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Zwei Radprofis mit besten PerspektivenDuell der Zukunft

Die 21-jährigen Radprofis Isaac Del Toro und Giulio Pellizzari dominieren die Rundfahrt Tirreno Adriatico. Vor allem Del Toro weckt große Erwartungen.

Die Erfolgsstatistiken des Mexikaners Isaac Del Toro erinnern an die ganz Großen des Radsports Foto: imago

Der Fußball lässt auch den Radsport nicht los. Isaac Del Toro und Giulio Pellizzari sind nicht nur gute Kumpels. Sie spielen auch gern Fifa auf der Konsole gegeneinander, verriet Pellizzari am Rande des Tirreno. „Ich nehme Real Madrid, er Paris St.-Germain“, sagte der Italiener. Das sind sozusagen die umgekehrten Verhältnisse. Denn der Mexikaner Del Toro ist beim Pogačar-Rennstall UAE Emirates unter Vertrag. Man könnte das Unternehmen als das Real Madrid des Radsports bezeichnen. Pellizzari hingegen, der die Königlichen auswählt, tritt in den Farben des Aufsteigerrennstalls Red Bull – Bora – hansgrohe an.

Wer bei der Zockerei an den Digitalgeräten gewinnt, wollte Pellizzari nicht preisgeben. Auf der Straße sind die Verhältnisse momentan jedenfalls spannend. Die beiden 21-Jährigen, die sich schon zu Teenagerzeiten gerne herausforderten, bestimmen bislang diesen Tirreno Adriatico. Bei der Schotteretappe nach San Gimignano lieferten sie sich einen packenden Kampf. Del Toro eroberte als Tageszweiter die Gesamtführung, Pellizzari wurde Tagesdritter und Gesamtzweiter.

Das ist, so urteilte auch Altmeister Primož Roglič, das herausragende Duell dieser Rundfahrt. „Diese Jungen sind einfach stark“, sagt er anerkennend. Selbst hofft er natürlich, dass Red-Bull-Teamgefährte Pellizzari gewinnt.

Der wäre tatsächlich mal an der Reihe. Denn während die beiden in den Nachwuchsklassen gleichwertig waren, zog Del Toro bei den Erwachsenen davon. Im vergangenen Jahr verblüffte er zunächst als Gesamtzweiter beim Giro d’Italia und legte danach einen Spätsommer und Herbst der Extraklasse hin. Er gewann kleinere Rundfahrten und Eintagesrennen wie er wollte. 16 Erfolge an 33 Renntagen standen zu Buche – eine Ausbeute, die früher ein Eddy Merckx hatte und zuletzt Tadej Pogačar.

Erwartungen „massiv übertroffen“

Lange versuchte man im Lager von UAE die Vergleiche zwischen Chef Pogačar und dem aufstrebenden Adjutanten Del Toro wegzumoderieren. Man wollte Druck vom Mexikaner nehmen. Doch in diesem Jahr funktionierte diese Sprachregelung nicht mehr. „Es ist ein bisschen wie mit Tadej“, gab Teamchef Mauro Gianetti zu, nachdem Del Toro souverän die UAE Tour im Heimatland des Rennstalls gewonnen hatte. Beim Schotterstraßenrennen Strade Bianche legte er nach, sicherte als Dritter den Sieg seines Kapitäns aus Slowenien mustergültig ab.

„Er hat unsere Erwartungen massiv übertroffen“, gab auch UAEs Sportdirektor Matxín Fernández zu. „Und das will etwas heißen, denn im Hinblick auf unsere Fahrer bin ich der optimistischste Mensch“, meinte er im Trainingslager.

Del Toro stammt eigentlich aus einer Surfer-Hochburg, dem Küstenort Ensanada in Baja California. Aber weil sein Vater ein begeisterter Radsportler war und auch sein Bruder Angel in Liebe zum Zweirad entbrannte, entschied sich auch der kleine Isaac dafür. Schnell wurde die mexikanische Radsportszene für ein Talent wie ihn zu klein. Er entschied sich, noch als Teenager nach Europa zu gehen. Seine erste Station war in San Marino beim Entwicklungsrennstall AR Monex. Der wurde speziell für Radtalente aus Mexiko gegründet, um sie an die europäische Rennszene heranzuführen.

In San Marino lernten sich auch Pellizzari und Del Toro kennen, sie wohnten eine Zeitlang sogar im gleichen Haus und freundeten sich schnell an. Aktuell sieht der Italiener den Mexikaner ein ganzes Stück besser. „Im Moment fährt er auf einem anderen Niveau als ich. Aber ich bemühe mich, den Rückstand aufzuholen und auf sein Niveau zu kommen“, versprach er. Einen kleinen Vorteil hat er bei diesem Tirreno. Er stammt aus Camerino, dem Zielort der fürs Gesamtklassement wohl entscheidenden Etappe am Samstag. Man wird sehen, ob das reicht, um den Spieß einmal umzudrehen. Der Tirreno endet am Sonntag mit einer Sprintetappe entlang der Adriaküste in San Benedetto del Tronto.

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1 Kommentar

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  • Beides schon seit dem letzten Jahr zwei sehr interessante und vielversprechende Radsportler. Ebenfalls interessant ist Georg Steinhauser, der momentan bei Paris-Nizza auf einem sehr guten 3 Platz liegt, und auch schon letztes Jahr bei Giro de Italia auf sich aufmerksam machen konnte.