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Wirbel um GameStop-Aktie Der Konfettiregen täuscht

Kommentar von

Svenja Bergt

Daytrading-Plattformen klingen egalitär und demokratisch. Doch manche App kann Menschen mit wenig Geld schnell ärmer machen.

M it dem Wirbel um die Gamestop-Aktie sind sie in den Fokus gerückt: die Daytrading-Plattformen. In der Pandemie hat ihre Popularität stark zugenommen – vor allem in den USA. Menschen, die plötzlich keinen Job mehr hatten und von den in der Pandemie anfangs stark gesunkenen Kursen gelockt wurden, konnten mit den sich sukzessive erholenden Werten schnelle Erfolge erzielen.

Das Zocken an der Börse wird niedrigschwellig zugänglich, ein Smartphone und ein paar US-Dollar Startkapital reichen. Klingt irgendwie gut, egalitär und demokratisch. Und wer würde nicht wollen, dass von den mit Börsenspekulation erzielten Gewinnen auch mal kleine An­le­ge­r:in­nen einen Anteil bekommen?

Doch so manche Plattform hat eine Kehrseite, und die lässt sich gut anhand einer der derzeit populärsten Apps zeigen: Robinhood. Der Name klingt nach Umverteilung von Reich nach Arm, und diese Assoziation ist selbstverständlich gewollt. Eines der zentralen Elemente der App ist Gamifikation. Das beschreibt die Strategie, eine trockene oder ernsthafte Sache mit spielerischen Elementen zu versehen.

Bei Robinhood ist das etwa so: Als die Firma eine Warteliste zur Kontoeröffnung einführte, konnte auf ihr schneller vorrücken, wer 1.000-mal täglich auf ein Bild in der App tippte. Weiter geht es mit Konfettiregen, sobald ein Handel abgeschlossen ist. Es gibt Belohnungen, wenn Nut­ze­r:in­nen andere zum Mitmachen bewegen.

Das Ziel ist klar. Möglichst viele Kun­d:in­nen sollen die App so häufig wie möglich nutzen und dabei so viel wie möglich handeln. Untersuchungen kommen dagegen zu dem Schluss, dass Pri­vat­an­le­ge­r:in­nen bessere Renditen erzielen, wenn sie weniger handeln. Gleichzeitig gibt es Kritik daran, dass risikoreiche Geschäfte wie etwa Bitcoins prominenter in der App gezeigt werden als konservativere Anlagen.

In der Praxis wird das zum Problem: Wenn die spielerischen Elemente Menschen, die wenig Geld haben, dazu verleiten, dieses wenige in risikoreiche Fonds oder Aktien zu investieren, kann das Geld komplett verloren sein. Schneller, als der nächste Konfettiregen kommt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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1 Kommentar

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  • DiMa

    GameStop ist ein eher schlechtes Beispiel als Aufmacher für so einen Artikel. Eine bestimmte Anzahl von Anlegern hatte einfach ein anderes Motiv, in diesem Wert anzulegen. Wer dabei mitgemacht und am Ende möglicherweise verloren hat, ist selber schuld.

    Ob man sein Geld am Ende bim Onlinepoker, in Lootboxen oder beim Risikozocken verliert ist fast schon egal. Die Anreizmechanismen sind überall ähnlich.