Risse in der Pro-Trump-Bewegung : Der Kampf um MAGA
Nach Jahren des Personenkults geht es nun darum, was MAGA jenseits von Trump bedeutet. Mit der nächsten Wahl werden sich die Konflikte verstärken.
D ie Auseinandersetzung der vergangenen Tage innerhalb von Donald Trumps „Make America Great Again“-Bewegung (MAGA) hat einen gewissen Unterhaltungswert. Die Verschwörungserzählungen, die Trump jahrelang verbreitet hat, wenden sich jetzt gegen ihn. Wenigstens in Gestalt von MAGA-Figuren wie der Abgeordneten Marjorie Taylor Greene, die erst über die QAnon-Verschwörungserzählung überhaupt zur Politik gefunden hat. Sie nehmen Trump übel, stets volle Aufklärung des Epstein-Falles versprochen zu haben und dann doch den Abschlussbericht unter Verschluss zu halten.
Mit der Veröffentlichung eines mutmaßlichen jahrzehntealten Trump-Briefes an Jeffrey Epstein und Trumps anschließender Klage gegen das Wall Street Journal ist die MAGA-Einheit erst einmal wiederhergestellt. Feindschaft zu Medien zieht immer – womöglich aber nur für den Moment.
Denn ganz offensichtlich geht es nach Jahren des Personenkults allmählich auch darum, was MAGA jenseits von Trump bedeuten kann. Bei der Auseinandersetzung über den Angriff auf Irans Atomanlagen vor einigen Wochen waren Leute wie Taylor Greene und Tucker Carlson im Namen von MAGA kurz davor, Trump Verrat vorzuwerfen. Trump intervenierte schließlich: Er habe MAGA erfunden, er bestimme, was das sei.
Noch vor ein paar Jahren hätten MAGA-Leute mit traditionellen Republikaner*innen darum gekämpft, wer republikanische Programmatik und Identität definiert. Die Schlacht ist lange geschlagen: MAGA rules. Was das aber wirklich heißt, ist keine akademische Frage. Es geht um die Zukunft und Führung der Bewegung nach Trumps zweiter Amtszeit. Konflikte darum werden sich verstärken, je näher der Wahltermin 2028 rückt.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.
Wer aber glaubt, die Scharmützel seien der direkte Weg dazu, dass sich Trumps Regierungsprojekt schon nach einem halben Jahr zerlegt, dürfte irren. Wenn Trump eins kann, dann Streit für die eigene Machtposition auszunutzen. Schuld sind immer die anderen – auf sie mit Gebrüll!
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert