Aus für Kohlekraftwerk Moorburg

Vattenfall erhält den Zuschlag, sein erst seit 2014/15 laufendes Kraftwerk in Hamburg abschalten zu dürfen

Von Gernot Knödler

In Hamburg haben Klimaschützer einen großen Erfolg errungen. Der Energiekonzern Vattenfall wird sein Steinkohlekraftwerk im Stadtteil Moorburg 2021 stilllegen, sofern das Kraftwerk von den vier Übertragungsnetzbetreibern nicht für systemrelevant erklärt wird. Die oppositionelle CDU, unter deren Ägide der Beschluss zum Bau des Kraftwerks fiel, sprach von einem „klimapolitischen Pyrrhussieg“.

Vattenfall hat am Dienstag von der Bundesnetzagentur den Zuschlag erhalten, die 1,6 Gigawatt Leistung abschalten zu dürfen. Wer am wenigsten Entschädigung für das Abschalten seiner Kapazitäten verlangte, setzte sich bei der Negativauktion durch.

Dass bereits in der ersten Ausschreibungsrunde eines der modernsten Steinkohlekraftwerke vom Netz genommen werde, zeige, „dass der Kohleausstieg in Deutschland wesentlich schneller möglich ist, als bislang bis zum Jahr 2038 in Aussicht gestellt“, sagte Christiane Blömeke, die Landesvorsitzende des Umweltverbandes BUND.

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Stephan Gamm dagegen schimpfte: „Das effizienteste Kohlekraftwerk Europas abzuschalten, während das älteste und schmutzigste Kohlekraftwerk in Wedel auf unbestimmte Zeit weiterläuft, ist an Absurdität nicht zu überbieten.“ Das Kraftwerk vor den Toren Hamburgs stößt pro Megawatt zwar mehr CO2 aus als Moorburg, bringt aber auch nur 250 Megawatt elektrische und 425 Megawatt thermische Leistung. Kürzlich hat der Senat angekündigt, den Kohleeinsatz um 30 Prozent pro Jahr verringern zu wollen.

Wedels wichtigste Aufgabe ist, zur Versorgung der 500.000 Hamburger Fernwärme-Kunden beizutragen. Vattenfall hätte das gerne auch mit seinem Kraftwerk Moorburg gemacht. Mit diesem Nebengeschäft wäre es effizienter und rentabler geworden und hätte wohl auch weniger Probleme mit der Kühlung gehabt. Die Fernwärmeauskoppelung scheiterte am Widerstand von Naturschützern und Anwohnern, weil die Leitung durch einen Park in Altona gebaut werden sollte. Für die Kühlung setzte der BUND einen Kühlturm durch, der die Elbe schont.

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