Vom Wintersport bis zu #TeamCamilla: Das fucking Hufeisen als Wippe

Wer zu Corona-Weihnachten alles verbieten will, sollte an die alte Regel denken: Immer Kreisverkehr, wo nicht unbedingt eine Ampel hinmuss.

Ältere Frau mit weißen Haaren lächelt in die Kamera

Camilla, Herzogin von Cornwall, ist seit „The Crown“ nicht gerade ein Fan-Favourite Foto: Chris Jackson/reuters

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Grüne nachgerade exhibitionistischer Parteitag, AfD fast geheim.

Und was wird besser in dieser?

Grüne rauf auf 21, AfD runter auf 7.

Angela Merkel wünscht sich die Schließung aller europäischen Skigebiete, doch Österreich ist dagegen. Haben die aus Ischgl nichts gelernt?

70 % des Schnees ist künstlich, im Fernsehen kommen ständig absurde Hopphopphopp-Sportarten, und das mit Michael Schumacher wäre nie passiert: Merkels Forderung ist völlig berechtigt, seit Jahrzehnten. Wintersport ist, auf dem Rad kalte Füße zu bekommen und abzukotzen, wenn der Räumdienst den frostigen Matsch auf die Radwege schleudert. Warum ist das nicht olympisch? Nun auch noch Corona: Österreich bangt um 200.000 Jobs und Umsatz in der Höhe seines Einzelhandels. Gut möglich, dass man sich auf die italienische Pause bis 10. Januar einigt und die EU ordentlich Trinkgeld gibt. Hören wir das Nicht-EU-Land Schweiz ingrimmig jodeln.

Apropos Österreich: Fucking will nicht mehr Fucking heißen. Die Ortschaft in Oberösterreich hat die Witze satt und benennt sich um: in „Fugging“. Geschiggt oder ungeschiggt?

Wir in Geilenkirchen sehen das kritisch. Der Ort hatte Tourismus, eine Biermarke „Fucking Hell“ und ragte im „Atlas der schrägen Ortsnamen“ heraus. Dort warten weitere knapp 1.000 Schlüpfrigkeiten auf Korrektur. Die Süddeutsche hat bereits mit Poppendorf, Petting und Oberfucking telefoniert, ohne Fucking wird das alles aussterben.

Witze satt haben auch Prinz Charles und Camilla, Herzogin von Cornwall. Witze, die Fans der Serie „The Crown“ über die beiden machen. Sind Sie persönlich #TeamCamilla oder #TeamDiana?

Ich bewahre meinen Status, herablassend über eine verfilmte Friseurzeitschrift zu lächeln. Das werde ich durch Angucken nicht gefährden.

Diego Maradona ist verstorben. Was ist Ihre schönste Erinnerung an die argentinische Fußballlegende?

Die näherungsweise Staatstrauer in Irland, weil er den Briten die Hand Gottes gezeigt hatte.

Schwule Soldaten der Bundeswehr und der ehemaligen Volksarmee der DDR sollen rehabilitiert und entschädigt werden. Ministerin Kramp-Karrenbauer entschuldigte sich diese Woche bei den Betroffenen. Wird die Truppe jetzt ein queeres Wonderland?

Alles gut und richtig. Arbeitet in meinem Herzen trotzdem gegen die naive Hoffnung, schwule Männer müssten einen Job als Männermörder noch deutlich absurder finden als Heten. Ungefähr so absurd wie Mütter.

Die Zahl der Coronafälle in Deutschland hat die Marke von einer Million überschritten. Weihnachten darf man trotzdem mit zehn Personen aus verschiedenen Haushalten feiern. Leuchtet Ihnen das ein?

Eine Regierung, die Regeln machte – sehenden Auges, dass sich kaum jemand würde dran halten können: Leuchtete mir weit weniger ein. Immer Kreisverkehr, wo nicht unbedingt eine Ampel hinmuss.

Einer Studie zufolge gab es 2019 weltweit so viele rechtsextreme Terrorangriffe wie seit 50 Jahren nicht, während die Terrorgefahr insgesamt sinkt. 89 Personen seien vergangenes Jahr durch rechten Terror gestorben. Wird es Zeit, das Hufeisen einzupacken?

Das Pferd humpelt. Rechts ist der Huf scharfkantig und abgelaufen, links wabert er von Wagenknecht bis Ramelow. Zudem überlagert „liberal“ oder „autoritär“ die klassischen Lager inzwischen. Das gibt eine ziemlich dreidimensionale Tortengrafik. Obendrauf die rechts- und linksidentitären Ansätze. Also: Ja, das Hufeisen kann erst mal weg. Man kann die Eskalation rechts auch als sehr vorhersehbare Folge der entsolidarisierten neoliberalen Gesellschaft sehen. Das wäre dann eher ne Wippe.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier spricht vom Einkaufen als „patriotischer Aufgabe“. Haben Sie Ihre Bürgerpflicht zum Black Friday schon erfüllt?

Zwischen „Patriotismus“ und noch ein paar kulturimperialistischen Feiertagsmigranten wie dem US-„Black Friday“ muss man sich auf die Dauer aber ­entscheiden. Ansonsten gibt es einen simplen Trick, den Konsum anzuheizen: Gebt das Geld Leuten, die jetzt zu wenig zum Shoppen haben. Reiche kaufen immer. Durch die Blume plädiert Altmeier hier für eine deutliche Erhöhung der Mindestlöhne, er ist nur ein bisschen schüchtern.

Und was machen die Borussen?

Ich lebe in Dortmund und arbeite in Köln. Montag mach ich blau.

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Jahrgang: gut. Deutscher Journalist, Autor und Fernsehproduzent. Seit 2003 schreibt Friedrich Küppersbusch die wöchentliche Interview-Kolumne der taz „Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?".

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