Zukunft der Kultur: Ist das Kunst oder kann das weg?
Mit Kulturförderung dürfte es demnächst finster aussehen. Das hat vor allem mit der CDU und ihrem Hang zum Rechtskonservatismus zu tun.
D as Verhältnis der Politik wie auch des Individuums zu Kunst und Kultur ist ein Indikator für den zivilisatorischen Zustand einer Gesellschaft. Diesbezüglich kann ich mir ruhig auch an die eigene Nase fassen: mit meinem ignoranten „Haha, das könnte ich/ein Dreijähriger/ein Schimpanse auch“ angesichts der berühmten Klebebanane „Comedian“ von Maurizio Cattelan, die beim Auktionshaus Sotheby’s für 6,2 Millionen Dollar hoffentlich nicht wörtlich unter den Hammer kam. „Wer das kommentiert, sollte es vielleicht erst mal einfach nur raffen“, sagt meine Frau dazu. Genau genommen fabriziere ich nämlich das gleiche uninspirierte Boomergeklöter wie die Berliner CDU. Nur, dass es dort viel schlimmere Konsequenzen hat.
Nach dem Motto „Ist das Kunst und kann das weg?“ wird von der neuen Landesregierung gestrichen, was nicht bei drei von der Bühne ist. Der Kulturetat ist der größte Einsparposten nach der Wohnraumförderung. Lummerland ist abgebrannt. Denn egal, wer ihr gerade vorsteht und welches Jahrzehnt wir schreiben, die Berliner CDU wird immer das gleiche Gespenst wie einst unter Diepgen, Lummer, Landowsky bleiben: Kalte Technokraten aus dem Reich der Finsternis vernichten mit der Kultur mal wieder das einzige Pfund, mit dem diese arme Stadt – mit einer kurzen eintausendjährigen Unterbrechung – seit über hundert Jahren wuchern kann.
Selbst öffentliche Bibliotheken sind betroffen – eigentlich könnten sie die Bücher gleich verbrennen. In die Theater kommt am besten irgendwas mit Autos rein. CDU is doing CDU things. Die SPD erweist sich einmal mehr als willfährige Steigbügelhalterin bei dieser Kulturrevolution von rechts.
Hass auf Kultur, das Fahrrad, die Jugend, Kinder, Verkehrssicherheit und öffentlichen Nahverkehr. Verachtung für im Grunde alles, was sinnvoll ist oder auch nur nach dem kleinsten Glücksversprechen klingt. Hass auf Freude, auf Spiel, auf Intelligenz, auf Menschen und auf das Leben. Bald machen sie wieder Jagd auf Brillenträger. Da will natürlich auch der Bund nicht nachstehen. Der designierte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, rechtskonservativer Publizist, soll zwar im Besitz eines veritablen Kulturbeutels sein, doch er gilt darüber hinaus nicht als ausgewiesener Kulturexperte. Zur Abwicklung des Kulturbetriebs dürfte so einer gerade der Richtige sein.
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