Vonovia will Deutsche Wohnen kaufen: Ehe der Immobilienriesen

Die beiden großen Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen stehen vor einem Zusammenschluss. Das dürfte die Kritik an den Unternehmen steigern.

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Auch eine Form der Enteignung: die Übernahme Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

BERLIN/BOCHUM dpa/rtr/taz | Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia greift erneut nach dem Branchenzweiten Deutsche Wohnen. Vonovia gab in einer Mitteilung vom Montagabend die Absicht bekannt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot im Gesamtwert von rund 18 Milliarden Euro oder 53,03 Euro je Deutsche-Wohnen-Aktie abzugeben. Das entspreche einer Prämie von knapp 18 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag und von 25 Prozent auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs. Anders als bei den bisherigen Versuchen konnte sich Vonovia die Unterstützung der Deutsche-Wohnen-Spitze sichern.

Beide Konzerne unterzeichneten eine Grundsatzvereinbarung über den Zusammenschluss. Zur Finanzierung der Übernahme will Vonovia neue Aktien für bis zu acht Milliarden Euro ausgeben. Vonovia selbst kommt an der Börse derzeit auf einen Marktwert von knapp 30 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluss sollen die jährlichen Kosten um 105 Millionen Euro gedrückt werden. Das Sparziel soll bis Ende 2024 erreicht werden.

Die Offerte stehe unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 50 Prozent aller ausstehenden Deutsche-Wohnen-Aktien, der Erteilung der fusionskontrollrechtlichen Freigabe „sowie weiterer üblicher Bedingungen“. Beide Unternehmen erwarteten, dass die fusionskontrollrechtliche Freigabe vor Ende der Annahmefrist des geplanten Übernahmeangebots erfolge, hieß es. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen begrüßten das Übernahmeangebot und beabsichtigten, dieses vorbehaltlich der Prüfung der finalen Angebotsunterlage zu unterstützen und den Aktionären die Annahme zu empfehlen.

Durch den Zusammenschluss entsteht den Angaben zufolge Europas größter Wohnimmobilienkonzern mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von voraussichtlich rund 45 Milliarden Euro. Dabei ist Vonovia trotz eines Kursrutsches von 13 Prozent seit Jahresbeginn fast doppelt so viel wert wie Deutsche Wohnen, die um 3 Prozent zulegen konnten. Die beiden größten deutschen Vermieter bringen es zusammen auf mehr als 500.000 Wohnungen. Der gemeinsame Immobilienportfoliowert wurde auf knapp 90 Milliarden Euro beziffert.

Das künftige Unternehmen soll dann den Namen Vonovia SE führen, wie mitgeteilt wurde. Der Sitz soll in Bochum bleiben, das Unternehmen aber aus Bochum und Berlin geführt werden. Außerdem haben die Parteien vereinbart, dass sie im Zusammenhang mit der Transaktion keine betriebsbedingten Kündigungen zu früher als 1. Januar 2024 aussprechen werden.

Der erste Übernahmeversuch war 2016 unter anderem am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Führungsspitze und einem zu geringen Interesse der Aktionäre gescheitert. Der Übernahmekandidat hatte die Offerte als feindlich bezeichnet und als nicht im besten Interesse seiner Investoren. Zu Beginn des vergangenen Jahres hatte Vonovia Kreisen zufolge erneut einen Kauf erwogen. Am Ende der Erwägungen habe der Konzern aber entschieden, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen.

Vonovia und die Deutsche Wohnen stehen schon lange in der Kritik; durch die geplante Fusion dürfte diese noch wachsen. Der Linken-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parteivorsitzende Bernd Riexinger erklärte auf Twitter: „Mit der Übernahme der Deutsche Wohnen wird Vonovia zum Immobiliengiganten. Dessen Geschäftsmodell macht das kein Stück besser. Aufkauf von Häusern und Mietenerhöhung ist unproduktiver Raubtierkapitalismus.“ In Berlin läuft derzeit ein Volksbegehren zur Enteignung der Konzerne; dieses dürfte durch die geplante Fusion weiteren Auftrieb erhalten.

Offenbar um die politische Stimmung zu verbessern, suchen die Immobilienriesen für ihren geplanten Zusammenschluss den Schulterschluss mit dem Berliner Senat. Er hoffe, gemeinsam mit dem Senat den „Unzustand“ nicht ausreichenden Wohnraums in der Hauptstadt beenden zu können, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch am Dienstag. Es müsse einen „Neuanfang“ geben. Die beiden Konzerne wollen Insidern zufolge dem Senat rund 20.000 Wohnungen in der Hauptstadt zum Kauf anbieten. Buch wolle sich nicht zu möglichen Zahlen äußern.

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