doppelblind: Lieber ein Mädchen
Männer haben es selten schwerer als Frauen, aber wenn es um Gesundheit geht, sind sie oft die Verlierer. Auch Corona hat das früh offenbart: Männer schienen häufiger und schwerer zu erkranken als Frauen. Niemand wusste warum.
Fest steht inzwischen, dass eine Überzahl männlicher Covid-Patienten in Krankenhäusern landet und auch stirbt. Forscher:innen suchen nach Mechanismen, die das Phänomen erklären – und zwar vom Ungeborenen an. Nun zeigt eine Studie in Science Translational Medicine, wie das Geschlecht die Gesundheit des Fötus beeinflusst – und die Immunreaktion der mit Corona infizierten Mutter. Demnach findet man in der Plazenta bei Frauen, die einen Jungen erwarten, mehr Entzündungsfaktoren als bei Schwangeren, die ein Mädchen bekommen. Das zeigt die Aktivität der zugehörigen Gene. Zwar kann so eine Entzündung auch eine starke Immunantwort bedeuten. Allerdings ist die Plazenta ein Teil des wachsenden Babys, nicht der Mutter. Und nachfolgend fanden die Forscher:innen eben keine besonders starke Immunantwort der Mutter. Im Gegenteil: Der Anteil sogenannter Antikörper, der ersten Verteidigungslinie des Immungedächtnisses, fiel in infizierten Frauen, die einen Sohn erwarteten, im Vergleich gering aus. Sie übertrugen auch kaum Antikörper aufs Kind. Möglicherweise ist eine heftige Reaktion auf das Virus in männlichen Patienten wie Ungeborenen genetisch bedingt und schwächt die Kontrolle durch das Immunsystem.
Man muss einschränkend sagen: Die Studie untersuchte nur 38 infizierte im Vergleich mit 30 gesunden Schwangeren. Die Resultate zeigen aber, dass das Geschlecht des Fötus Einfluss hat. Und dass die Welt für Mädchen schon vor der Geburt besser aussehen kann als für Jungs. (zint)
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