ZDF-Krimi „Stralsund – Blutlinien“: Ein bisschen viel Schema F

In Stralsund kennt man sich: Deswegen ist die Leiche natürlich eine Freundin der Kommissarin. Die ermittelt im Samstag-Krimi des ZDF im Alleingang.

Mann und Frau im Auto

Hauptverdächtiger Henrik Brandt (Barnaby Metschurat) mit Tina Hart (Janina Agnes Schröder) Foto: ZDF

Ach, die Ostsee. Ach, Stralsund. Von hier ist es über die große Brücke nur ein Katzensprung auf die Insel Rügen. Da kommt der Normalsterbliche gerade nicht hin, weil Mecklenburg-Vorpommern seine Landesgrenzen dicht gemacht hat, ab 25. Mai aber darf man wieder rein. Bleibt vorerst der Krimi mit Ostseeflair: Die „Stralsund“-Reihe läuft im ZDF seit 2009, „Blutlinien“ ist der 16. Film der Reihe.

Es gibt mitten im Fall eine krasse Szene, sie kommt unvermittelt daher, ist kurz, aber entlarvend: Die junge Kassiererin einer Tankstelle muss mit ansehen, wie der Tankstellenwart erschossen wird. Kurze Zeit später befragen sie Kriminalkommissarin Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und Kriminalkommissar Karim Uthman (Karim Günes) zum Tathergang.

Die Tatwaffe gehörte dem getöteten Tankwart? „Die hat er geklaut“, sagt die Zeugin und Petersen hakt nach, warum die junge Frau darüber nicht die Polizei informiert hätte? Die guckt irgendwie mies und sagt in Richtung Karim Uthman: „Dann kommen Leute wie sie.“ – „Welche Leute?“, will es Uthman genau wissen. „Kanaken“, kommt als Antwort. Kurze betretenes Schweigen. Schnitt, nächste Szene. Stralsund liegt in Vorpommern.

Angenehm ruhiger Film

Jetzt könnte man so eine Sequenz als Klischee abtun, muss man aber nicht. Sie ließe sich auch als eine Art Statement der Filmemacher lesen. Ansonsten ist der angenehm ruhige Film ein bisschen viel Schema F., da wurde einiges verschenkt, der Plot ist trotz hübscher Wendungen etwas zu erwartbar. Es geht um den Mord an einer jungen Frau vor 14 Jahren, deren Leiche – wegen Sauerstoffentzug gut erhalten – bei Arbeiten an einem Garagenfußboden wieder auftaucht.

„Stralsund – Blutlinien“, Samstag, 20.15 Uhr, ZDF

Hausbesitzerin Maren Brandt ist geschockt, denn bei der Toten handelt es sich um ihre Freundin Klara, die seit 1996 spurlos verschwunden war. Und Marens Bruder Henrik wurde als Letzter mit Klara gesehen, galt deshalb zunächst als Hauptverdächtiger; später auch der Vater der Geschwister, einst ein Gelegenheitskrimineller, heute ein dementer Senior. Auch Henrik geriet früh auf die schiefe Bahn und wird just am Tag der Leichenauffindung aus dem Knast in Hamburg entlassen …

Und Marens Sohn – wer ist eigentlich der Vater? – macht erwartbar Schwierigkeiten ohne Ende. Und natürlich war Kriminalkommissarin Petersen, Stralsund ist ja ein Dorf, damals mit den Mädels gut befreundet, macht deshalb Fehler und ermittelt im Alleingang … bisschen viel Schema F.

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