Warnung vor Extremwetter: Sturmtief „Elli“ legt erste Schulen und CDU-Klausur lahm
Heftiger Schneefall bringt schon jetzt das Leben in Teilen Deutschlands durcheinander. Die Situation dürfte sich am Freitag noch verschärfen.
dpa | Schulausfall, verspätete Züge, Busse und Flugzeuge, mehr Unfälle: In Teilen Deutschland schneit es heftig – und es dürfte ab der Nacht zum Freitag noch schlimmer werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet dann „von Südwesten aufkommende, teils kräftige Schneefälle“, die sich bis zur Elbe ausbreiten. Teils gebe es auch Schneeverwehungen. In der Mitte und im Süden Deutschlands werde gefrierender Regen erwartet.
Bei stürmischem Ostwind sind Schneeverwehungen möglich, was zu größeren Behinderungen auf den Verkehrswegen führen kann, warnte der Wetterdienst. Im Süden und Westen Deutschlands soll der Schnee – bei ebenfalls stürmischem, aber aus südwestlichen Richtungen wehendem Wind – bis Freitag früh rasch in Regen übergehen. Örtlich besteht dort dann Glatteisgefahr.
„Das wird schon eine extreme Lage“, sagte ein Meteorologe des DWD in Potsdam zum Winterwetter am Freitag. In einem Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die 10 oder regional bis zu 20 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Für die Region von Ostfriesland bis Hamburg sowie große Teile Schleswig-Holsteins hat der DWD aktuell eine Unwetterwarnung (Stufe drei von vier) ausgesprochen.
Viele Schulen bleiben zu
Wegen des erwarteten Sturmtiefs „Elli“ bleiben am Freitag in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Niedersachsen die Schulen geschlossen. Berlin hebt die Präsenzpflicht auf, Eltern in der Hauptstadt können also selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es Notbetreuung und teilweise Distanzunterricht. Grund ist meist, dass die Schulbusse nicht fahren und eine sichere Anreise nicht gewährleistet werden kann.
Schon am Donnerstag sind Schulen in der Region und auch auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr geschlossen geblieben. Auch andernorts stehen Schulschließungen in Raum, in Sachsen etwa sollen die Schulen selbst darüber entscheiden.
Auch Autofahren wird zum Risiko
Autofahren kann bei diesen Wetterverhältnissen hochgefährlich sein. Der DWD warnt vor vielerorts spiegelglatten Straßen. Mehrere Polizeistationen meldeten bereits eine größere Zahl an Unfällen und Verkehrsbehinderungen. Wegen des Winterwetters und vielerorts starkem Schneefall sind Streusalz und andere Taumittel in zahlreichen Baumärkten vorübergehend ausverkauft. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei großen Baumarktketten.
CDU-Klausurtreffen betroffen
Inzwischen hat die Wetterlage sogar Auswirkungen auf die deutsche Politik: „Aufgrund der eindringlichen Wetterwarnungen und der damit verbundenen Gefahrenlage sowie den angekündigten Zug- und Flugausfällen sehen wir uns leider gezwungen, unsere Jahresauftaktklausur am kommenden Freitag und Samstag abzusagen“, teilte Isabelle Fischer, Sprecherin der CDU Deutschlands, mit.
Behinderungen bei Bus und Bahn und Flughäfen
Von diesem Donnerstag an werde es auch zu Verspätungen und Zugausfällen im Fernverkehr kommen, schrieb die Deutsche Bahn. „Bitte prüfen Sie, ob Sie Ihre Reise verschieben können“, hieß es. Auch Reisen auf dem Wasser sind betroffen: Einige Fähren von und zu den Ostfriesischen Inseln werden am Freitag voraussichtlich nicht fahren.
In Saarbrücken und andernorts wurde der Busverkehr zwischenzeitlich eingeschränkt. Am Frankfurter Flughafen kam es zu Verspätungen, weil Flugzeuge enteist werden mussten.
Erhöhte Sturzgefahr
Fußgänger sollten ebenfalls vorsichtig sein. In Potsdam sagte der Leitende Oberarzt der dortigen Zentralen Notaufnahme im Klinikum Ernst von Bergmann, Bernhard Fleischer: „Die derzeitigen Witterungsbedingungen stellen eine besondere Herausforderung dar und bergen ein erhöhtes Risiko für Stürze und Unfälle.“ Die Notaufnahme sei vorbereitet. Bereits in den vergangenen Tagen führte Glatteis zu einer erhöhten Zahl von Verletzten.
Auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern, etwa Polen und den Niederlanden, herrschen ähnliche Wetterverhältnisse.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert