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Jugendarbeit in Sachsen-Anhalt„Ich sehe in jedem, der zu uns kommt, unsere Zukunft“

Keine Disco mehr, das Kino hat auch zugemacht: Bitterfeld-Wolfen hat für Kinder und Jugendliche wenig zu bieten. Steffi Hauck will das ändern.

Einmal kam jemand in Steffi Haucks Büro, um Blumen zu kaufen. Doch hinter all den Blumen und Pflanzen im Fenster verbirgt sich kein Blumengeschäft: Hauck ist hauptberuflich Projektkoordinatorin und Vorstandsmitglied des Vereins Jugendclub ’83 in Bitterfeld-Wolfen. Die Parteilose sitzt außerdem für die Koalition aus SPD und Grünen im Kreistag Anhalt-Bitterfeld.

Jugendclub ’83 wird in diesem Jahr 21 Jahre alt. Als Gründungsmitglied ist Hauck von Beginn an dabei. Entstanden ist der Verein aus dem Vorhaben, eine Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung in eigener Trägerschaft zu übernehmen. Hauck, die zu dieser Zeit Betriebswirtschaftslehre studierte, engagierte sich damals ehrenamtlich. Später absolvierte sie berufsbegleitend ein Studium der Sozialen Arbeit. Inzwischen ist sie seit elf Jahren hauptamtlich für den Verein tätig.

Zwölf bunte Portraits
richtig gute leute

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte erstmals seit 1945 eine rechtsextreme Partei an die Regierung kommen. Es gibt vor Ort aber auch eine lebendige Zivilgesellschaft, die die Wahlen noch nicht verloren gibt. In der Serie „Richtig gute Leute“ stellen wir sie den Sommer über vor.

„In unserer Arbeit geht es uns darum, Kinder und Jugendliche dort abzuholen, wo sie gerade stehen“, sagt Hauck. Das bedeute einerseits, sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Andererseits sei ein wichtiges Ziel, die Kinder und Jugendlichen in die Entwicklung der Stadt einbeziehen. „Ich sehe in jedem, der zu uns kommt, unsere Zukunft“, sagt Hauck. „Also die Zukunft von Deutschland, die Zukunft der Region, vor allem auch der Stadt Bitterfeld-Wolfen.“

Bitterfeld-Wolfen sei stark von der Abwanderung junger Leute geprägt, sagt Hauck. Sie könne das verstehen. Denn gerade für ältere Jugendliche seien die Freizeitmöglichkeiten sehr zurückgegangen. In ihrer Jugend habe es in der Stadt noch vier Diskotheken gegeben – heute keine einzige mehr. Auch das Kino sei inzwischen geschlossen.

AfD streicht Zivilgesellschaft zusammen

„Wir unterstützen junge Menschen vor allem bei dem, was sie selbst initiieren wollen und können“, sagt Hauck. Mittlerweile gehören 19 Stellen mit verschiedenen Projekten im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zum Träger. Darunter zwei Jugendclubs, ein Schülergremium und eine Netzwerkstelle für Schulen.

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Jugendclub ’83 hatte von 2016 bis Dezember 2025 die Trägerschaft des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ für die Region inne. Nachdem die AfD gemeinsam mit der Fraktion Pro Bitterfeld-Wolfen die Kürzung von Haucks Stelle auf 20 Wochenstunden durchsetzte, gab der Verein die Trägerschaft ab. Übernehmen soll nun der Verein Stadtring 4.0, in den kurz vor der Vergabe der neuen Trägerschaft viele Ortsbürgermeister eingetreten sind.

Damit verliere die Trägerschaft ihren zivilgesellschaftlichen Charakter, kritisiert Hauck – und zwar durchgesetzt von rechts. Nicht von ungefähr: Die örtliche AfD-Fraktion hat eigens einen Leitfaden zum Umgang mit „Demokratie leben!“ erstellt, Überschrift: „Jetzt ist die Gelegenheit, den Sumpf auszutrocknen“. Zahlreiche Vereine hätten dank des Programms ihre Projekte durchführen können, sagt Hauck. „Das wird jetzt von AfD und der Pro-Bitterfeld-Wolfen-Fraktion zunichtegemacht.“

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Hauck ist in Bitterfeld geboren und aufgewachsen. Sie lebt gern hier, mag ihr Büro, geht besonders gern in der Umgebung wandern und Rad fahren. Allerdings habe sich Bitterfeld in den letzten Jahren verändert. „Da ist so viel Unzufriedenheit“, sagt sie. Mit Blick auf die Landtagswahl sei sie aber froh, dass 60 Prozent nicht die AfD wählen wollen. Hauck liebt die Vielfalt der Stadt. „Ich wünsche mir, dass sie mehr angenommen wird“, sagt sie. „Ich wünsche mir einfach mehr Mitmenschlichkeit.“

Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellen wir Engagierte aus der Zivilgesellschaft vor. Alle Texte finden Sie hier.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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