heute in hamburg: „Jede gewählte Partei darf zu Wort kommen“
Podiumsdiskussion: „Wem gehört die Stadt? Denkmalschutz im Spannungsfeld der Politik“, 19 Uhr, Patriotische Gesellschaft, Trostbrücke 4-6, Eintritt frei
Interview Nele Aulbert
taz: Frau Sassenscheidt, gibt es Denkmalschutz in Hamburg immer nur, wenn keine Investoren interessiert sind?
Kristina Sassenscheidt: In einer Kaufmannsstadt wie Hamburg hat es die Kultur generell schwer, sich gegen wirtschaftliche Argumente zu behaupten. Aber die meisten Hamburger identifizieren sich mit ihrer Stadt und wollen ihren Charakter erhalten. Außerdem gibt es auch sehr denkmalfreundliche Investoren, die den Wert alter Bausubstanz schätzen.
Wie wichtig sind die Bürger für die Denkmalschutz-Debatte?
Denkmalschutz ist nur so gut, wie ihn die Gesellschaft mitträgt, und engagierte Bürger sind sehr wichtig in dieser Debatte. Viele Faktoren müssen mitspielen; die Politik, die Medien, die Planer, aber vor allem auch die Denkmaleigentümer selbst.
Wie vereinen Sie umweltfreundliche Wohnungsbauprogramme und Denkmalschutz?
Denkmalschutz ist angewandter Klimaschutz. Man darf in dieser Debatte nicht nur einseitig auf die Betriebsenergie eines Gebäudes schauen, sondern muss auch die Erstellungsenergie, die sogenannte graue Energie, in den Blick nehmen. Wenn man den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden betrachtet, schneidet Sanierung meist besser ab als Abriss und Neubau, weil Ressourcen weiter genutzt werden und CO2 gespart wird.
Zu der Podiumsdiskussion heute kommt auch AfD-Rechtsaußen Alexander Wolf. Gab es im Vorfeld Diskussionen über die Teilnahme der Partei?
Ja, gab es, auch schon vor der letzten Veranstaltung vor zweieinhalb Jahren. Wir haben uns im Kreis der Veranstalter darauf geeinigt, dass jede demokratisch gewählte Partei zu Wort kommen darf. Allerdings muss man auch in Zukunft immer wieder genau überlegen, wie mit bestimmten Parteien umgegangen wird.
Kristina Sassenscheidt,42, ist seit diesem Jahr Geschäftsführerin des Denkmalvereins.
Was erwarten Sie von Wolfs Auftritt?
Ich kenne ihn bisher nicht persönlich und habe daher keine expliziten Erwartungen. Die Politiker werden zu insgesamt sechs Themenkomplexen befragt, wir gehen offen in die Debatte. Im Mittelpunkt stehen die Denkmalthemen, nicht einzelne Parteien.
Entscheiden die Parteien selbst, welcher Politiker die Veranstaltung besucht?
Ja. Es ist jeder Partei freigestellt, wer sie vertritt. Früher wurden immer nur die kulturpolitischen Sprecher eingeladen, aber mittlerweile ist der Denkmalschutz deutlich mehr in den Bereich der Stadtentwicklung gerückt.
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