Berliner Planetarium: Mehr als nur Sternenkino
Das Planetarium am Insulaner wird in ein Lernzentrum umgebaut. Dort sollen Kinder und Jugendliche künftig ihr Wissen in Naturwissenschaften vertiefen.
Kaum geht das Licht in der großen Kuppel aus, beginnt die Reise zu den Sternen. Draußen sind wegen der hohen Lichtverschmutzung in Berlin normalerweise nur rund 3.500 Sterne zu sehen, drinnen im Planetarium am Insulaner gibt es fast drei Mal so viele zu bestaunen. Der Sternenprojektor, der das ermöglicht, ist inzwischen so alt wie das Gebäude selbst. Nach 58 Jahren Betrieb wird der Projektor dieses Jahr endgültig abgeschaltet und das Gebäude mit Baujahr 1965 wird saniert.
Die Stiftung Planetarium Berlin will das Gebäude zu einem Lernzentrum umbauen. „Wir möchten mehr als nur Sternenkino bieten“, sagt Vorstandsmitglied Tim Florian Horn. Stattdessen soll es für die Besucher:innen mehr Möglichkeiten zum Mitmachen geben, etwa mit einem Kosmos-Labor, in dem Kinder und jugendliche Sternendaten in Animationen umwandeln können sollen. Außerdem hat man sich eine Chemikerin ins Haus geholt, um mehr Themen, wie etwa Photosynthese, in den künftig geplanten Seminaren anzubieten.
Neuer Projektor und mehr Fläche
Bevor es damit in ein paar Jahren losgehen kann, muss sich das Gebäude verändern: Bei den Umbauten soll der historische Eingangsbereich in 60er-Jahre-Architektur wiederhergestellt werden. Außerdem wird der Innenhof überbaut, um Seminarräume einzurichten – Schulkinder sollen hier künftig das Lichterschauspiel gemeinsam nachbesprechen.
Laut Horn lange überfällig, werden auch die Sanitäranlagen saniert und das Gebäude wird mit einem neuen Aufzug barrierefrei gestaltet. Und wer den Insulaner erklimmen will, um nach dem Planetarium auch die Wilhelm-Foerster-Sternwarte zu bestaunen, kann künftig durch die Rückseite des Gebäudes über einen direkten Pfad den Berg ersteigen.
Das Sternenkino selbst bekommt einen neuen Projektor, der durch eine LED-Videoprojektion unterstützt wird. Die technische Ausstattung der Kuppel übernimmt die Lotto-Stiftung, die 4,5 Millionen Euro bereitstellt. Weil der neue Projektor aber etwas größer ist, fallen von den aktuell 291 Sitzen zwischen 30 und 50 Plätze weg. Während es in der Kuppel enger wird, wächst das Gebäude nach den Arbeiten aber um fast 300 Quadratmeter.
Kosten noch unklar
So groß die Pläne auch sind, alles steht noch nicht fest: So ist etwa bei der energetischen Sanierung unklar, welche Heizung eingebaut wird; im Gespräch sind verschiedene Wärmepumpen oder eine Pelletheizung. Mit dem Denkmalschutzamt muss noch abgesprochen werden wie die Fenster gedämmt werden können, ohne das Gebäude zu stark zu verändern, und bei der Photovoltaik-Anlage ist noch unklar, wie groß sie wird und ob ein Speichermodul dazukommt.
Besonders die Wärmepumpe mit Geothermie und das Speichermodul würden die Kosten erhöhen, meint Sven Lemiss, Geschäftsführer der Berliner Immobilienmanagement GmbH, die das Projekt umsetzt. Trotzdem würde er beide Optionen bevorzugen, im Herbst soll dann Klarheit herrschen. Mit Kostensteigerungen sei ohnehin zu rechnen, die aktuell geplanten rund 8 Millionen Euro seien mit den steigenden Bau- und Materialkosten durch die Inflation eh zu niedrig, sagt Lemiss.
„Hohe Priorität bei den Haushaltsverhandlungen“
Trotzdem sichert Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) dem Projekt eine „hohe Priorität“ in den kommenden Haushaltsverhandlungen zu. Sie sei nach ihrem Umzug nach Berlin mit ihrer Familie oft im Planetarium gewesen, erzählt sie und verweist auf den jüngsten Besucherrekord von 411.000 Berliner:innen.
Das Planetarium am Insulaner soll voraussichtlich 2026 fertig in das neue Bildungszentrum umgebaut sein. Bevor es aber seine Türen schließt und der alte Projektor im Glaskasten verschwindet, gibt es mit der „Langen Nacht des Insulaners“ am 8. Juli noch ein großes Sommerfest. Neben Planetarium und Sternwarte hat dann auch das nahegelegene Insulaner-Bad geöffnet – für ein Abendschwimmen.
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