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Verbot der rechtsextremen Hammerskins Der Druck muss hoch bleiben

Konrad Litschko

Kommentar von

Konrad Litschko

30 Jahre lang konnten die rechtsextremen Hammerskins ungestört netzwerken. Auch nach ihrem überfälligen Verbot bleibt die Szene gefährlich.

D as Treiben ging schon ewig. Schon vor rund 30 Jahren organisierten die rechtsextremen Hammerskins Konzerte, verbreiteten Hassmusik in der Szene. Schon 2002 gab es bundesweite Razzien gegen die Gruppe, später bewegten sich einige Hammerskins im NSU-Umfeld. Nun, im Jahr 2023, erfolgt das Verbot.

Wenn man bei einer Gruppierung die Frage stellen kann, warum sie erst jetzt verboten wird, dann bei dieser. Zuletzt tauchten Hammerskins nicht mal mehr in Verfassungsschutzberichten auf – dabei waren sie weiter aktiv. Zwar mied die Gruppe die Öffentlichkeit, aber sie gab sich mit Logos auf Konzerten oder Tonträgern zu erkennen. Und sie übte in der Szene einige Anziehungskraft aus: Als selbst erklärte Elite und „Bruderschaft“ organisierten sich dort langjährig aktive Kader.

Die Behörden schauten zu – und die Rechtsextremen konnten sich in all den Jahren vernetzen, auch international, konnten mit Konzerten und Kampfsport Gelder akquirieren und Neumitglieder, die sich über Jahre erproben mussten, auf strammste Ideologie trimmen. Kurz: Sie konnten eine Maschinerie des Hasses am Laufen halten.

Wie gefährlich die ist, zeigen die Waffenfunde bei den Durchsuchungen am Dienstag – und die Ermittlungen wegen Waffenverstößen gegen einige Beschuldigte. Es ist daher überfällig, dass Nancy Faeser die Hammerskins verbietet. Schon bei Amtsantritt hatte die Sozialdemokratin angekündigt, rechtsextreme Netzwerke zerschlagen zu wollen. Die Behörden gingen gegen Reichsbürger vor – sonst aber folgte nichts. Dabei hatte selbst Faesers Vorgänger Horst Seehofer wiederholt zu Verboten gegen die rechtsextreme Szene gegriffen.

Bleibt zu hoffen, dass Faesers Schlag gegen die Hammerskins nicht nur ein hessisches Wahlkampfmanöver ist, sondern dass sie ab jetzt dauerhaft den Druck auf die Neonaziszene hoch hält. Nötig wäre es. Dass die langjährig konspirativ organisierten „Brüder“ nun einfach aufgeben, ist unwahrscheinlich. Auch sonst ist die Zahl der gefährlichen Rechtsextremisten im Land weiter viel zu hoch.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Konrad Litschko

Konrad Litschko Reportage und Recherche

Ressort Reportage und Recherche. Zuvor Redakteur für Themen der "Inneren Sicherheit" im taz-Inlandsressort, dort von 2022 bis 2024 stellvertretender Ressortleiter. Davor im Berlin-Ressort. Mitautor der Bücher "Staatsgewalt" (2023), "Fehlender Mindestabstand" (2021), "Extreme Sicherheit" (2019) und „Bürgerland Brandenburg" (2009). Threema ID: 2H9VKXR4
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2 Kommentare

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  • Land of plenty

    Hammerskins: Ein Verbot von einer Zelle ist das.



    "Die Behörden schauten zu":



    Es gibt das Blood & Honour Netzwerk, Combat18. Das sind die Kerne des Rechtsterrorismus. Brandsätze gegen türkische Imbissbuden gab es auch von anderen Rassisten, wie Markus Mohr und Daniel Roth in dem 2021er Buch über den NSU-Komplex auflisten "Stärkere Strahlkraft". Buchpräsentation: - Rosa-Luxemburg-Stiftung



    www.rosalux.de/dok...gen-im-nsu-komplex



    Solange der Geheimdienst den angeworbenen Nazis Quellenschutz garantiert und damit Terroristen Straflosigkeit garantiert, wie im Fall des Johann Haller/ Helfer als sprengstoffkompetente Person in Köln 2000, so lange ist der BfV/ die LfV die gefährlichste Behörde des Landes. 40 angeworbene Nazis um eine Terrorzelle drum herum, und nur die wurden verurteilt, die sich nicht anwerben ließen.



    Da liegt das Problem.



    Mehrere Zellen, die keineswegs besonders konspirativ agieren. Betreut von den Behörden.



    Die autonome Antifa ist da wirksamer - so lange es noch welche gibt.

    • Ajuga

      @Land of plenty:

      Wohl wahr.

      OTOH, die autonome Antifa ist nicht in der Lage, den "Häuptling von Jamel" höchstpersönlich zu razzen.

      Hoffentlich wurde der nicht vorher gewarnt. Aber angeblich wurden "Transporter und LKWs" (im Plural) zum Abtransport des beschlagnahmten Beweismaterials angefordert. Scheint also nicht wenig zu sein.

      Krüger war ja selbst der NPD zu rechts, und ist im dem HS/B&H/C18-Netzwerk eine zentrale Vernetzungsfigur. Insofern hoffe ich auf fette Beute seitens der Cops.