Internationale Bauausstellung in Berlin: Zeigen, wie die Bauwende geht
Nach 1957 und 1987 richtet Berlin eine dritte Internationale Bauausstellung aus. Im Zentrum steht der Weiterbau der Stadt entlang des S-Bahn-Rings.
Bei der Verkehrswende liegt Berlin inzwischen europaweit ganz hinten. Bei der Bauwende aber will die Hauptstadt aufholen. Von 2034 bis 2037 soll Berlin zum Schauplatz einer Internationalen Bauausstellung (IBA) werden. Das hat der Senat auf seiner Sitzung am Dienstag beschlossen.
„Wir wollen Berlin national und international als Standort für zukunftsfähigen Städtebau positionieren“, erklärte Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD). „Zentrale Arbeitsfelder sind der sensible Weiterbau bestehender Quartiere, der Umbau untergenutzter Räume und Gebäude sowie der Neubau auf bislang anders genutzten Flächen.“
Hört sich abstrakt an, muss es aber nicht werden. Denn die letzte Internationale Bauausstellung hat 1987 im damaligen Westteil der Stadt tatsächlich gehalten, was sie versprochen hat: die Wiederentdeckung der Innenstadt als Wohnort und die Reparatur der Stadt statt Kahlschlagsanierung. Mit der „behutsamen Stadterneuerung“ hat Berlin damals tatsächlich international für Aufsehen gesorgt.
Nun also soll es die „urbane Transformation der gebauten Stadt“ sein. Einer entsprechenden 16-seitigen Vorlage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat der CDU-SPD-Senat zugestimmt. „Die IBA Berlin 2034–37 wird Lösungsansätze für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung im Kontext der beiden übergeordneten Transformationsbedarfe Klimaschutz und Klimaanpassung und Umgang mit städtischem Grund und Boden entwickeln“, heißt es in der Vorlage.
Brandenburg ist nicht dabei
Man kann die 16 Seiten auch lesen als Antwort der Senatsverwaltung auf die stadtpolitischen Forderungen der vergangenen Jahre: Umbau statt Neubau, ressourcensparender Umgang mit Flächen, ökologisches Bauen. Diese Ziele sollen dann am Beispiel einzelner Vorhaben modellhaft umgesetzt werden. So weit der Anspruch.
Interessant ist die räumliche Kulisse, in der die IBA stattfinden soll. Es ist der Berliner S-Bahn-Ring, und zwar dort, wo er auf die großen Verkehrsachsen trifft, die von der Innenstadt in die Außenstadt führen. Die Projekträume sollen dabei auf beiden Seiten des Rings liegen. Gezielt setzt der Senat also dort an, wo zwei bisher verschiedene urbane Lebenswelten aufeinandertreffen – die politisch grün geprägte Innenstadt und der eher konservative Stadtrand.
„Die betrachteten potenziellen IBA-Areale bündeln zentrale Problemlagen, die eine gezielte urbane Transformation erfordern“, heißt es dazu in der vom Senat beschlossenen Vorlage. „Als Übergangszone zwischen innerer und äußerer Stadt markieren sie zugleich jene urbane Schwelle, an der unterschiedliche Lebensrealitäten, Mobilitätsmuster und städtebauliche Situationen aufeinandertreffen.“ Die Rede ist dabei von einer „symbolischen Überwindung dieser Schwelle unterschiedlicher Lebenswelten“.
Viel Zustimmung
Zustimmung kommt von den Berliner Grünen. „Wir sind für die IBA, weil man sich als Stadt dann anstrengt“, sagt der baupolitische Sprecher der Fraktion, Andreas Otto, der taz. „Das, was dabei möglich ist, kann man dann noch mit der Weltöffentlichkeit diskutieren.“
Allerdings kritisiert Otto, dass Brandenburg nicht mehr, wie ursprünglich geplant, an der Bauausstellung beteiligt ist. Die inzwischen beendete SPD-BSW-Koalition hatte die Pläne einer länderübergreifenden Ausstellung begraben. Als Grund wurden die Kosten genannt.
Berlin sieht das etwas anders. Zwar werden für die Gründung einer IBA-Gesellschaft und andere „Organisationskosten“ bis 2037 insgesamt Mittel in Höhe von 54 Millionen Euro bereitgestellt. Dazu kommen noch einmal 24 Millionen Euro an Programmmitteln. Demgegenüber aber, so die Rechnung der Stadtentwicklungsverwaltung, stünden private Investitionen in Höhe von bis zu 1,15 Milliarden Euro in Aussicht. Gaeblers Verwaltung nennt das eine „Stadtrendite“.
Eike Roswag-Klinge, Architektenkammer
Auch die Wirtschaft ist entsprechend angetan. „Wir freuen uns über die Entscheidung, die Internationale Bauausstellung nach Berlin zu holen“, sagte IHK-Präsident Sebastian Stietzel. „Die IBA bietet die Chance, notwendige Impulse für die Lösung zentraler klima- und flächenpolitischer Herausforderungen zu setzen.“
Auch die Berliner Architektenkammer ist voll des Lobes. Sie sieht in der geplanten IBA „eine große Chance, Berlin als Labor für eine klimagerechte und zukunftsfähige Stadtentwicklung zu positionieren“. Voraussetzung sei jedoch eine klare inhaltliche Ausrichtung, mahnt Präsident Eike Roswag-Klinge.
„Großereignisse entfalten nur dann eine positive Wirkung für Berlin, wenn sie mehr sind als kurzfristige Investitions- oder Imageprojekte“, sagt Roswag-Klinge. „Sie müssen messbare Beiträge zur Lösung zentraler Herausforderungen leisten – insbesondere in den Bereichen bezahlbarer Wohnraum, Klimaanpassung, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit.“
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