piwik no script img

Vogelsterben in den NiederlandenForscher rätseln über Massentod

Tausende tote Lummen sind an niederländischen Küsten angespült worden. Wissenschaftler haben keine Erklärung für das Sterben der Seevögel.

Sinan Reçber

Aus Berlin

Sinan Reçber

20.000 Meeresvögel sind Schätzungen zufolge in niederländischen Gewässern auf rätselhafte Weise zu Tode gekommen. Tausende Kadaver von Trottellummen wurden an die Küsten der Nordsee angeschwemmt.

Die ausgemergelten Körper der Tiere aus der Familie der Alkenvögel waren im vergangenen Monat an den Wattenmeerinseln im Norden und in den Provinz Zelland im Süden der Niederlande aufgetaucht. Die Lummen halten sich normalerweise nur zur Brutzeit an den Küsten auf und verbringen die meiste Zeit ihres Lebens am Meer.

Für diese Region sei das „ein seltener Vorfall“, erklärte der Meeresbiologe Mardik Leopold von der Universität Wageningen der taz. Zwar habe man bereits in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder tote Vögel beobachten können, aber diese hätten immer mit größeren Ölverschmutzungen zusammengehangen.

„Jetzt aber haben wir saubere Vögel entdeckt, die keine eindeutige Todesursache haben. Ein solches Massensterben haben wir seit 20 Jahren nicht mehr gesehen.“ Im Moment würden die Wissenschaftler noch im Dunkeln tappen.

Mehrere Theorien zum Massensterben

Der Großteil der angespülten Tiere war tot, viele trugen Anzeichen, dass sie verhungert waren. Diejenigen Vögel, die lebendig an den Küsten angespült wurden, befinden sich in der Obhut von Küstenstationen, wo sie rehabilitiert werden.

„Seltsam an diesem Vorfall ist, dass es sich anscheinend nur auf die Niederlande beschränkt“, sagte der Forscher. Weder in Belgien noch in Deutschland seien viele Fälle bekannt.

Laut Leopold hätten die Tiere nasse Federn gehabt, was ungewöhnlich scheine, weil die Meeresvögel normalerweise trocken blieben. „Wenn die Federn nass sind, kann es mehrere Gründe dafür geben: Zum Beispiel sind die Vögel so schwach, dass sie ihre Federn nicht richtig säubern können oder sie haben etwas in ihrem Gefieder, was sie feucht hält.“

Derzeit kursieren unterschiedliche Erklärungen für das Massensterben: Eine Theorie geht davon aus, dass im Winter sehr schlechtes Wetter geherrscht und das die Vögel erschöpft habe.

Spekulationen über Verbindung zu Container-Havarie

Eine andere Theorie macht Plastikmüll für den Tod der Tiere verantwortlich, der aus den knapp mehr als 300 Containern stammt, die Anfang Januar während eines Sturms vom Riesenfrachter „MSC Zoe“ über Bord gegangen waren. Das Frachtschiff war auf dem Weg nach Bremerhaven gewesen und ein Teil seiner in niederländische Gewässer gefallenen Container enthielt Gefahrgut wie giftige Chemikalien.

Tierpathologen an der Universität Utrecht werden in den nächsten Tagen etwa 100 Lummen obduzieren und dabei auch nach Plastikteilchen in den Mägen der Vögel suchen, um die Todesursache zu klären. Noch steht aus, wann und wie die niederländischen Behörden die Untersuchungsergebnisse veröffentlichen wollen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Die Forschungsmittel für ökologische Forschung müssen massiv erhöht werden. Mehr präventiver Umweltschutz kann auch nicht schaden. So ein Schock wie bei den Veröffentlichungen 2017 zum Insektensterben in Deutschland, dem Ehrenamtliche auf die Spur gekommen sind und als Bundesbehörden ahnungslos waren (so wie regelmäßig das KBA :-) ) sollten vermieden werden.

    • @shashikant:

      War da nicht vor kurzem das



      Schiffsunglück bei dem 100 de Fässer mit hochgiftigem Inhalt über Bord



      gingen. Was gibt es das zu rätseln?



      Ich esse keinen Fisch aus Nord- und Ostsee auch bei den anderen Gewässern und Meersalz danke ich ab.

      • @Sofia Dütsch:

        Ich erinnere mich nur an die MSC Zoe. Was Sie nennen, muss noch etwas Anderes sein!? Da passiert scheinbar so viel, daß man gar nicht mehr mitkommt.