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Homöopathie-Schwenk der Südwest-FDPDie letzten Kügelchen im Lauf

Benno Stieber

Kommentar von

Benno Stieber

Die FDP in Baden-Württemberg will, dass die Kassen Homöopathie-Arzneien weiterhin bezahlen. Es ist der verzweifelte Versuch, grüne Wähler zu gewinnen.

Nimmt sich die Kettensägenpolitik des argentinischen Präsidenten Milei zum Vorbild: der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr Foto: Jeremy Knowles/EventPress/imago

M it der politischen Substanz der FDP ist es, spätestens seit sie aus Regierung und Bundestag geflogen ist, ein bisschen wie mit den medizinischen Wirkstoffen in homöopathischen Arzneimitteln: nicht messbar. Parteichef Christian Dürr schlägt etwa vor, „Verbote zu verbieten“, und nimmt sich die Kettensägenpolitik des argentinischen Präsidenten Milei zum Vorbild. Und jetzt, zum Auftakt des Wahlkampfs in Baden-Württemberg, sollen ausgerechnet die Kassenleistungen für homöopathische – nun ja – Medikamente die letzten Kügelchen im Lauf sein, um den politischen Untergang der FDP zu verhindern.

Die Liberalen stehen im Land von Theodor Heuss und Klaus Kinkel heute bei knapp 5 Prozent, da greifen sie offenbar nach jedem Strohhalm. Und weil die Grünen, öffentlich kaum beachtet, kürzlich auf ihrem Bundesparteitag beschlossen, Globuli aus dem Katalog der Kassenleistungen zu nehmen – was zwar weniger als 10 Millionen Euro spart, aber ein Bekenntnis zur wissenschaftsbasierten Medizin ist –, fordert die FDP auf der Suche nach der politischen Marktlücke im Südwesten nun halt das Gegenteil.

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Landespolitisch spielt das Thema eigentlich keine Rolle, denn diese Frage regelt der Bund. Aber in Baden-Württemberg sitzen gleich mehrere große Hersteller der wirkstofffreien Tinkturen, und mit Stuttgart als einem Zentrum der Anthroposophie gibt es hier viele Anhänger. Vielleicht kann der Beschluss ja die eher alternative Klientel zu FDP-Wählern machen – so das Kalkül der Liberalen.

Zweifel am Erfolg dieser Taktik drängen sich auf. Noch 2024 hatte die FDP – ganz im Sinn der aufklärerischen Wurzeln des Liberalismus – im Bundestag selbst vorgeschlagen, das Gesundheitssystem nicht mehr mit Kosten für Globuli zu belasten. Die Begründung der FDP damals: „Sie sind wissenschaftlich nicht wirksam.“ Scheint, als würde die Partei jetzt auf der verzweifelten Suche nach Wählern den wichtigsten Grundsatz bei der Nutzung der Homöopathie außer Acht lassen: Damit sie überhaupt etwas bewirkt, muss man wenigstens selbst dran glauben.

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Benno Stieber
taz-Korrespondent BaWü
Benno Stieber ist seit 2015 Landeskorrespondent der taz in Baden-Württemberg. In Freiburg als Österreicher geboren, lebt er heute als eingefleischter Freiberufler wieder im badischen Landesteil. Er ist Absolvent der "Deutschen Journalistenschule" in München und hat dort auch Geschichte und Politik studiert. Er schrieb unter anderem für die "Financial Times Deutschland", hat einen erfolgreichen Berufsverband gegründet und zwei Bücher geschrieben. Eins über Migranten nach der Sarrazin-Debatte und eins über einen Freizeitunternehmer aus dem Südwesten.
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5 Kommentare

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  • Das die FDF dran glauben muss, hoffen wir doch Alle... 😃

    Nachdem die Schwurbler mit dem Beharrlich Stalinistischen Weltbild wohl bald heimatlos sind, könnte die Rechnung aufgehen.



    Homöopathie passt auch gut zur FDP ! - Die glauben ja auch an den Trickle-Down-Effekt. -Obwohl wahrscheinlich sind selbst die garnicht SO blöd...😉

  • Wen soll das treffen?



    Wenn dann ist die Klientel doch sog. Besserverdiener, die in der PKV sind, die können von mir aus auch Schamanen ins Leistungsprogramm aufnehmen, so lange die Quersubventionierung durch GKV und Steuer (Krankenhausabgabe, Versicherung von Grundsicherungsempfängern sowie Beihilfe) abgeschafft wird.



    BaWü ist ja wegen der vielen Impfgegner und Homöopathiefans auch immer ein Hotspot für unnötige Infektionskrankheiten.

    • @Axel Schäfer:

      „..ein Hotspot für unnötige Infektionskrankheiten."



      Hoffentlich ist F.D.P. nicht ansteckend.

  • Ist über die FDP schreiben nicht ein Verstoß gegen § 168 StGB (Störung der Totenruhe)?

    Zum Thema:



    Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus.

    Dass es überhaupt von der Kasse bezahlt wird ist m.E. eine Kapitulation vor Lobbyisten und/oder der Dummheit.

    Dass die FDP das jetzt macht, ist so wie Söders Baumumarmung vor Jahren, oder das kontinuierliche NSAfD-kuscheln der CxU. Anstatt eigene Inhalte zu schaffen werden andere kopiert.

    Aber Dürrs politische Positionen sind halt nur eine Fortsetzung von Lindner. Und wie Lindner/Westerwelle und diverse davor und dazwischen ging/geht es um Macht. Positionen sind egal...

    Die CxU stellt schon selbst genügend Lobbyisten in den Regierungen, da braucht es die FDP nicht.

    Requiescant in pace.

  • „da greifen sie offenbar nach jedem Strohhalm.“



    --



    Wir haben zu Kinderzeiten im Schulunterricht Reiskörnchen mit Strohhalmen verschossen…



    Jetzt kommt der Christian Dürr



    Und nimmt Zuckerkügelchen dafür.



    Wer erwischt wird, bekommt einen Tadeleintrag ins Klassenbuch.