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Zu Besuch beim Putin-Freund Vučić Die Opferung Kosovos

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Selenskyj besucht erstmals seinen serbischen – und russlandnahen – Amtskollegen in Belgrad. Das zeigt: Die Gemengelage im Ukrainekrieg verändert sich.

A m Samstag tat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj etwas zum allerersten Mal: Er besuchte seinen serbischen Amtskollegen Aleksandar Vučić in Belgrad – einen Putin-Freund. Serbien hat sich den westlichen Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen und behielt trotz des Angriffskriegs auf die Ukraine seine guten Beziehungen zu Moskau bei. Das Westbalkanland ist zudem erklärter Gegner der Nato und stattdessen Beobachter im von Russland geführten Verteidigungsbündnis OVKS.

Doch angesichts der anhaltenden russischen Angriffe bemüht sich Selenskyj um weitere Unterstützung. Vučić versucht wiederum, seine Beziehungen mit der EU zu verbessern, da er innenpolitisch unter Druck steht und sein Verbündeter auf EU-Ebene, der frühere ungarische Premier Viktor Orbán, weg vom Fenster ist.

Das Ergebnis des Treffens: Bis Ende des Jahres soll ein Freihandelsabkommen finalisiert werden, bei der Ernährungs- und Energiesicherheit möchte man zusammenarbeiten, ebenso bei der EU-Integration. Eine militärische Kooperation sei hingegen kein Thema, stellte Vučić klar. Auch für ihn ist das Vorgehen heikel: Serbien ist abhängig vom russischen Gas.

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Ein Verbündeter in der Kosovo-Frage

Ein großes Opfer bedeutet das Treffen hingegen für Kosovo, das stets seine Solidarität mit der überfallenen Ukraine bekundet hatte. Belgrad akzeptiert die Unabhängigkeit der Kosovaren nicht. Zwar hat Serbien dabei fünf EU-Länder auf seiner Seite, die EU-Kommission stellt hingegen klar, dass die Normalisierung der Beziehungen zu Kosovo eine Bedingung für eine serbische EU-Mitgliedschaft ist.

Auch die Ukraine sieht Kosovo als Teil Serbiens und bekräftigte dies bei dem Treffen indirekt. Im Gegenzug erkenne Serbien an, dass die von Russland besetzten Gebiete zur Ukraine gehören. Damit wird die Ukraine für Serbien ein fester und wichtiger Verbündeter in der Kosovo-Frage, was wiederum Belgrad mehr Verhandlungsmacht gegenüber Brüssel im Beitrittsprozess geben könnte – zulasten Pristinas und der kosovarischen Unabhängigkeit.

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Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
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