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Verhandlungen von Israel und LibanonVon Waffenruhe keine Rede

Libanon und Israel treffen sich zu Gesprächen in Rom. Israels Militär attackiert zuvor in Südlibanon. Libanons Premier streitet mit der Hisbollah.

Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Libanons Premierminister Nawaf Salam hat einen ungewöhnlichen Schritt getan: Ausgerechnet auf der Plattform X machte der sonst so ruhige Diplomat seinem Unmut Luft und ging erstmals öffentlich die Hisbollah an. Eine Rede des Hisbollah-Chefs Naim Qassem brachte das Fass zum Überlaufen.

Qassem hatte der Regierung vorgeworfen, „Israel zu dienen“ und nicht „Libanons Souveränität“. Salam schoss mit scharfen Worten zurück: „Die größte Unterstützung für Israel kam von jenen, die Libanon einseitig in sinnlose ‚Unterstützungskriege‘ hineingezogen und Israel damit Vorwand geliefert haben, unser Land anzugreifen.“

Die Hisbollah hatte am 8. Oktober 2023 Raketen auf die von Israel besetzten Schebaa-Farmen geschossen und damit ihren Beitritt in den Gazakrieg erklärt. Israel eskalierte die Angriffe, besetzte Dörfer im Südlibanon. In einer ersten Waffenpause ab November 2024 griff Israel weiter an, zerstörte die Dörfer im Süden. Mit dem Iran-USA-Krieg schoss auch die Hisbollah am 2. März wieder Raketen auf Israel, das seine Besatzung und die Zerstörung intensivierte. Seit Mitte Juni gilt eine neue Waffenruhe. Die Hisbollah hat ihre Angriffe seitdem eingestellt, Israels Militär greift weiter im Süden Libanons an.

Das bilaterale Abkommen sieht vor, dass Israel die Besatzung beendet und die Hisbollah entwaffnet wird. Beide Seiten sträuben sich dagegen.

Vor den Verhandlungen eskaliert Israel die Angriffe

Der interne Streit kam nur Stunden vor neuen Verhandlungen. Die in den USA akkreditierten Bot­schaf­te­r*in­nen beider Länder trafen sich am Dienstag zur siebten Gesprächsrunde in Rom, vermittelt durch die USA. Dabei geht es um die schrittweise Umsetzung des Juni-Abkommens. Ein unterirdisches Tunnelsystem der Hisbollah soll dabei nach Angaben libanesischer Regierungskreise Thema sein.

Vor den Verhandlungen eskalierte Israel die Angriffe. Am Wochenende soll Israels Militär Häuser in mehreren Städten abgerissen haben. Im Dorf Jarun zündete die Armee ein riesiges Feuer an und brannte 1,2 Millionen Quadratmeter Olivenhaine nieder, so die Gemeindeverwaltung. Israel verschärft auch die Bombardierung des strategisch wichtigen Ali-Taher-Hügels, meldet Libanons Armee. Libanesische Medien warnen vor Bodenangriffen, um das Gebiet einzunehmen. In den letzten Tagen setzte das Militär verstärkt Truppen und gepanzerte Fahrzeuge in der Region ein, um vor der Romrunde vollendete Tatsache zu schaffen, meldet die Zeitung L’Orient-Le Jour.

Nicht nur die Miliz ist sauer, sondern auch die vertriebene Bevölkerung. „Die Bewohner der Grenzregion können es nicht länger ertragen mit anzusehen, wie ihre Häuser und ihre Existenzgrundlage vor ihren Augen verschwinden, während die Bevölkerung schweigt“, sagt Tarek Mazraani, Gründer der zivilen Bürgerinitiative zur Rückkehr der Vertriebenen, der taz. Er kommt aus dem Grenzdorf Hula, das zu 83 Prozent zerstört ist. Die Be­woh­ne­r*in­nen fordern von Libanons Regierung den Stopp der Gespräche mit Israel, solange die „systematische und tägliche Zerstörung, Bombardierung und Vernichtung von Dörfern“ weitergeht.

Libanons Premier zeigte sich am Ende seines Posts zumindest versöhnlich. In Richtung Hisbollah appellierte er, „auf gegenseitige Anschuldigungen“ zu verzichten und in den „Dialog“ einzutreten.

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