas an.
Sevilla war leider keine Ausnahme. In ganz Spanien wurden jetzt in 180 Gemeinden Weiße schwarz geschminkt und in Madrid war der König Balthasar gleich richtig hellhäutig. Auch das rief Kritik hervor.
In Andalusien brachte die linke Opposition mit Blick auf die Wahl Morenos zum König Balthasar einen Antrag gegen das Blackfacing ins Parlament ein. Dieser scheiterte. Morenos konservative Volkspartei (PP) bezeichnete die Debatte als „absurd“. Der Umzug, so wie er ist, sei „kulturelle und religiöse Tradition von enormem symbolischem Wert“, die nichts mit „unserer Integrationskultur“ zu tun habe. Und für die rechtsextreme Vox ist die Debatte einfach „Blödsinn“.
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