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taz-Forum der ZivilgesellschaftCourage und Kurze

Beim taz-Forum der Zivilgesellschaft in Magdeburger berichten vier Ehrenamtliche aus Sachsen-Anhalt von ihrem Kampf für die Demokratie – und gegen die AfD.

Das Politikforum der taz beginnt mit Kurzen: Der Halberstädter Robert Fietzke hat den Gästen des Zivilpanels hellblauen Schnaps mitgebracht: den Zora-Sauren. Fietzke arbeitet für das Kulturzentrum Zora. Dort hat er mit seinem Team am Vortag zehn Flaschen Kräuterschnaps gebrannt, extra für das taz-Forum.

Neben Fietzke sitzen die Sozialarbeiterin Steffi Hauck und Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt. In der Mitte sitzt Christiane Lähnemann von den Omas gegen rechts, mit rotem Schal. In den Sitzreihen geben taz-Mitarbeitende Schnapsgläschen aus.

Der Moderator beginnt die Gesprächsrunde in Thomas Gottschalks Format von „Wetten, dass..?“ (ohne Grabschen, versteht sich), und befragt das Publikum. Mit welchem Hilfsmittel haben Christiane Lähnemann und die Omas gegen rechts bereits die AfD bekämpft:

a) mit Teppichklopfern

b) mit Feuerlöschern

c) mit Rollatoren

Die Zuschauenden entscheiden sich mehrheitlich korrekt: Die Aktivistin erzählt von den Gegenprotesten zum AfD-Parteitag 2023, bei denen antifaschistische Omas aus allen Bundesländern mit Rollatoren den Verkehr blockierten und die AfD-Spitze damit „unfreundlich begrüßen“ wollten.

Safe Space schaffen

Mit ruhiger Stimme spricht Lähnemann über weitere Aktionen: den Willkommenskorridor für CSD-Besucher*innen oder eine Gegendemo zur Gegendemo bei einem CSD. Immer wieder gibt es Applaus für das demokratische Engagement. Die Schnapsgläschen kreisen, ein Rentner dreht sich zum Klaren eine Zigarette.

Dann wird das Publikum zu der Arbeit von Saaeid Saaeid befragt. Er organisiert jedes Jahr ein Opferfest in Magdeburg. Ohne wessen Hilfe hätte es dieses Jahr nicht stattfinden können?

a) die Kirche

b) die freiwillige Feuerwehr

c) die CDU

Kaum jemand meldet sich bei der Partei. Im Raum wird gelacht, als Saaeid auflöst, dass ihm die CDU geholfen hat. Mehr als 500 Menschen kamen zum organisierten Opferfest. „Wir konnten einen richtigen Safe Space für unsere Community schaffen“, erzählt Saaeid.

Aktuell arbeitet Saaeid von morgens bis in die späten Abendstunden durch, weil so viele Menschen aus Sachsen-Anhalt mit Migrationsgeschichte zu ihm kommen. „Der Migrationshass macht sich bemerkbar, die Menschen haben Angst, ob sie bleiben dürfen oder sollten nach der Wahl“, erzählt Saaeid. Zwölf Familien habe der Verein bereits helfen können, in andere Bundesländer zu ziehen, weil diese Angst davor hatten, dass ihre Kinder Rassismus erfahren.

Hoffnung auf Zusammenarbeit

Es wird spät, die Schnapsflaschen leeren sich allmählich. Robert Fietzke bemerkt neben dem Rechtsruck auch einen großen Zulauf bei zivilgesellschaftlichen Projekten wie der Zora in Halberstadt. Landesmittel bekommt sein soziokulturelles Zentrum keine, da könne ihnen eine AfD-Regierung nichts wegkürzen. „Aber Druck ausüben auf die Kommune Halberstadt können sie schon“, sagt Fietzke. Er könne sich Hausdurchsuchungen vorstellen und fürchte, dass die CDU sein Projekt nicht länger unterstützen könnte.

Steffi Haucks Jugendklub ’83 stand zuletzt mehrfach im Fokus der AfD. Die Sozialarbeiterin bleibt trotzdem optimistisch: „Ich sehe, wie bei uns lokal CDU, SPD, Linke und Grüne miteinander arbeiten können“, so Hauck. „Meine Hoffnung ist, dass das auch auf Landesebene möglich ist.“ Sie selbst wolle weiterhin für den Jugendklub kämpfen, und sie rief das Publikum auf, sich an Demos zu beteiligen und auf die Straße zu gehen.

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Die Podiumsdiskussion endet, wie sie begonnen hat: Ein letztes Mal werden die kleinen Gläschen des Zora-Sauren herumgereicht. Das Publikum applaudiert für das zivilgesellschaftliche Engagement der Gäste. Dann geht es in die nächste Runde: Die Spitzenpolitiker aus Sachsen-Anhalt werden angehört. Vielleicht braucht es auch dafür noch einen Schnaps.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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