Weibliche Oppositionelle in Belarus: Unglaubliche Frauen
Eine 96-Jährige schreit Lukaschenko an. Janka Belarus erzählt von stürmischen Zeiten in Minsk. Folge 1.
Foto: Valery Sharifulin/ITAR-TASS/imago
A m Mittwochabend gingen die Frauen auf die Straße, zur Unterstützung der verhafteten Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa, die für zwei bis fünf Jahre wegen versuchter Machtergreifung ins Gefängnis soll.
Und wahrscheinlich zum ersten Mal in diesem Monat wurden die Proteste von der Polizei aufgehalten.
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Haben sie Angst, diese Frauen? Ja, haben sie. Gehen sie wieder auf die Straße? Ja, das werden sie. Sie erzählen mir, dass es jetzt in vielen Familien Probleme gibt, Probleme psychologischer Art. Männer wollen ihre Frauen nicht zu Demonstrationen lassen, einige drohen sogar mit Scheidung. Aber die Frauen sind inspiriert und begeistert von der Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja und fordern von den Machthabern eine Zukunft für ihre Kinder.
Und das sagen die Frauen: „Meine Großmutter, die 96 Jahre alt ist, ist die größte Oppositionelle in unserer Familie. Sie hatte neulich einen Oberschenkelhalsbruch und liegt jetzt zu Hause im Bett. Sie schaut Fernsehen, das ganze Programm voll Propaganda, sie schimpft mit dem Gerät und schreit: ‚Lukaschenko, hau ab!‘, sagt Anja mit einem Lächeln. Und Nadja erzählt: „Ich arbeite in einem Kosmetiksalon. Neulich hatten wir eine Kundin, die sofort damit anfing, was für ein Guter Lukaschenko sei. Na ja, unsere Kolleginnen haben die Maniküre bei ihr abgelehnt.“
ist 45 Jahre alt und lebt und arbeitet in Minsk. Das Lebensmotto: Ich mag es zu beobachten, zuzuhören, zu fühlen, zu berühren und zu riechen. Über Themen schreiben, die provozieren. Wegen der aktuellen Situation erscheinen Belarus' Beiträge unter Pseudonym.
„Ich habe versucht, ein Interview mit Lukaschenko anzusehen, das er kürzlich gegeben hat, und konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Mir kam es vor, als sei ich bei einem Stand-up-Comedy-Programm gelandet. So viel Absurdität kann man einfach nicht ernst nehmen“, ergänzt Ariana.
Aber am bemerkenswertesten ist die Geschichte von Tatjana: „Bei der Arbeit hat mein Chef zu mir gesagt: Ich kenne deine Einstellung. Wenn sie dich auf einer Demo schnappen und für zehn Tage ins Gefängnis werfen, dann schreiben wir, dass du unbezahlten Urlaub machst. Und helfen dir, die Strafe zu bezahlen.“ Diese Frauen sind unglaublich. Ich denke, niemand kann sie besiegen.
Aus dem Russischen Gaby Coldewey
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