Die Wahrheit: Ehe, wem Ehe gebührt
Vor der Vermählung im schwedischen Königshaus.
Am Samstag steht in Schweden eine große Hochzeit an. Kronprinzessin Victoria heiratet einen gewissen Daniel Westling. Das Wort "Hochzeit" führt übrigens im Lexikon ein recht stiefmütterliches Dasein zwischen "Hochzahl", also "Potenz", und "Hochzucht", die "einen Teil der Herdbuchzucht" darstellt, die besonders der Erstellung männlicher Zuchttiere dient. Das hört sich eher unromantisch an und ist obendrein nicht immer passend. Überhaupt ist die Sprache herzlos: Beim "Hochzeitsflug" muss man zum Beispiel unter "Honigbiene" nachgucken und nicht etwa unter "Flitterwochen".
Auch "Ehe" ist ein seltsam Wort. Ehe man sichs versieht, ist man verheiratet. Oder, wenn man nicht aufgepasst hat: Ehe die Ehe richtig losgehen konnte, war sie auch schon wieder vorbei, das heißt, ehe die Berater eingreifen konnten.
Manche Eheleute verwechseln Versprechen mit Versprecher, ein geradezu verbrecherischer Versprecher, und oft ist das "Jawort" ein "Na-ja-Wort". Man erinnere sich an Charles und Camilla. Im Englischen heißt Hochzeit übrigens "Wedding", im Deutschen bezeichnet das einen Berliner Stadtteil von geringem Ansehen.
Manchen geht es schlicht nicht um die gute Partie, sondern um die gute Party. Einige heiraten aus steuerlichen Gründen, andere wegen der Aussteuer. Oft ist das ein Schuss ins Blaue, aber im Verb "heiraten" steckt das "raten" ja schon drin.
Es wimmelt also von unschönen Formulierungen, und das hat gerade dieses Ereignis nicht verdient. Neigungsehe: Da kommt es wohl auf den Winkel an. Eheanbahnung - wen befällt nicht Verzweiflung, wenn er das Wort "Bahn" hört? Das Einlaufen in den Hafen der Ehe, wofür wohl auch Kirchenschiffe benötigt werden - wobei dabei hoffentlich niemand einläuft. Das Wort "Ehevollzug" ist zu nahe am Strafvollzug angesiedelt. Auch der Terminus "Braut" - als ob sich hier etwas zusammenbraut.
Allein, die Ehe hat einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Alle kennen "Figaros Hochzeit" - von "Figaros Scheidung" war jedoch nie die Rede. Die Ehe ist wie eh und je wichtig für den Fortbestand unseres Planeten. Ohne sie gäbe es weder Ehekrise noch Ehebruch. Ehe, wem Ehe gebührt. Die Sprache kriegen wir so schnell nicht mehr geändert, dennoch: Wir brauchen ein geeignetes Vokabular.
Dem schwedischen Brautpaar möchte man unterdessen zurufen: Wohlan! Eine sogenannte "wilde Ehe" kann man auch als Verheiratete führen!
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