herzensort: Überall kleine versteckte Zeichen
Noch sind die Hecken nicht blickdicht und die Sichtschutzzäune kahl. Kaum vorstellbar, dass das der gleiche Ort ist, der im letzten Sommer einer üppigen, saftigen Oase glich, verwunschen und grün. Doch kleine Zeichen verstecken sich überall im Garten, man muss nur genau hinsehen. Beim vorsichtigen Entfernen des Laubs finden sich im Staudenbeet zwischen schlafenden Marienkäfern und aneinandergekuschelten Schnecken bereits die zarten, roten Triebe der Pfingstrose. Ein paar Schritte weiter quetschen sich die fleischigen Blätter der Fetthenne vorbei an den verholzten Stängeln vom Vorjahr. Und der Wein tut zwar noch so, als ob er schläft, aber er sammelt schon heimlich seine Kraft.
Die Aufbruchstimmung ist ansteckend. Gleichzeitig ist der Garten der einzige Ort, an dem mich das Gefühl, dass es immer irgendwas zu tun gibt, nicht stresst. Ist ja (fast) alles freiwillig. Wenn sich am Ende des Tages dann noch die Amsel auf den höchsten Ast setzt und anfängt zu singen, zieht sich das Herz kurz zusammen – nur, um sogleich aufzugehen wie die bereits geblähten Knospen an den knorrigen Apfelzweigen. Franziska Seyboldt
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