: reinhard e. bösch, österreich, fpö
Der promovierte Oberstleutnant
Als Reinhard Eugen Bösch vom Parlament für den Konvent nominiert wurde, herrschte in den Medien zunächst Ratlosigkeit. Wer ist der Mann? Der 45-jährige Historiker und Bibliothekar gilt immer noch als unbeschriebenes Blatt – obwohl er seit acht Jahren im Parlament sitzt: 1994 bis 1999 in der Länderkammer Bundesrat, seither im Nationalrat. Doch dort meldet er sich praktisch nicht zu Wort. Nur im Verteidigungsausschuss blüht der Oberstleutnant der Reserve auf.
Im Konvent will Bösch „darauf achten, dass in den neuen Verträgen Länder wie Österreich nicht unter die Räder kommen“. Daher soll „in entscheidenden Punkten die Einstimmigkeit beibehalten werden“. So können sich auch kleine Länder erfolgreich querlegen, wenn es zum Beispiel um die Aufnahme neuer Mitglieder geht. Europapolitik heißt für die FPÖ in erster Linie Verteidigung österreichischer Interessen. Bösch: „Man muß auch die Nachteile der EU beim Namen nennen, um glaubwürdig zu bleiben.“ Im Mittelpunkt seiner Konventsarbeit soll die EU-Finanzierung stehen: Österreich als Nettozahler soll entlastet werden.
Bösch bringt mehr Europaerfahrung mit als die meisten anderen Politiker der Anti-Europa-Partei FPÖ. Immerhin war er 1999 Ersatzmitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Der in Geschichte promovierte Dr. phil. hat auch Germanistik und Jura studiert, muss sich also mit Verfassungsrecht beschäftigt haben – einer Materie, mit der der Jurist Jörg Haider auf Kriegsfuß steht. RALF LEONHARD
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