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Woidke-Lob für Friedrich MerzDie Sauerland-Lausitz-Connection

Kommentar von Stefan Alberti

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat einen guten Eindruck vom CDU-Chef und wahrscheinlichen künftigen Bundeskanzler Friedrich Merz.

Dietmar Woidke (SPD) gibt als Ministerpräsident seit 2013 den Takt an. Friedrich Merz, meint er, könnte ein guter Kanzler werden Foto: Hannes P. Albert/dpa

M ein Eindruck von ihm ist gut. Er hat das Zeug, ein guter Kanzler für Deutschland zu werden.“ Für Friedrich Merz müssen sich diese Worte anfühlen wie jene warmen Sonnenstrahlen, die ihm Mittwoch in einer viel zu seltenen Pause bei den Koalitionsverhandlungen ins Gesicht gefallen sein könnten. Denn in den vergangenen Tagen und Wochen hat es für den CDUler derlei Lob wenig gegeben. „In der Union wachsen die Zweifel an Friedrich Merz“, überschrieb etwa der Spiegel einen ellenlangen Artikel über den Mann, der Anfang Mai Bundeskanzler werden könnte.

Die „Guter Kanzler“-Prognose stammt dabei noch nicht einmal von einem Parteifreund – wobei es parteiintern mit der Freundschaft sowieso nicht weit her ist, weil alle um dieselben Posten ringen. Kein CDUler, sondern Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke von der SPD hat sich nun in der Märkischen Allgemeinen so lobend über Merz geäußert, wie es von ihm über seinen brandenburgischen ParteifreBeide sind bodenständigund und Noch-Kanzler Olaf Scholz zumindest nicht erinnerlich ist.

Gibt es da eine besondere Verbindung zwischen Merz und Woidke? Umso mehr, weil der Ministerpräsident auch offenbarte, man habe „noch nicht allzu oft miteinander gesprochen“? Rührt es aus Körpergröße und Statur her? Beide sind fast zwei Meter groß, da reicht aus der Politikprominenz fast nur noch SPD-Chef Lars Klingbeil ran.

Oder ist Woidkes Heimat, die Lausitz mit seinem Wohnort Forst, als eine Art brandenburgisches Sauerland zu betrachten, bloß flacher? Spielt es eine Rolle, dass beide zumindest gelegentliche Kirchgänger sind, der eine bei den Protestanten, der andere bei den Katholiken? Gut möglich, dass alles zusammenfließt und beide mit ihrer Bodenständigkeit nicht in einen großstadtmedialen Bundespolitikbetrieb passen, aus dessen Blick die Provinz im Grunde gleich jenseits von Berlin-Mitte beginnt.

Beide sind bodenständig

Da nicht reinzupassen, muss überhaupt nicht schaden. Woid­ke schafft es immerhin seit Jahren, sich außer im Wahlkampf aus Talkrunden herauszuhalten – und holte doch 2024 bei der Landtagswahl zwischenzeitliche zwölf (!) Prozentpunkte Rückstand zur AfD quasi im Alleingang auf. Was das für Merz heißt? Abwarten, die Hauptstadthektik ignorieren – und im Zweifelsfall Woidke anrufen.

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Redakteur für Berliner Landespolitik
Jahrgang 1967. Seit 2002 mit dreieinhalb Jahren Elternzeitunterbrechung bei der taz Berlin. Schwerpunkte: Abgeordnetenhaus, CDU, Grüne.
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