piwik no script img

Waldzustandsbericht 2025Nicht mehr viel Luft nach unten

Dem Berliner Wald geht es so schlecht wie lange nicht – vielleicht sogar wie nie. Die Zahl der wirklich gesunden Bäume tendiert bedrohlich gegen Null.

Aus Berlin

Claudius Prößer

Der Berliner Wald wartet seit einigen Jahren mit einer exotischen Spezies auf: gesunde Bäume. Auch wenn es für Laien nicht unbedingt zu erkennen ist, gibt es aus Sicht von ExpertInnen kaum noch Exemplare, die nicht irgendein Schadbild aufweisen. Und laut dem aktuellen Waldzustandsbericht, den die Senatsumweltverwaltung am Dienstag vorgelegt hat, sind es jetzt noch weniger: 3 Prozent des gesamten Bestandes – ein absoluter Negativrekord.

Nach dem verheerend trockenen und heißen Jahr 2018 war der Anteil von Bäumen mit einer von vier Schadstufen sprunghaft angestiegen. Der Anteil der gesunden Bäume (Schadstufe 0) hatte sich von einem Jahr zum anderen von 27 auf 8 Prozent verringert, und seitdem ist er weiter gefallen. Schon mit den 4 Prozent im Waldzustandsbericht 2024 sah es so schlecht aus wie nie zuvor.

Die Berliner Forsten, die das Waldmanagement im Land betreiben, machen als Ursache für das weitere Abrutschen das trockene Frühjahr verantwortlich – aber eben auch die anhaltende Trockenheit des Bodens seit 2018. Das führe zu einer reduzierten Stoffwechselaktivität der Bäume, was deren Regenerationsfähigkeit einschränke. Zwar hat es seitdem auch wieder Jahre mit „normalem“ Niederschlag gegeben, für eine richtige Trendwende hat das aber nicht gereicht.

Laut den Berliner Forsten ist aktuell besonders die Kiefer die Leidtragende: 40 Prozent ihrer Bestände weisen jetzt deutliche Schäden (Schadstufe 2–4) auf, im vergangenen Jahr waren es nur 13 Prozent gewesen. Daran sei in erster Linie die extreme Frühjahrstrockenheit schuld – die ausgiebigen Niederschläge im Juli seien für das Nadelwachstum zu spät gekommen.

Stabil miserabel

Dem zweithäufigsten Berliner Waldbaum, der Eiche, geht es dagegen zwar ein bisschen besser als im Vorjahr, sie befindet sich trotzdem quasi stabil auf schlechtem Niveau. Hier waren es vor allem Spätfröste Anfang April, die sich negativ auf den Blattaustrieb auswirkten. Und während sich die Schadbilder insgesamt leicht abgemildert haben, liegt der Anteil komplett schadfreier Eichen mit 2 Prozent sogar noch unter dem der Buchen.

„Der diesjährige Waldzustandsbericht macht deutlich, dass die Berliner Wälder weiterhin unter dem Druck der veränderten klimatischen Bedingungen stehen“, sagte Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) zu dem Bericht. Die Forsten arbeiteten aber „seit Jahren mit großer Sorgfalt daran, die Wälder zu stabilisieren und Schritt für Schritt widerstandsfähiger zu machen“. Im kommenden Frühjahr würden angepasste und weiterentwickelte Waldentwicklungsgrundsätze vorgestellt.

Weil Bäume sehr langsam wachsen, während sich gleichzeitig die Klimaveränderung beschleunigt, müssen die FörsterInnen freilich ständig dazulernen. Auch wenn das Motto seit Jahren „Umbau vom Nadel- zum Mischwald“ lautet, nahm Sturm „Ziros“, der im Juni verheerende Schäden im Tegeler und Spandauer Forst anrichtete, offenbar wenig Rücksicht auf solche Prämissen und warf stattliche alte Buchen genauso um wie dürre Kiefern.

Imke Wardenburg vom Naturschutzbund Nabu Berlin, kritisiert derweil, dass nicht nur das Klima und Wetter dem Berliner Wald zu schaffen machten: „Der Wald wird immer weiter zerschnitten und in Anspruch genommen“, sagt sie. So sehe der Nabu die im Rahmen des Windenergieflächenbedarfsgesetzes vorgeschlagenen Windeignungsgebiete „besonders kritisch“, denn mehr als die Hälfte der potenziellen Flächen liege in Berliner Waldgebieten.

Auch Planungen wie den Wohnungsbau auf der Fläche des Neuköllner Emmauswalds oder das projektierte neues Stadtquartier „Am Sandhaus“ in Buch seien problematisch, weil sie Lebensräume und Frischluftschneisen zerstörten. „Wenn wir den Wald erhalten wollen, müssen wir endlich aufhören, ihn weiter zu belasten“, so Wardenburg.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare