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die ortsbegehungBeim Trinken immer Rot sehen

Coca-Cola, das größte Getränkeunternehmen weltweit, hat auch im thüringischen Weimar einen Standort. Geht es um die Cola, ist Thüringen aber eigentlich doch Vita-Cola-Land

Aus Weimar Leonore Kogler

Wenn man die Weimarer Innenstadt mit dem Deutschen Nationaltheater und dem bekannten Goethe-Schiller-Denkmal davor über die Schwanseestraße in Richtung Westen verlässt, vorbei am Bauhausmuseum und dann dem Freibad und der Stadtverwaltung, ist auch zu sehen, wie die Goethestadt langsam zum Industriegebiet wird.

Man überquert Bahnschienen und danach liegen links und rechts der Straße vor allem eingezäunte Gebäude und Hallen, bis schließlich am Ende der Straße ein großes modernes Gebäude auftaucht. Es ist weiß, die Fensterrahmen sind rot gefasst und oben auf dem Dach thront ein riesiges Schild, auf dem mit den geschwungenen Buchstaben der typische Coca-Cola-Schriftzug zu sehen ist.

Das eingezäunte und mit Stacheldraht abgesicherte Gelände ist der Weimarer Standort der Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH. Oder, einfacher gesagt, hier steht man vor dem deutschen Ableger des US-amerikanischen Getränkeriesen.

Zwei Standorte in Ostdeutschland

Bereits seit 1929 produziert Coca-Cola, in den 1890er Jahren in den USA gegründet, seine Getränke auch in Deutschland, und dabei rühmt sich die Marke damit, regional präsent zu sein im Land. 24 Standorte hat Coca-Cola in Deutschland. Davon liegt der weit überwiegende Anteil allerdings in Westdeutschland. Den 22 Standorten dort stehen ganze zwei in Ostdeutschland gegenüber. Der eine ist in Halle, der andere eben an der Schwanseestraße in Weimar-West.

Um den zu Fuß zu umrunden, braucht man ein Viertelstündchen. Den Großteil des Geländes macht dabei der Außenbereich aus. Tausende knallrote Kisten stapeln sich dort, in Reih und Glied aufgestellt und mit den leeren Coca-Cola-Flaschen darin, die auf ihren Weitertransport warten.

Ein Wettkampf in knalligem Rot

Auf der Zufahrt zum Gelände befindet sich ein grauweißes Häuschen, das man über einige Metallstufen erreicht. Darin sitzt eine Person in schwarzer Arbeitskluft, die von ihrem Posten aus die Lkw-Zufahrt überblickt. Allzu viel ist gerade nicht los, nur ein Lkw mit polnischem Kennzeichen kommt angefahren und parkt vor der Zufahrtsschranke.

Hier in der Schwanseestraße 143, das ist die Hausnummer des Coca-Cola-Geländes, beherrscht natürlich alles das Coca-Cola-Rot. Aber nur einige Meter weiter die Straße runter springt einem noch etwas anderes ins Auge: „Vita ist erfrischend anders“, steht dort auf einem Werbeplakat. Und: „Alles andere ist nur Cola.“

Die „erfrischend andere“ Vita Cola mit ihrem gleichfalls knallig roten Etikett ist eine Thüringer Getränkemarke. Sie wurde in der DDR der 1950er Jahre erfunden und bis zur Wende erfolgreich hergestellt und verkauft.

Durch die Marktveränderung der Wendejahre verschwand die „Cola des Ostens“ aber kurzzeitig aus dem Handel, seit 1994 ist sie jedoch wieder auf dem Markt und attestiert sich selbst einen Siegeszug. So vermeldet die Firma, deren Produkte durchaus auch in den alten Bundesländern erhältlich sind, die „Nummer eins“ bei den Softdrinks in Thüringen zu sein und dass die Vita-Cola-Verkaufszahlen 2025 so hoch wie noch nie gewesen seien.

Ob die „Cola des Ostens“ nun besser schmeckt als das US-amerikanische Pendant, muss jeder Mensch, ob aus Ost- oder Westdeutschland, schon selbst entscheiden. Interessant aber ist es doch, wie Vita und Coca-Cola in Weimar um ihren Platz in der Stadt ringen. Wie zum Beispiel eben das riesige Vita-Plakat gleich neben dem Coca-Standort hängt. Und wo beim Kampf der Cola-Konkurrenten die heimische Marke aus Thüringen vorn liegt.

In der Mensa der Weimarer Bauhaus-Universität gibt es zum Beispiel nur Vita Cola zu kaufen. Weil das Thüringer Studierendenwerk Wert darauf legt, regionale Produkte anzubieten. Deswegen gebe es in seinen Mensen die Cola der Thüringer Getränkemarke, erklärt das Studierendenwerk auf Anfrage.

Nix wie hin

Die Besonderheit

Der Coca-Cola-Standort ist ein wunderbarer Kontrast zur Idylle der Goethe-Stadt. Aus der Weimarer Klassik rein ins Industriegebiet. Auf dem Coca-Cola-Gelände dominiert die knallrote Farbe der US-Marke. Man könnte fast vergessen, dass es in Thüringen auch noch Vita Cola gibt.

Das Zielpublikum

Alle, die genug von der Kleinstadtidylle haben und auch mal was anders sehen wollen als immer nur Schiller und Goethe.

Hindernisse auf dem Weg

Der Bus in die Schwanseestraße fährt maximal zweimal pro Stunde. Am besten nimmt man also das Fahrrad und radelt die 2 Kilometer vom Stadtzentrum zum Coca-Cola-Standort. Aufpassen, wenn man von Coca-Cola-Transportern überholt wird.

Die Cola aus Schmalkalden

Die Vita Cola kommt aus Schmalkalden, einem Städtchen in Thüringen, das etwa 90 Kilometer südwestlich von Weimar liegt. Der Coca-Cola-Standort in der Stadt wiederum ist nur 3,5 Kilometer von der Weimarer Mensa entfernt.

Vor Kurzem erst wurde der Coca-Cola-Standort in Weimar übrigens von der Bauhaus-Universität Weimar mitgenutzt. Das geschichtsträchtige Gebäude der Universität in der Bau­haus­straße 11 wurde zwischen 2022 und 2025 saniert, Studierende und Beschäftige wurden zu Coca-Cola ausgelagert und durften am Stadtrand weiterstudieren.

In dieser Zeit wurde im Coca-Cola-Gebäude eine provisorische Cafeteria der Universität eingerichtet. Dort gab es dann natürlich auch Vita Cola zu kaufen.

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