piwik no script img

Zu Gast bei Bayern MünchenUnnötige Busreise

Wo bleibt denn nur die Letzte Generation, wenn der VfL Bochum sie doch einmal so dringend braucht? Auswärtsspiele in München braucht der Klub nicht.

E s ist zu vermuten, dass die unter einem gewissen Beliebtheitsmangel leidenden Klimasektierer der Letzten Generation an diesem Wochenende zumindest in Bochum einige Fans gehabt haben dürften. Genauer: Im Umfeld des VfL Bochum. Jedenfalls in dem Teil, der gut in ausgewiesenem Realismus sowie in illusionsfreiem Kopfrechnen ist und daher zum Schluss kam, dass man mit der vielen schönen Zeit, die es brauchen würde, nach München zu fahren und dort mindestens im höheren einstelligen Bereich zu verlieren, sinnvolleres tun könnte. Fußballspielen üben zum Beispiel.

So wäre es eigentlich hilfreich gewesen, wenn sich ein entschlossenes Häuflein Letztgenerationler kurzerhand vor oder zur Not auch an den Bochumer Mannschaftsbus geklebt hätte und man eine hübsche Entschuldigung fürs Nichtantreten gehabt hätte. Ja, hätte man am Telefon den Bayern sagen können, wirklich schade, man hatte sich auch schon so darauf gefreut, von Kane und Co auseinandergenommen zu werden, so ein Jammer, dann halt im Rückspiel.

Pustekuchen. Und da „Oh sorry, wir können leider nicht nach München kommen, wir müssen uns die Haare waschen“ vom DFB immer noch nicht als überzeugender Grund fürs Nichtantreten anerkannt wird, machten sich die Bochumer auf die Reise. Immerhin, das Warten auf das Unglück dauerte nicht lang, nach nur vier Minuten hatte Eric Choupo-Moting schon das 1:0 erzielt.

Nervige Reporterfragen

Womit wir wieder in weiterem Sinne zum Haarewaschen kommen: Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge wurde 2020 ein Spiel zwischen den Fußballerinnen der Universitäten Fuzhou und Jimei haarbedingt abgesagt worden.

Das Erziehungsministerium der Provinz Fujian verbietet Kickern und Kickerinnen an Spieltagen nämlich das Tragen von „merkwürdigen Frisuren“, wozu auch lange Haare bei Männern gehören, sowie, unter anderem, mit gefärbten Haaren aufzulaufen. Der Versuch, die Spielerinnen umzufärben, war jedoch in einem Fall gescheitert, was sehr für die Qualität der verwendeten Koloration spricht, aber das ist ein anderes Thema.

Ja, das tue weh, sagte Bochums Trainer Thomas Letsch nach dem Abpfiff des Spiels, aber es gehöre dazu, „mal richtig einen auf die Fresse zu bekommen“, und, natürlich, anschließend wieder aufzustehen. Was man halt so in München auf nervige Reporterfragen sagt. Andererseits ist der VfL Nullzusiebens bei den Bayern gewohnt. Trotzdem, gemütlich zu Hause zu bleiben, wäre schöner gewesen. Na schönen Dank auch, letzte Generation.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Elke Wittich

Elke Wittich Journalistin

Schreibt nicht nur über Sport, sondern auch über Verschwörungsideologien, skandinavische Politik und Königshäuser. *** Die ersten Artikel für den taz-Sport gestalteten sich allerdings etwas schwierig: Mit den Worten "Wie, die schicken uns heute eine Frau?" wurde ich beispielsweise vor Jahren von einem völlig entsetzten Vorsitzenden eines Westberliner Fünftligavereins begrüßt. Da war er also, der große Tag, an dem über seinen Club in der taz berichtet werden würde, und dann das: Eine Frau! Ich antwortete ja, ich sei die Strafe und sofort war die Stimmung super. *** Und eines Tages werde ich über diesen Tag und andere, sagen wir: interessante Begegnungen mal ein Buch schreiben.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Vergifteter Spaß oder: wage es nicht!



    Und warum nur der Bus in Bochum? Da blockiert man Privatflugzeuge, verteufelt SUV und Mega-Yacht, Motorsport sowieso, ja den Verbrenner-Verkehr per se… dabei sind Zehntausende Wochenende für Wochenende ausschließlich zu ihrem Sport-Vergnügen unterwegs: Fußball, Faustball, überhaupt alles mit Ball, Eishockey, Basketball… Mannschaften, Fans und Familie, Klein und Groß nur für Wettkampf und Gaudi!



    Ich nehme doch an, dass diese Tausende-Tonnen-Kohlenmonoxyd-Toleranz der Kleber echt ist und nicht etwa mit der wütenden Entschlossenheit von Hooligans und Ultras zu erklären ist, richtig?