golfkrise

„Derzeit sind die Märkte gut versorgt“

Der Rohölpreis ist gestiegen. Kein Problem, sagt Ökonomin Katrin Knauf, solange sich der Konflikt nicht verschärft. Der Abbau von Ölreserven tut der Umwelt gut

Foto: hwwi

Katrin Knauf

44, ist Ökonomin am Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und verantwortet den HWWI-Rohstoffpreisindex.

Interview Felix Lee

taz: Frau Knauf, ein Preissprung des Ölpreises von bis zu 20 Prozent, wie jetzt – das hat es zuletzt 1991 gegeben. Damals brach der Golfkrieg aus. Womit muss die Welt nach dem Anschlag auf die Raffinerie in Saudi-Arabien nun rechnen?

Katrin Knauf: Für den Fall, dass sich der Konflikt weiter verschärfen sollte, könnten die Ölpreise tatsächlich auch länger hoch bleiben. Nach bisherigem Stand ist aber nicht klar, wer für diesen Anschlag verantwortlich ist; der Iran bestreitet das ja. Wenn es bei diesem einen Anschlag bleibt, rechne ich damit, dass der Preis wieder fällt. Derzeit sind die Märkte gut mit Rohöl versorgt. Wir haben es eher mit einem Überangebot zu tun.

Der plötzliche Preissprung war also eine Überreaktion?

Das wissen wir derzeit nicht. Wenn sich der Konflikt weiter zuspitzt, kann der plötzliche Preissprung wirklich erst der Anfang gewesen sein.

Ein Anschlag – und prompt explodieren die Ölpreise. Müsste die Welt nicht viel weiter sein und Vorkehrungen getroffen haben, damit die Wirtschaft nicht so leicht getroffen werden kann?

Der Rohölmarkt wird heute in der Tat von sehr vielen Faktoren bestimmt. Auch wenn Deutschland selbst nur wenig Erdöl aus Saudi-Arabien bezieht – das Königreich ist dennoch einer der wichtigsten Erdölproduzenten auf der Welt, und von dem Anschlag betroffen ist ihre größte Anlage. Fünf Prozent der weltweiten Raffinerieförderung sind von diesem Anschlag betroffen. Zumindest kurzfristig hat das schon Einfluss. Mittelfristig sind aber andere Länder durchaus in der Lage, ihre Fördermengen auszuweiten und den Ausfall so zu kompensieren. US-Präsident Donald Trump hat bereits angekündigt, dass nationale Re­serven freigegeben werden, sollte es zu Engpässen kommen.

Brexit, Handelskrieg – die Weltkonjunktur ist ohnehin schon angeschlagen. Könnte ein hoher Ölpreis die Weltwirtschaft noch stärker belasten?

Hohe Rohölpreise erhöhen die Produktionskosten. Das ist für die meisten Unternehmer und Autofahrer schlecht, langfristig auch für die Endverbraucher und an den Tankstellen. Das ist aber eher ein Problem, wenn die Konjunktur brummt. Wir haben aber nun die Situation, dass der Handelskrieg zwischen China und den USA und der Brexit zu einer Eintrübung der Weltwirtschaft beitragen. Und wenn das passiert, wird weniger Erdöl nachgefragt. Das hat unter anderem zu diesem Überangebot geführt. Die Opec-Staaten hatten zuletzt angekündigt, die Förderung zu drosseln. Der Anschlag könnte womöglich beitragen, dass das Überangebot abgebaut wird.

Für den Klimaschutz ist ein hoher Ölpreis doch gut. Bei einem hohen Benzinpreis lassen die Leute ihre Autos eher stehen.

Das stimmt, tendenziell sind hohe Preise für fossile Energieträger gut für den Umweltschutz, weil das den Anreiz setzt, in Technologien zu investieren, die weniger Rohöl verbrauchen. Ein kurzer Preisschock an den Tankstellen wird sicherlich aber nicht ausreichen. Der wird sich erst dann einstellen, wenn Heizöl, Benzin und andere Raffinerieprodukte dauerhaft teuer sind. Zugleich kann ein anhaltend hoher Ölpreis aber auch einen gegenteiligen Effekt haben: dass sich für US-Unternehmen die Fracking-Industrie lohnt und sie diese Abbaumethode wieder verstärkt aufnehmen. Und Fracking ist ja bekanntlich schlecht für die Umwelt.