Die Wahrheit: Ab in den Urlaub!

Der Sommer kann kommen! Deutschland hat so viele schöne Ferienziele. Und anders als das fast virenfreie Griechenland ist alles fein verseucht.

Kontaktsperren, Abstandsgebote, geschlossene Grenzen – die Vorfreude auf die Sommerferien ist überall im Land mit Händen zu greifen. Und während gegen jeden wissenschaftlichen Rat Krankheitserreger wie Julian Reichelt, Christian Lindner und Armin Laschet dafür kämpfen, dass all die teuren Intensivpflegebetten nicht unnötig lange ungenutzt herumstehen, wird auf der anderen Seite eifrig darum gebuhlt, dass deutsches Geld im Urlaub nicht irgendwelchen zwielichtigen Ausländern in die Hände fällt, weshalb man, wie die Regierung nicht müde wird zu betonen, lieber im durchseuchten Bayern urlauben soll als im fast virusfreien Griechenland.

Zwar könnte es an Nord- und Ostseeküste dann ungesund eng werden, aber: „Deutschland ist groß und hat sehr viele schöne Reiseziele“, wie der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, sagt. Überall im Land gibt es schließlich schlammige Froschtümpel und aufgelassene Baggerseen, reizvoll zwischen Mais-Monokulturen oder in Industriebrachen gelegen.

Es müssen ja nicht immer klassische Sehenswürdigkeiten sein, wie Innenstädte, Berggipfel oder Nordseestrände, auch Windräder, Silos und Jauchegruben geben erstklassige Ziele für neugierige Entdecker ab. Verlassen Sie die ausgetretenen touristischen Pfade und radeln Sie über Feldwege, die in keinem Reiseführer stehen – und das aus dem einzigen Grund, weil es dort nichts zu sehen gibt.

Unternehmen Sie aufregende Safaris! Sicherlich, Kängurus, Elefanten, Lemuren, das sind schon auch ganz interessante Tiere. Aber letztlich weiß doch jedes Kind, wie die aussehen. Deutschland hat dagegen so viele geheime Naturschätze zu bieten: den Wattwurm zum Beispiel! Wann haben Sie zuletzt einen Wattwurm gesehen, ach was: gespürt?

Zu den Kopfjägern nach Papua-Neuguinea oder zu den Tuareg nach Mali, das klingt immer so wahnsinnig aufregend, aber letztlich bekommen Sie nur irgendeine Folkloreshow geboten. Fahren Sie stattdessen doch mal nach Freital in Sachsen oder nach Themar in Thüringen, da können Sie Eingeborene erleben, die noch nicht vom Tourismus verdorben sind!

Gut, mit der Einhaltung der Kontaktsperre könnte es dort vielleicht das eine oder andere Problem geben, vor allem wenn Sie eine etwas dunklere Hautfarbe haben, aber dafür wird Ihnen dort garantiert kein Touristennepp aufgeschwatzt. Und abends gibt es für alle, die noch Zähne im Mund haben, im Außenbereich des Landgasthofs ein ordentliches Jägerschnitzel mit Dosenchampignons. Oder sogar ein Zigeunerschnitzel, das darf da nämlich noch so heißen.

Und da haben wir noch lange nicht über die versteckten landschaftlichen Reize von Castrop-Rauxel, die elektrisierende Lebensfreude Villingen-Schwenningens oder die flirrende Atmosphäre von Neunkirchen beim Heiligen Blut gesprochen! Deutschland ist groß und hat sehr viele schöne Reiseziele. Der Sommer kann kommen!

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Heiko Werning ist Reptilienforscher aus Berufung, Froschbeschützer aus Notwendigkeit, Schriftsteller aus Gründen und Liedermacher aus Leidenschaft. Er studierte Technischen Umweltschutz und Geographie an der TU Berlin. Er tritt sonntags bei der Berliner „Reformbühne Heim & Welt“ und donnerstags bei den Weddinger „Brauseboys“ auf und schreibt regelmäßig für Taz und Titanic. Letzte Buchveröffentlichung: „Vom Wedding verweht“ (Edition Tiamat).

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kari

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