Spendengala für das BKA-Theater: Volles Haus, leere Kasse
Das private BKA-Theater bekommt keine Subventionen. Doch die Kosten steigen – eine Spendengala am 25. Oktober soll die Kassen wieder füllen.
Wer ins BKA-Theater am Mehringdamm will, hat zwei Optionen. Entweder auf den recht langsamen und kleinen Fahrstuhl warten. Oder die Treppen nehmen bis in den 5. Stock. Das zieht sich wegen der hohen Decken und geht in die Beine … geschafft. An diesem Donnerstagnachmittag ist der Zuschauerraum leer. Ein seltsames Bild. Ist das unterm Dach liegende BKA-Theater doch in der Regel ausverkauft.
Auf der Bühne steht einsam eine Requisite, ein Imbisswagen aus Holz. Es handelt sich um „Ediths Grill-Treff“ – Ades Zabel (Alter Ego: Edith Schröder) und seine Company standen hier wochenlang auf der Bühne. Der Imbisswagen wurde extra für die Show von einem „befreundeten Tischler“ gebaut, hat aber immer noch rund 10.000 Euro gekostet, die ganze Produktion zwischen 30. und 40.000 Euro. „Eine aufwändige, gut gemachte Produktion“, sagt Geschäftsführer Sven Ihlenfeld der taz, „die viele Leute erreicht hat.“
Wer die „Drei Drachen vom Grill“ verpasst hat, muss nun bis nächsten Sommer warten. Das sogenannte Neuköllnical – eine Wortschöpfung aus Neukölln und Musical – ging am Wochenende zum letzten Mal über die Bühne. Es gab 35 Vorstellungen, es wurde immer en bloc gespielt, das Bühnenbild ist zu aufwändig, um es täglich auf- und abzubauen.
Ades Zabel und seine Company haben mit ihrer Persiflage auf die ähnlich klingende SFB-Serie „Drei Damen vom Grill“ (1977–91) rund 8.000 Leute erreicht, ein Mitarbeiter hat eben mal schnell in die Statistik geschaut. „Ein Überraschungserfolg“, sagt Ihlenfeld.
Stark gestiegene Kosten
Doch das ist tiefgestapelt, weil der Erfolg vorprogrammiert war, wie bei jeder anderen Show der queeren Ades-Zabel-Truppe. Revuen wie „Wenn Ediths Glocken läuten“ sind neben aller professionellen Machart, die unprofessionell wirken soll, vor allem einem eins: superlustig. Der Trash ist Kult. „Wenn Ediths Glocken läuten“ läuft ab Ende November übrigens in der 23. Auflage und beschert dem BKA-Theater sicher erneut ein volles Haus. Mit Ades Zabel lässt sich dort auch ins neue Jahr rutschen: „Hallo 2027 – mit Edith ins neue Jahr!“, heißt die Show.
Sven Ihlenfeld, Geschäftsfüher des BKA-Theaters
Bisschen viel Werbung? Nun, die hat das BKA-Theater gar nicht nötig. Einerseits. Anderseits laufen dem kleinen privaten Theater die Kosten davon. Alles wird immer teurer. Und ein Ende der Preissteigerungen ist nicht in Sicht. Immerhin, so Ihlenfeld, ist die Miete derzeit weiter stabil. „Die stark gestiegenen Kosten in allen anderen Bereichen stellen uns vor große finanzielle Herausforderungen“, sagt Ihlenfeld. Deshalb findet eine große Spendengala am 25. Oktober ab 19 Uhr statt.
Das Problem: Das BKA-Theater bekommt „keinerlei Subventionen“ vom Land Berlin oder dem Bund, erklärt Ihlenfeld bei einem türkisch aufgebrühten Kaffee. Er sitzt in einem großen Raum hinter der Bühne mit vielen bunten Kostümen, Theaterutensilien und Getränkekisten. „Wir wollten nicht einfach die Ticketpreise erhöhen“, so der Geschäftsführer, und so ist das Team auf die Idee mit der Spendengala gekommen, wie schon einmal, um Geld zu einzusammeln, damit „wir weiterhin ein unangepasstes Programm bieten können – ohne die Ticketpreise durch die Decke gehen zu lassen“. Davon wären die rund 50.000 Menschen, die pro Jahr ins BKA-Theater gehen betroffen.
Zu dem „unangepassten Programm“ gehören schwerpunktmäßig queere Produktionen. Außerdem baut das kleine private Theater gezielt junge Talente auf. Und bietet zwei Projekten eine Heimat: Dem englischsprachigen „Platypus Theater“ für Kinder, das mit seinen bis 100 Vorstellungen, die tagsüber laufen, im Jahr bis zu 20.000 Kinder erreicht. Und die wöchentliche Konzertreihe für Neue Musik „Unerhörte Musik“, die dienstagabends stattfindet.
Es droht keine Pleite
Das BKA-Theater beschäftigt 30 Mitarbeiter:innen – „Ich würde ihnen gerne mehr zahlen“, räumt Ihlenfeld ein. Denn das Team leistet viel: So gut wie jeden Tag gibt es eine Vorstellung. Theaterferien – so wie bei den subventionierten Theatern – sind nicht drin. Rücklagen schon gar nicht. Und wo es geht, wird an einer Optimierung gearbeitet.
Ein Beispiel ist die Neuerung, Getränke und Speisen direkt am Tisch via QR-Code nicht nur zu bestellen, sondern auch gleich zu bezahlen. Crowdfunding, wie gerade für die Produktion der „Drei Drachen von Grill“ erprobt, wird in Zukunft eine größere Rolle spielen, sagt Ihlenfeld. Und fügt hinzu, weil es bereits entsprechende hämische Kommentare gab: „Von einer Pleite sind wir nicht bedroht, nur weil wir eine Spendengala veranstalten.“
Aber wer weiß, wie es um das BKA-Theater stehen würde, gäbe es die Lotto-Stiftung nicht. Projektbezogen half diese immer mal mit Geld aus. Zum Beispiel für die Lichtumstellung auf LED. Für ein Theater unter dem Dach, das mit vielen Scheinwerfern arbeitet, eine erhebliche Verbesserung. „Wir sind dank Lotto-Stiftung ein technisch gut ausgestattetes Theater“, sagt Ihlenfeld. Die Klimaanlage hat sich diesen Sommer sehr bewährt.
Für die Spendengala am 25. Oktober stehen 15 Künstler:innen auf der Bühne, sie alle fühlen sich dem BKA-Theater verbunden und treten ohne Gage auf. Zum Beispiel macht Horst Evers mit, Benedikt Eichhorn & Thomas Pigor ebenso, natürlich auch Sigrid Grajek und Ades Zabel & Co. und viele andere. Noch gibt es Karten, die zwischen 40 und 80 Euro kosten.
Natürlich wäre es schön, wenn es einer solchen Spendengala gar nicht bedürfte, sagt Sven Ihlenfeld zum Abschied. „Deshalb kämpfen wir für eine institutionelle Förderung, die muss auch gar nicht hoch sein, vielleicht 10 Prozent unserer Jahresausgaben.“ Ein Wunsch, dem sich die für die Berliner Kultur so wichtigen wie innovativen, gut besuchten und privat geführten Häuser wie die Bar jeder Vernunft in Wilmersdorf oder das Prime Theater im Wedding sicher anschließen würden.
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