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Tiefe Wahrheiten

„Götter, Gräber und Gelehrte“ – so heißt ein immer wieder neu aufgelegtes Buch, in dem Autor C. W. Ceram die atemberaubend spannende Geschichte der wichtigsten archälogischen Entdeckungen der Neuzeit erzählt. Der Bestseller aber trägt sein Problem schon im Titel, es ist das Problem der gesamten Archäologie: Frauen kommen kaum vor. Die Gelehrten sind Männer, die in der Frühgeschichte wiederum fast nur Männer entdecken – vor allem Herrscher und Götter.

Dass es auch Herrscherinnen, Göttinnen und vielleicht sogar Matriarchate gab, das zu entdecken blieb feministisch inspirierten Forscherinnen vorbehalten. Die US-Archäologin Marija Gimbutas zum Beispiel grub in halb Eurasien hunderte Frauenfiguren aus, die auf die Verehrung einer weiblichen Muttergöttin und matriarchale Kulte in der Jungsteinzeit schließen ließen. Der im alten Ägypten oder Griechenland beobachtbare Kampf im Götterhimmel, die sukzessive Entmachtung von Göttinnen durch Götter und schließlich einen einzigen Obergott, ist wahrscheinlich eine recht exakte Widerspiegelung der „weltgeschichtlichen Niederlagen des weiblichen Geschlechts“ (Friedrich Engels).

Viele Fragen sind bis heute jedoch noch ungeklärt. Archäologinnen stehen vor der Doppelaufgabe, einerseits weibliche Spurensuche bei Göttern und Gräbern zu betreiben, andererseits gleichzeitig die wissenschaftlichen Darlegungen der Gelehrten auf patriarchalische Verzerrungen zu untersuchen. Deshalb haben ein halbes Dutzend interessierter Archäologiestudentinnen 1991 in Freiburg das Netzwerk archäologisch arbeitender Frauen gegründet. Seit zehn Jahren veranstalten die Netzwerkfrauen Tagungen und geben Rundbriefe sowie Bücher heraus. Das Netzwerk (www.femarc.de) hat derzeit rund zweihundert Mitglieder, etwa siebzig feierten das zehnjährige Bestehen in Berlin. Der Tagungstitel war Programm: „Göttinnen, Gräberinnen und gelehrte Frauen“.

Gelehrte Frauen in der Archäologie – Irma Wehgartner wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass es diese auch in Deutschland gab, obwohl die Universitäten bis Anfang des 20. Jahrhunderts für Frauen verschlossen waren. Bis zum Ersten Weltkrieg durften sich gerade mal fünf Frauen Archäologin nennen. „Ich würde ihr das beste Prädikat geben“, schrieb ihr Doktorvater über Hermine Speyer, „wenn nicht diese ausgezeichneten Leistungen doch nur männlichen Naturen vorbehalten wären.“ Margarete Biber wurde gar Professorin, wurde aber 1933 als Jüdin entlassen und emigrierte in die USA. Erst dreißig Jahre später bekam wieder eine Frau einen Lehrstuhl: die bei der Tagung anwesende Erika Simon.

Inzwischen, so Irma Wehgartner weiter, gibt es sieben Professorinnen in Deutschland, allein drei davon in Würzburg, im einzigen weiblich geführten Institut für Archäologie. Die wenigsten sind verheiratet oder haben Kinder. Dabei haben die Archäologinnen die Archäologen längst überrundet. Derzeit promovieren doppelt so viele Frauen wie Männer: 232 zu 117. USCHE

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