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Venezuelas Abkommen mit den USATrumps dubioser Öl-Dealer

Das Parlament stimmt dem Öl-Abkommen mit den USA zu. Die Geschäfte leiten soll Millionär Alejandro Betancourt, gegen den wegen Geldwäsche ermittelt wird.

Das venezolanische Parlament hat am Dienstag US-Präsident Donald Trumps „größten Öl-Deal der Weltgeschichte“ per Handzeichen durchgewunken – ohne dass die Par­la­men­ta­rie­r*in­nen den kompletten Text des „binationalen Energieträger-Abkommen“, wie es richtig heißt, einsehen konnten. Die Armee signalisierte ebenfalls Zustimmung. Am Abend traf US-Energieminister Chris Wright in Venezuela ein. Er soll am Mittwoch das Abkommen und weitere Ölabkommen unterzeichnen

Am Montag hatte das Weiße Haus außerdem bestätigt, was Medien seit Tagen vermutet hatten: Das Unternehmen North American Blue Energy Partners (Nabep) soll besagten Deal umsetzen. Es gehört dem venezolanischen Millionär Alejandro Betancourt. Gegen den 46-Jährigen ermitteln die Schweiz und Spanien wegen Geldwäsche – basierend auf US-Ermittlungen.

Betancourt hatte bereits zur Zeit von Präsident Hugo Chávez eine Schlüsselrolle inne. Er gehörte zu den sogenannten „bolichicos“, den Unternehmern, die Dank des Chavismus enorme Reichtümer anhäuften, unter anderem mit Staatsverträgen. Mit seiner Firma Derwick Associates hatte Betancourt Milliarden Dollar schwere dubiose Geschäfte mit Stromkraftwerken in Venezuela gemacht. Viele von ihnen funktionierten nicht. Ins Ölgeschäft stieg er ebenfalls ein. 2020 kühlte die Beziehung zum Chavismus zeitweise ab. Da erfand er sich in Europa neu, als Start-up-Gründer, wie Reuters schon vor Jahren recherchierte. Mittlerweile steht er Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez nahe.

Außenminister Marco Rubio verteidigte die Personalie unter anderem damit, dass gegen Betancourt in den USA keine Untersuchungen laufen würde. Vor zehn Jahren stand der Magnat jedoch im Fokus von Ermittlungen der Bundesbehörden in Miami – wegen des Diebstahls von mehr als 1 Milliarde US-Dollar aus der staatlichen Ölgesellschaft Venezuelas PDVSA. Die seien laut Behördenangaben über Bankkonten und Immobilieninvestitionen in den Vereinigten Staaten und Europa gewaschen worden.

Schweiz erlaubte Auslieferung nach Druck von Trump

Angeklagt wurden in Miami nur sein Cousin und ein Dutzend andere Venezolaner – Alejandro Betancourt nicht. Dafür griff die Schweizer Justiz die Sache Jahre später auf und holte spanische Kol­le­g*in­nen mit ins Boot. In Spanien hat dieses Jahr ein Gericht den Fall gegen ihn wieder eröffnet.

Unterdessen engagierte die Trump-Regierung Betancourt, um zwischen den USA und Venezuelas Regierung und Ölindustrie zu vermitteln – besonders nach der Entführung von Präsident Nicolas Maduro durch US-Elitesoldaten im Januar 2026. Laut einem jüngsten Bericht der Washington Post machten die USA Druck auf die Schweiz, die einen Auslieferungsantrag an Großbritannien gestellt hatte, wo der Geschäftsmann mittlerweile lebte. Demnach setzten sich US-Beamte dafür ein, dass eine strafrechtliche Anklage vermieden und die Reisebeschränkungen aufgehoben wurden – damit er für die USA die Venezuela-Deals einfädeln konnte. Mit Erfolg: Betancourt durfte aus Großbritannien ausreisen. Das Strafverfahren in der Schweiz läuft aber weiter.

Seit Monaten agiert Betancourt als Mittelsmann für Mauricio Claver-Carone, der bis vor Kurzem inoffizieller Gesandter des US-Außenministeriums für Venezuela war, sagte Claver-Carone mehreren Medien.

Private US-Konzerne haben sich von Washington bisher nicht in Venezuelas Ölindustrie drängen lassen. Hoher Investitionsbedarf und mangelnder Rechtsstaat schrecken ab. Nun will das Pentagon es selbst tun, über das Konstrukt mit Nabep – ein Novum.

Mehrheit der Vorstandsmitglieder sollen US-Bürger sein

Betancourts Firma Nabep ist bereits der zweitgrößte private Ölerzeuger in Venezuela. Das Unternehmen erhalte jetzt laut dem Weißen Haus von Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez die Rechte an 17 Ölfeldern für die Dauer von 100 Jahren. Dort liegen nachgewiesene Reserven von 65 Millionen Barrel – rund ein Fünftel der venezolanischen Reserven.

Laut US-Angaben werde Nabep bis zu 100 Milliarden Dollar in neue Ölinfrastruktur investieren. 35 Prozent der Ölförderung gehen ans US-Verteidigungsministerium. Außerdem werde den USA über das Außenministerium das Recht garantiert, 20 Prozent der Fördermenge zum Selbstkostenpreis zu erwerben. Für den Rest erhält das Außenministerium ein Vorkaufsrecht. Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder in dem Joint Venture solle aus US-Bürgern bestehen. Bei der Ernennung habe die US-Regierung ein Vetorecht.

Letzteres ist einer von vielen Gründen, weshalb Ju­ris­t*in­nen an der Rechtmäßigkeit und Dauer des „Deals“ zweifeln.

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